Bei der Kommunalwahl am 8. März tritt Herriedens Bürgermeisterin Dorina Jechnerer nicht mehr an. Den Verzicht auf eine erneute Kandidatur begründet die 46-Jährige in einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung damit, dass sie „ohne das Vertrauen einer verlässlichen Mehrheit des Stadtrats” die Verantwortung nicht mehr übernehmen wolle.
Zwar stünde einer „weiterhin guten Zusammenarbeit” mit der Fraktion von Bündnis90/Die Grünen nichts im Weg, so die parteilose Rathauschefin, die sich bei der Wahl 2020 als Bewerberin für das Bürgerforum Herrieden durchgesetzt hatte. Weil aber Gespräche mit den Fraktionsvorsitzenden von CSU und Fortschrittlichen Bürgern „nicht zum gewünschten Ergebnis geführt” hätten, werde sie 2026 nicht mehr kandidieren, schreibt Jechnerer in ihrer Erklärung. Persönlich war die Bürgermeisterin am Donnerstag indes nicht zu erreichen: Wie sie die FLZ schriftlich informierte, weilt sie derzeit im Urlaub.
In den ersten beiden Jahren ihrer Amtszeit hatte Dorina Jechnerer noch mehr oder weniger auf die Unterstützung einer knappen Mehrheit von Bürgerforum, Grünen und Freien Wählern im Stadtrat zählen können. Doch dies änderte sich spätestens im Mai 2022 grundlegend: Nachdem sich die Freie-Wähler-Fraktion nach deutlichen Meinungsverschiedenheiten aus dieser Koalition verabschiedet hatte, standen im 20-köpfigen Ratsgremium nur noch die jeweils vier Fraktionsmitglieder von Bürgerforum und Grünen verlässlich hinter dem Stadtoberhaupt.
In der Folge konnte die Bürgermeisterin einige der ihr wichtigen Anliegen nicht mehr durchsetzen: Nur wenige Wochen nach dem Fraktionsbruch scheiterte zum Beispiel ihr Wunsch, die Landesgartenschau nach Herrieden zu holen. Ebenfalls erfolglos blieb Jechnerers Vorhaben, im Rahmen der Stadtschloss-Sanierung die Verwaltung vom Rathaus in das historische Gebäude zu verlegen, das nun gegen ihren Willen als Veranstaltungszentrum mit großem Saal gestaltet werden soll. Und wenngleich ihr bei zahlreichen weiteren Entscheidungen die Ratsmehrheit durchaus folgte, wurde die Bürgermeisterin wiederholt auch bei anderen Beschlüssen überstimmt.
Gleichwohl habe sie mit „Dankbarkeit, Demut und tatkräftigem Gestaltungswillen” sehr gerne die Verantwortung als Bürgermeisterin übernommen, schreibt die Rathauschefin in ihrer aktuellen Erklärung. Und: „Trotz der enormen Herausforderungen und Unsicherheiten durch Corona-, Energie- und Wirtschaftskrise dürfen wir uns über viele positive Entwicklungen freuen.” Dafür danke sie den städtischen Mitarbeitenden ebenso wie den Ratsmitgliedern, „die den politischen Entscheidungsprozess sachorientiert und konstruktiv mitgestalten”.
Nun gelte es, „das erfolgreiche Miteinander von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Herrieden” weiter zu fördern. Grundsätzlich sei sie bereit, die Entwicklung der Stadt „in Zukunft positiv zu gestalten”. Als Parteilose stehe sie „für einen fairen und sachlichen Interessensausgleich” und werbe „für einen Schulterschluss der demokratischen Parteien und Gruppierungen”. In diesem Zusammenhang verspricht sie, „dass ich mich in gewohnter Weise mit Ernsthaftigkeit, Fleiß und uneingeschränktem Engagement bis Ende April 2026 für das Wohl unserer Stadt und unserer Dörfer aktiv einsetze”.
Als positive Ergebnisse ihrer bisherigen Amtszeit listet die gelernte Gymnasiallehrerin für Deutsch und Geschichte unter anderem die Erweiterung des Angebots in Sachen Kinderbetreuung ebenso auf wie Investitionen im schulischen Bereich. Die Erschließung neuer Baugebiete ermögliche eine weitere Wohnbebauung, während ein kommunales Förderprogramm zur Reaktivierung von Leerstand gegen den Flächenfraß wirke.
Weiter erinnert Jechnerer an abgeschlossene beziehungsweise auf den Weg gebrachte Maßnahmen für den Hochwasserschutz, die Breitbandversorgung, die Wasserver- und Abwasserentsorgung, den Radwegebau, die Gewerbeentwicklung sowie die Feuerwehren. Gleichzeitig verfolge die Stadt seit 2020 mit Nachdruck ihre Klimaziele. Die Zertifizierung als Fahrradfreundliche Kommune werde für das vierte Quartal 2025 erwartet.