Krieg, Flucht, Gewalt oder Verlust - hat ein Mensch so etwas durchgemacht, betrifft das oft auch seine Nachkommen. Man nennt das ein „generationsübergreifendes oder transgenerationales Trauma“, erklärt Prof. Petra Beschoner. Sie ist Fachärztin für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin.
Hat ein Mensch ein schweres Trauma und leidet deshalb etwa unter Depressionen, prägt das seine Beziehungen, vor allem die zu seinen Kindern. Ganz unbewusst können Eltern so an ihre Kinder unter anderem übermäßige Vorsicht, emotionalen Rückzug oder ein starkes Kontrollbedürfnis weitergeben.
Das Paradoxe: Viele Betroffene sprechen nicht über ihre traumatischen Erfahrungen, weil sie ihre Liebsten schützen wollen. Gerade dieses Schweigen kann laut der Expertin aber dazu führen, dass Kinder diffuse Ängste oder ein schwer erklärbares Gefühl von Unsicherheit entwickeln.
Wie die psychologische Forschung zeigt, prägen traumatische Erfahrungen der Eltern das Selbstverständnis einer ganzen Familie. Ihre Kinder sind oft sehr sensibel in Bezug auf Bedrohungen. Etwas Neutrales nehmen sie schneller als gefährlich wahr, oder reagieren intensiver auf Stress. Außerdem eine Reaktion: Die Kinder fühlen sich verantwortlich dafür, dass es ihren Eltern emotional gut geht.
Damit Leid nicht unbemerkt weitergegeben wird, müssen laut Petra Beschoner familiäre Traumageschichten sichtbar gemacht werden. „Das Ziel ist nicht, alte Wunden aufzureißen, sondern Zusammenhänge zu verstehen“, sagt die Medizinerin, die Ärztliche Leiterin der Akutklinik Bad Saulgau in Baden-Württemberg ist.
Wenn belastende Geschichten reflektiert und familiäre Muster erkannt würden, könne der Negativkreislauf durchbrochen werden. Eine psychotherapeutische Unterstützung ist bei diesem Prozess möglicherweise hilfreich.
Die gute Nachricht: Viele Familien entwickeln im Umgang mit schwierigen Erfahrungen auch eine bemerkenswerte Resilienz, also eine Art psychische Widerstandsfähigkeit. Auch diese können Eltern an ihre Kinder weitergeben.
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