Das Bauernhofmuseum in Geckenheim beherbergt Alltagsdinge mit Geschichte | FLZ.de

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Veröffentlicht am 17.08.2025 16:20

Das Bauernhofmuseum in Geckenheim beherbergt Alltagsdinge mit Geschichte

Otto Rückert ganz oben in seiner Scheune vor dem Küchentisch voller früher gebräuchlicher Utensilien. (Foto: Ulli Ganter)
Otto Rückert ganz oben in seiner Scheune vor dem Küchentisch voller früher gebräuchlicher Utensilien. (Foto: Ulli Ganter)
Otto Rückert ganz oben in seiner Scheune vor dem Küchentisch voller früher gebräuchlicher Utensilien. (Foto: Ulli Ganter)

„So etwas schmeißen die Leute weg”, sagt Otto Rückert wieder und wieder kopfschüttelnd beim Rundgang durch seine mehrstöckige Scheune im Weigenheimer Ortsteil Geckenheim. Er will die Dinge bewahren – und die Geschichten, die dahinter stehen.

Da ist ein Leiterwagen, eigentlich nichts Besonderes. Oder doch? Otto Rückert erzählt von dem Lehrer Ladislaus Szabo aus dem Uffenheimer Ortsteil Wallmersbach, von dem er ihn bekommen hat. Er gehörte zu den Heimatvertriebenen. „Er hat mir erzählt, dass er nur so viel mitnehmen konnte, wie auf dem kleinen Wagen Platz hatte.”

Direkt gegenüber steht ein alter Pflug, den besaß einst der frühere Ipsheimer Bürgermeister Paul Ruhl – er stand in seinem Wohnzimmer. Mit diesem Pflug war er nämlich auf der Weltmeisterschaft im Pflügen in Stuttgart. Der Pflug kam mit dem Zug nach Stuttgart, die Pferde bekam man vor Ort. Es wurde nichts mit dem Weltmeistertitel. „Ich glaube, die schwäbischen Pferde haben mich nicht verstanden”, hatte Ruhl eine Erklärung parat.

Trauriges und Heiteres

Eine traurige und eine heitere Geschichte, beide haben in der hohen Scheune in Geckenheim Platz. Ganz oben, unter dem Giebel, steht ein alter Küchentisch: ein Spätzlehobel, eine Vielzahl an Fleisch- und anderen Mühlen stehen da. Wenn die Leute herkommen, dann schwelgen sie in Erinnerungen an ihre Kindheit – oder sie reagieren abwehrend: „Geh mir weg, ich mag nicht mehr dran denken. Ich habe mich so geplagt.”

Rückert selbst dagegen kann nicht genug von der Geschichte bekommen: Egal ob die Dorfgeschichte, die Geschichte seiner Familie oder die Geschichte des Hofs in den er eingeheiratet hat: Stück um Stück ergänzt er sein Museum, auch wenn er umräumen muss, damit alles hineinpasst.. Dabei wurde es bei einem Großbrand vor drei Jahren auf dem Nachbarhof in Mitleidenschaft gezogen und ist gerade erst wieder instand gesetzt.

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Als er seine Frau Gertrud heiratete, wurde die Scheune noch landwirtschaftlich genutzt. Rückert betrieb die Landwirtschaft von Anfang an nebenberuflich. Gesammelt hat er aber schon als Kind gerne. Durch seine Außendiensttätigkeit in der Beratung zur Schweinezucht kam er viel herum und erhielt, als sein Interesse bekannt wurde, viele Angebote. Das meiste erhielt er geschenkt. Für wenige Stücke griff er in seine Tasche.

Schneidemaschine zum Laufen gebracht

Restauriert hat er dabei nichts. Er will die landwirtschaftlichen Geräte, Handwerkszeug und Haushaltswaren so präsentieren, wie sie genutzt wurden. Bei manchen Gegenständen allerdings ließ es ihm keine Ruhe: Er zeigt auf eine Schneidemaschine zur Getreideernte. Dem Landwirt, der sie ihm überließ, sagte er: „Ich möchte sie wieder zum Laufen bringen.” Dass der das für unmöglich hielt, spornte ihn umso mehr an. Schließlich lud er den Bauern ein und präsentierte das Gerät in voller Aktion: „Da standen ihm Tränen in den Augen”, erzählt Rückert.

Dass der 78-Jährige auch technisches Interesse mitbringt, merkt man zum Beispiel an dem großen Erntewagen, der sehr weit oben in seiner Scheune einen Platz gefunden hat. Um ihn dorthin zu bringen, musste er in seine Einzelteile zerlegt und dann wieder an Ort und stelle zusammengeschraubt werden. Das ist viel komplizierter, als man meinen möchte: „Viele Teile sind handgeschmiedet, eine Schraube passt nur an ihre Ursprungsstelle”.

„Ich bring´s halt nicht übers Herz, etwas wegzuschmeißen”, sagt der Mann, dessen Grundsatz lautet: „Altes sammeln, erhalten und bewahren.” Tatsächlich hat er denjenigen versprochen, die ihm ihre Schätze anvertraut haben, dass die Sachen erhalten bleiben. Er hat drei Söhne und sechs Enkelkinder. Auch wenn die jungen Erwachsenen noch das Leben vor sich haben, hofft er darauf, dass zumindest bei einem von ihnen das Interesse an der Vergangenheit lebendig bleibt.

Seit 17 Jahren in Betrieb

Eröffnet wurde das Museum 2008 mit dem damaligen Landrat Walter Schneider und Bürgermeister Reinhard Kloha sowie Kreisobmann Leo Seitz. Es umfasst 3270 registrierte Teile. Egal, ob beim Ferienprogramm, dem Uffenheimer Handwerkermarkt oder anderen Gelegenheiten, Rückert will weitergeben, wie früher gebuttert, ein Seil gedreht, die Sense gedengelt oder das Mehl gemahlen wurde – und vieles mehr.

Daneben war Rückert lange Kreisvorsitzender des Gartenbauvereins Uffenheim und später stellvertretender Vorsitzender der Gartenbaufreunde im Kreis NEA, 36 Jahre war er Feuerwehrkommandant in Geckenheim. Er stiftete viel fürs Dorf, die Kirche und den Friedhof und erhielt das Bundesverdienstkreuz.

Tränen zum 80. Geburtstag

Ein Brotbacktrog, Kinderspielzeug, viele Dezimalwaagen (je nach Größe des Hofs variierte auch das Maximalgewicht erheblich). Ein schmaler Rechen, der beidseitig Zinken aufweist, wobei die auf der einen Seite länger sind, als die auf der anderen: „Der stammt aus den Dürrejahren 1945/46. Da sind die Leute in den Wald gegangen, um Laub zu rechen, deshalb die längeren Zinken und deshalb so schmal, damit man nicht am Baum hängenbleibt.”

Teile der im Krieg zerschossenen Dorfkirche sind für ihn besonders wertvoll. Er bewahrt aber genauso Gegenstände, die für andere eine Bedeutung haben. Zu seinem 80. Geburtstag wurde ein Mann aus Hohlach (Simmershofen) von seinem Bruder in Rückerts Scheune geführt. Als er das Sofa aus seinem Elternhaus sah, begann er zu weinen. „Dort hatte seine Mutter ihn gewickelt, darauf hatte sie neben ihm geschlafen.”


Ulli Ganter
Ulli Ganter
Redakteurin
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