Das „Bibermonopol“ sorgt für Ratlosigkeit in Langfurth | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 16.03.2025 07:12

Das „Bibermonopol“ sorgt für Ratlosigkeit in Langfurth

Bei der Besichtigung eines Biberreviers in Ammelbruch (von links): Bürgermeister Simon Schäffler, zweiter Bürgermeister Horst Binder und Bauhofmitarbeiter Martin Meyer fordern das regelnde Eingreifen der Politik. (Foto: Friedrich Zinnecker)
Bei der Besichtigung eines Biberreviers in Ammelbruch (von links): Bürgermeister Simon Schäffler, zweiter Bürgermeister Horst Binder und Bauhofmitarbeiter Martin Meyer fordern das regelnde Eingreifen der Politik. (Foto: Friedrich Zinnecker)
Bei der Besichtigung eines Biberreviers in Ammelbruch (von links): Bürgermeister Simon Schäffler, zweiter Bürgermeister Horst Binder und Bauhofmitarbeiter Martin Meyer fordern das regelnde Eingreifen der Politik. (Foto: Friedrich Zinnecker)

Eine zunehmende Biber-Population mit mehreren Dutzend Tieren stellt die Gemeinde Langfurth im Landkreis Ansbach vor große Probleme und sorgt dort für hohe Kosten. Die Gemeinde-Verantwortlichen stehen dem Tun der Baumeister machtlos gegenüber und wünschen sich eine Weichenstellung der „großen Politik“.

Wie bei einem Ortstermin am Ammelbrucher Badeweiher deutlich wurde, wird die rege Bautätigkeit der Nager mittlerweile zu einer kostspieligen Angelegenheit für die Allgemeinheit, etwa wenn an beschädigten Wegen Unterhaltsmaßnahmen anstehen. Dabei hatte der Dammbau am Kritzenbach, der aus einer Quelle kommend den Badeweiher speist, auf die Badegäste keinen erkennbaren negativen Einfluss. Das Wasser wird regelmäßig vom Gesundheitsamt überprüft und es gab keinerlei Einschränkungen für den Badebetrieb. Allerdings spülte bei Starkregen der Zufluss auch Erdreich und Schmutz in das Gewässer, da sich das Wasser einen seitlichen Weg bahnte.

„Mit dem Latein am Ende“

Beim Blick in das angrenzende, in den 1970er Jahren angelegte Waldstück könnte man glauben, die Wochenarbeit eines Holzfällertrupps zu erkennen. Für den Bau mehrerer Biberburgen wurden Weiden, Hainbuchen und Wildkirschen gefällt. „Für jede Baumfällung muss Rechenschaft abgelegt werden, nur der Biber darf alles“, so Bürgermeister Simon Schäffler, der zusammen mit seinem Stellvertreter Horst Binder und Bauhofarbeiter Martin Meyer eine Ortsbesichtigung vornahm. Jeder im Wald vom Rehwild verfegte Baum bringe hitzige Diskussionen zwischen Förstern, Jägern und Waldbesitzern mit sich, während bei den Biberrevieren tatenlos zugesehen werde, wurde betont.

Das eigentlich erfolgreiche Projekt mit der Wiederansiedlung des Bibers werde allmählich zur Plage. Die hochaktiven Tiere hätten keine natürlichen Feinde und aus der gewünschten „Artenvielfalt ist ein Bibermonopol geworden“, so Schäffler. Zweiter Bürgermeister Horst Binder zeigte sich „frustriert und diesbezüglich mit dem Latein am Ende“. Martin Meyer sieht in der Entwicklung eine gewisse Widersprüchlichkeit: „Zuerst rottet man den Biber aus und jetzt nimmt er wieder überhand!“

Den Behörden sind aufgrund des EU-Rechts die Hände gebunden

Dabei erkennen die Kommunalpolitiker durchaus das Bemühen der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Ansbach an. Man sei mit dem dafür zuständigen Stefan Walter und dem Biberbeauftragten Jürgen Ströhlein in engem Austausch. Allerdings seien den Behörden aufgrund des geltenden EU-Rechts über den Artenschutz meist die Hände gebunden, hieß es. Gefordert sei also die „große Politik“.

Das könnte Sie auch interessieren
Waldbegehung in Matzmannsdorf: Entdeckungsreise durch Natur und GeschichteHunde an die Leine: LBV ruft zum Schutz von Wiesenbrütern in der Region aufWechsel an der Spitze: Neustädter Landschaftspflegeverband hat eine neue ChefinDie „grüne Stimme” der CSU aus Herrieden ist noch immer zu hörenSchätze der Natur am Wegesrand: So bewahrt das Taubertal seine IdylleGegen den Mähtod: Münchsteinacher Kindergartenkinder begeben sich auf RehkitzsucheGegen den „Mäh-Wahn”: Trautskirchener Landschaftsgärtner startet besondere AktionMähroboter als Todesfalle für Igel: Stadtrat Ansbach beschließt NachtfahrverbotSchnelldorf: Die Firma Groninger & Co GmbH setzt konsequent auf KlimaneutralitätExpertentipps beim Jungbaumpflegekurs: Wie pflanze ich einen Streuobstbaum?Hier stehen jetzt Bäume: Kleine Frischekur für das Fischhausbad SchillingsfürstHerrieder Erfolgsmodell für die Umwelt: Naturschützer und Landwirte an einem TischIn Rothenburg ist die kommunale Wärmeplanung auf der ZielgeradenWie sauber ist die Haslach? Gemeinderat Burghaslach informiert sich vor OrtNestbau am Rathaus in Bad Windsheim: Darf der Storch bleiben?

Immerhin wurde genehmigt, die Biberdämme um 25 Zentimeter abzusenken, da sonst die angrenzenden Feldwege noch mehr in Mitleidenschaft gezogen werden. Biber haben die Böschung bereits an mehreren Stellen unterhöhlt und sich Fluchtwege geschaffen. Das Verfüllen von Löchern mit Schotter reicht nicht mehr aus. Aufwendige und kostenträchtige Wegesanierungen fallen an, da der nachgebende Unterbau zu gefährlichen Zwischenfällen mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen führen kann.


Von Friedrich Zinnecker
north