Das Alte Zollhaus zu Reichardsroth vor dem Verfall gerettet | FLZ.de

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Veröffentlicht am 08.01.2025 12:00

Das Alte Zollhaus zu Reichardsroth vor dem Verfall gerettet

So präsentiert sich das sanierte Zollhaus in Richtung Süden. Rechts im Obergeschoss ist eine steinerne Wappentafel angebracht, die auf das Jahr 1700 datiert. (Foto: Karl-Heinz Gisbertz)
So präsentiert sich das sanierte Zollhaus in Richtung Süden. Rechts im Obergeschoss ist eine steinerne Wappentafel angebracht, die auf das Jahr 1700 datiert. (Foto: Karl-Heinz Gisbertz)
So präsentiert sich das sanierte Zollhaus in Richtung Süden. Rechts im Obergeschoss ist eine steinerne Wappentafel angebracht, die auf das Jahr 1700 datiert. (Foto: Karl-Heinz Gisbertz)

Wer auf der ehemaligen Bundesstraße 25 durch Reichardsroth fährt, dessen Blick bleibt unweigerlich an einem aufwendig restaurierten Fachwerkgebäude hängen. Es handelt sich dabei um das ehemalige Zollhaus.

Die ältesten Spuren dieses historisch wertvollen Gebäudes reichen bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts zurück. Matthias Zink hat sich in das Haus verliebt und dieses weit über die Grenzen des kleinen Dorfes hinaus bekannte einmalige Zeugnis der Geschichte vor dem Verfall gerettet.

Fichten aus dem Jahr 1699 verbaut

Dass das Zollhaus im Jahr 1700 erbaut wurde, scheint relativ sicher. Denn das Alter der beim Bau verwendeten Balken konnte mit dendrochronologischen Untersuchungen genau bestimmt werden. Die Bäume wurden demnach im Winter 1699/1700 gefällt. In seinem Bericht erwähnt Georg Brütting von der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg exakt die Datierung von fünf Fichten und einer Eiche. Weiter merkt Brütting an: „Es ist davon auszugehen, dass das Holz im Frühjahr/Sommer 1700 verbaut wurde.“

Was war die ursprüngliche Bedeutung des Gebäudes? Zum einen sollten hier die Einnahmen durch den Wegezoll beherbergt werden. Dafür gab es wohl einen Wachraum und eine Amtsstube, in der die Zollbüchse aufbewahrt wurde. Zum anderen diente es auch als Wohnraum, nämlich als Dienstwohnung für den Zöllner und Hegereiter.

Bis zum Jahr 2000 war das ehemalige Zollhaus bewohnt. Zuletzt lebten dort bis zu seinem Tod im Jahr 1985 der Schreinermeister Johann Michael Ott und seine Ehefrau Rosina Margarethe Ott. Sie verstarb im Jahr 2000, und 2013 wurde das Haus schließlich zum Verkauf angeboten. Niemand hätte damit gerechnet, dass ein junger Mann aus der Gemeinde den Mut aufbringen würde, aus dem damals unscheinbaren Gebäude mit deutlich sichtbaren Spuren seines hohen Alters ein einzigartiges und mehrfach prämiertes Denkmal zu machen. Viele Ehrungen würdigen die herausragenden Leistungen von Matthias Zink für die gelungene Instandsetzung des altehrwürdigen Zollhauses.

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Vorbildlicher Umgang

Ganz besonders hat er sich über die Verleihung der Denkmalschutzmedaille durch das bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst im Jahr 2023 gefreut, sagt er. Auch die Regierung von Mittelfranken lobt sein Engagement in den höchsten Tönen: „Der vorbildliche Umgang mit historischer Bausubstanz und die beispielgebende Nutzung eines älteren Gebäudes sowie die Wiederbelebung des Altortbereiches“ seien besonders hervorzuheben.

Die Denkmalprämierung der Regierung von Mittelfranken ist eine ideelle Ehrung, bei der die Preisträger eine Urkunde erhalten. Im Oktober 2024 erhielt Matthias Zink außerdem den ersten Preis der Stiftung der Stadt- und Kreissparkasse Rothenburg.

Er ist davon überzeugt, dass sich das Interesse für den Denkmalschutz lohnt. Wenn man sich erst einmal für so ein altes Bauwerk begeistert habe, verstehe man auch, wie wertvoll es ist, so ein Objekt zu erhalten. „Ich habe mir das auch leichter vorgestellt, denn es ist eine große Aufgabe, den besten Kompromiss zwischen Alt und Neu zu finden“, gibt er zu.

Fundstücke liegen im archäologischen Fenster

Heute wohnt der Besitzer, der eher gern im Hintergrund agiert, allein in dem historischen Fachwerkhaus mit einer nutzbaren Wohnfläche von rund 180 Quadratmetern. Sämtliche während der Bauzeit entdeckten Fundstücke bewahrt er in einem „archäologischen Fenster“ auf: Sie liegen auf der Oberseite des Kellergewölbes und sind von einer betretbaren Glasscheibe geschützt.

Der für die Geschichte des Zollhauses wichtigste Kleinfund waren die Chausseegeld-Quittungen. Dahinter verbirgt sich eine Art Straßennutzungsgebühr, die für die Nutzung bestimmter Straßen durch Fuhrwerke in Form von Bargeld entrichtet werden musste. Zink betont, dass er seiner Familie und vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern für deren „uneingeschränkte und andauernde Unterstützung“ zu „allerhöchstem Dank“ verpflichtet sei. Sie hätten bei der Sanierung mit insgesamt rund 14.000 Stunden das Kontingent der Eigenleistung „enorm erhöht“.

Die Sanierung wurde dokumentiert

Sämtliche Zahlen und Fakten zu der Instandsetzung des Gebäudes hat er in dem 300 Seiten starken und 2021 erschienenen Buch „Das Alte Zollhaus zu Reichardsroth“ dokumentiert. Matthias Zink betont ausdrücklich, dass diese Schrift keinen kommerziellen Hintergrund habe. In seinem Nachwort blickt er noch einmal abschließend auf die Jahre der Sanierung und Instandsetzung zurück. Nur mit viel Elan, Freude und Eigenleistung sei es möglich gewesen, „diesen in meinen Augen historischen Schatz auch in Zukunft im geschichtsträchtigen Ort Reichardsroth zu erhalten“.

Reichardsroth

Ein Dorf mit reicher Geschichte

  • Reichardsroth ist der nördlichste Ort des Landkreises Ansbach. Das Dorf gehört zur politischen Gemeinde Ohrenbach, kirchlich allerdings zur Pfarrei Langensteinach, also zum Dekanat Uffenheim im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim.
  • Historische Quellen belegen, dass es in der Vergangenheit eine Johanniter-Kommende sowie ein Zent-, Blut- und Halsgericht gab.
  • Außerdem ist Reichardsroth der nördlichste Punkt des Landwehrgebietes. Dort stand früher einer von mehreren Landtürmen – Teil der Landhege, einer 62 Kilometer langen Befestigung, die das Landwehrgebiet umschloss. Deren Bau hat der Rothenburger Stadtrat 1420 beschlossen.
  • Im Kern des ehemaligen Zollhauses, welches alle kriegerischen Auseinandersetzungen der letzten Jahrhunderte überstanden hat, verbergen sich vermutlich noch Reste dieses Turmes – einer von insgesamt neun, die zwischen 1420 und 1450 entstanden sein müssen.
  • Allerdings ist von dem Turm heute nichts mehr zu sehen. Dafür ist einer der 65 Landhegesteinen in Reichardsroth sichtbar. Er trägt die Nummer 39.


Von Karl-Heinz Gisbertz
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