Dankbarkeit auf Knopfdruck? Warum das bei Kids nicht klappt | FLZ.de

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Veröffentlicht am 06.05.2026 10:36

Dankbarkeit auf Knopfdruck? Warum das bei Kids nicht klappt

Dankbarkeit kommt nicht auf Zuruf. Sie wächst durch Vorbild, Erfahrung und Beziehung – nicht durch „Sag' doch mal Danke“. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)
Dankbarkeit kommt nicht auf Zuruf. Sie wächst durch Vorbild, Erfahrung und Beziehung – nicht durch „Sag' doch mal Danke“. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)
Dankbarkeit kommt nicht auf Zuruf. Sie wächst durch Vorbild, Erfahrung und Beziehung – nicht durch „Sag' doch mal Danke“. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)

Ein selbstgemaltes Herz, eine dicke Umarmung oder eine kurze Dankeschön-Parade der ganzen Familienfront - so erleben Mamas meist den Muttertag. Doch an all den anderen Tagen hadern Mütter (und oft auch Väter) damit, dass Kinder meist nicht sehen, was sie alles für den Nachwuchs tun. 

Könnte er manchmal nicht mit mehr Verständnis und Dankbarkeit reagieren? Etwa in Momenten, wenn Mama mittags auch mal kurz Ruhe und Zeit für sich selbst haben will. Der Wunsch ist verständlich - und wenn es nur eine halbe Stunde ist. Aber in der Regel funktioniert das nicht.

Wenn Konsequenz gegen inneres Gericht kämpft

Obwohl vielleicht 30 Minuten abgesprochen waren, platzt garantiert Sohnemann herein und ruft: „Ich hab' Durst!“ Wenn die Mutter dann leicht genervt mit „Du weißt ja, wo alles steht. Geh!“ an die Absprache erinnert und Richtung Tür weist, hat sie zwar eine Grenze gesetzt, aber innerlich kämpft sie: War das jetzt richtig? War das zu hart? Hätte es nicht liebevoller gehen müssen?

„Natürlich antwortet das Kind jetzt nicht „Mama, ich danke dir, dass du so konsequent bist”“, erklärt Erziehungsberater Jan-Uwe Rogge. Der Buchautor („Gelassen erziehen – stark begleiten“) ist realistisch und weiß, dass Kinder so etwas eher selten tun. Denn: „Sie sind mit Dankbarkeit manchmal sparsam. Nicht aus Bosheit. Eher aus Entwicklung.“ Sie rufen dann eher Sätze und Fragen wie „Ich hab' Durst.“, „Wo ist mein Trikot?“ oder „Warum darf ich das nicht, die anderen dürfen alle?“

Der Weg zur Dankbarkeit funktioniert nicht über Vorwürfe

„Dankbarkeit ist kein fertiges Möbelstück, das man nur noch ins Kinderzimmer stellt“, so der Erziehungs-Blogger. Aus seiner Sicht ist Dankbarkeit eine Sache, die langsam wächst - durch Vorbild, Erfahrung, Beziehung. Wer Kinder zu Dankbarkeit begleiten wolle, erreicht mit Vorwürfen („Du könntest ruhig mal danke sagen“, „Andere Kinder wären froh“ oder „Weißt du eigentlich, was ich alles für dich mache?“) wenig. 

„Solche Sätze sind verständlich. Sie kommen aus Müdigkeit. Aus dem Wunsch, dass es jemand endlich merkt. Aber beim Kind landen sie oft als Schuldschein“, erklärt Rogge. Für ihn dürfen aber auch Kinder lernen, dass Eltern keine Dienstleister sind, dass Familie keine Einbahnstraße ist und auch Mütter und Väter Bedürfnisse haben.Sein Tipp: Eltern sollten nicht erwarten, dass Dankbarkeit mit einer großen „Danke“-Fanfare beginnt. Er rät zu einem schlichten Satz, mit dem Eltern aussprechen, was Kinder erst noch lernen dürfen: „Ich mache das gern für dich und helfe dir. Und ich möchte nicht, dass es selbstverständlich wird.“

ZUR PERSON: Jan-Uwe Rogge, 1947 geboren, ist seit fast 50 Jahren als Familien- und Kommunikationsberater tätig und hat mehrere Sachbücher zu Erziehungsthemen geschrieben. Am 1. Juli erscheint sein neues Werk „Grenzen setzen ist (k)ein Kinderspiel“.

© dpa-infocom, dpa:260506-930-40871/1


Von dpa
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