Badhäuser waren im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in Franken. Sie stellten öffentliche Orte für die Körperhygiene, Gesundheitspflege und des persönlichen Austausches dar, sowohl in den Städten als auch auf dem Land.
So konnten zahlreiche Badhäuser in den ländlichen Regionen nachgewiesen werden, wie auch in Reinhardshofen, einem Ortsteil von Gutenstetten im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. In der Unteren Dorfstraße 8 geht der älteste Hinweis für ein Badhaus auf 1569/70 zurück. Der am Hang errichtete eingeschossige, giebelständige Fachwerkbau entstand vermutlich im 18. Jahrhundert auf einem Vorgängerbau, schreibt Franziska Lehmann vom Bezirk Mittelfranken in ihrer Laudatio für das Projekt, das bei der Denkmalschutzprämierung heuer zu den zehn ausgezeichneten Bauwerken gehört.
Mehrere Umbauphasen im 19. und 20. Jahrhundert seien im Zuge einer umfassenden restauratorischen Voruntersuchung nachweisbar gewesen, wie unter anderem der Anbau eines gemauerten Zwerchhauses an der Nordostecke im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts. Ein Zwerchhaus ist ein Dachaufbau, der direkt auf der Fassade aufsetzt.
Wie lange das Badhaus im Betrieb war und woher es seine Wasserquelle speiste, ist nicht geklärt. Die Badestube befand sich wohl im nach Süden gerichteten Keller, in dem sich noch Anzeichen für einen Badeofen finden. Der Bader dürfte im Erdgeschoss gewohnt haben, das mit einem Kaminofen und einem zweiten Ausgang an der östlichen Außenwand ausgestattet war.
Dass das ehemalige Badhaus heute noch an seinem ursprünglichen Ort steht, ist nach den Worten von Lehmann keine Selbstverständlichkeit. In den 1980er Jahren sei es bereits für den Abriss freigegeben gewesen und konnte nur unter Widerstand in die Denkmalliste aufgenommen werden. Das kleine Gebäude war in einem sehr schlechten Gesamtzustand mit tiefgreifenden Schäden an der Fachwerkkonstruktion durch Schädlingsbefall oder Feuchtigkeitsschäden am Dachtragwerk durch die undicht gewordene Einfach-Eindeckung.
In einer auf mehrere Jahre angelegten, umfangreichen Instandsetzung, die der Eigentümer mit weit über 4000 Stunden an Eigenleistung begleitete, konnte das große Schadensbild bestandsschonend und denkmalgerecht behoben werden. Es erfolgte eine zimmermannsmäßig vorgenommene statische Ertüchtigung des Dachtragewerks, des Fachwerks und der Zwischenbalkendecken.
Die Gestaltung der Außenfassade geschah in Absprache mit den Behörden, ebenso wie die der Holzsprossenfenster. Im Inneren wurden die Lehmwickeldecken und Fachwerkzwischenwände wiederhergestellt, die Innenseiten der Außenwände erhielten eine Leichtlehm-Vorsatzschale.
Zudem hat man das Erdgeschoss auf die historische Raumstruktur zurückgeführt und das Dachgeschoss zu Wohnraum ausgebaut. Die Modernisierung geschah in zurückhaltender Weise und unter Verwendung passender Materialien.
„Das ehemalige Badhaus in Reinhardshofen stellt nun wieder ein lebendiges Zeugnis für das bis weit in die Frühe Neuzeit hinein sozialgesellschaftlich bedeutsame Badewesen Frankens dar“, bilanzieren die Denkmalschützer des Bezirks.