Die Scheinfelder Christsozialen wollen bei der Kommunalwahl in einem Jahr einen Bürgermeisterkandidaten stellen. Das kündigte Ortsvorsitzender Michael Müller am Freitagabend bei der CSU-Hauptversammlung an. Wer dies sein wird, sagte Müller jedoch nicht, obgleich die Personalie parteiintern offenbar bereits weitgehend klar ist.
Ob die CSU zu den Kommunalwahlen im März 2026 einen Kandidaten auf den Chefsessel im Scheinfelder Rathaus nominiert, „werden sich viele fragen“, räumte Müller vor den 16 Versammlungsteilnehmern ein. Er gab auch eine Antwort: „Ja, aber den Namen kann ich noch nicht nennen.“ Der Ortsverband werde „die Situation im Juni oder Juli aufklären“, stellte Müller in Aussicht.
Bei den Kommunalwahlen 2020 hatte die CSU keinen Bewerber ins Rennen geschickt. Zuvor – 2014 und 2008 – waren die jeweiligen christsozialen Kandidaten deutlich unterlegen. Mit Müllers Ankündigung scheint nun klar, dass die CSU eine Bürgermeisterkandidatur nicht mehr davon abhängig macht, ob Amtsinhaber Claus Seifert (SPD) erneut antritt, was – nach dem Kenntnisstand von Fraktionssprecher Theodor Schell – aktuell noch offen sei.
Für die Kandidatenliste zum Stadtrat ist die CSU „momentan in der Findungsphase“, erklärte Vorsitzender Müller. Die Nominierung werde im Herbst erfolgen. Die sechs Sitze, die die CSU derzeit im Rat hat, wolle man möglichst halten und idealerweise noch ausbauen. Das werde jedoch nicht einfach, weil es mit den Bündnisgrünen, wie Schell mutmaßte, einen zusätzlichen Bewerber geben werde. Das Wählerpotenzial der Grünen schätzte der Fraktionschef auf zehn Prozent.
Müller sah seine Partei als Ideengeber. Insbesondere verwies er dabei auf Verkehrsberuhigungen in Grappertshofen und in Oberlaimbach. In Bezug auf die viel diskutierte Oberlaimbacher Verkehrslage warf Müller den örtlichen Grünen vor, sie hätten sich in einem Wahlkampfflugblatt „mit fremden Federn geschmückt“. Denn die dort inzwischen getroffenen Maßnahmen wie Tempo 70 vor dem Ortseingang, Radarschilder und Behelfsampel „wären ohne uns nicht so umgesetzt worden“.
Zum jüngsten Wahlkampf merkte die CSU an, der Vandalismus an den Wahlplakaten habe erneut zugenommen. Zudem beklagte Schell, der direkte Kontakt zu den Bürgern sei schwieriger geworden, da die örtlichen Parteien neuerdings ihre Wahlkampfstände nicht mehr (nach einem Betreiberwechsel) bei einem Verbrauchermarkt aufstellen dürfen.
Fraktionssprecher Schell ging zudem auf zentrale Themen der Lokalpolitik ein, etwa Altstadtsanierung, Dorferneuerungen, erneuerbare Energien, Kindergartenbau, Naturparkzentrum und Torturm. In punkto Unternehmensansiedlung hielt Schell die Schaffung von Gewerbeflächen für dringend geboten. Einen Einblick in die Kreispolitik gab Renate Ixmeier.
Bei den Vorstandswahlen wurde Müller als Vorsitzender bestätigt. Auf seinen Vorschlag hin wurden diesmal nur zwei Stellvertreter gewählt: zum einen wie bisher Klaus Luckert, zum anderen Schell als neuer Vize.
Die Kasse bleibt in Händen von Birgit Pflieger, auch Martin Jendert als Schriftführer und Stefan Atz als Digitalbeauftragter wurden wiedergewählt. Die beiden Revisoren Pia Lindacher und Dr. Rainer Spörl wurden bestätigt. Die sechsköpfige Beisitzerriege besteht aus Dunja Kaiser, Andreas Knahn, Nadja Köstner, Wolfgang Lindacher, Markus Leistner und Andreas Rupp. Ebenfalls sechs Personen wurden als Delegierte für die CSU-Kreisversammlung gewählt. Bei den Wahlen unter der Leitung von Hans Herold gab es einzig für den zur Versammlung verhinderten Luckert nicht die volle Stimmzahl der 13 Stimmberechtigten.
Herold nahm etwas Stellung zur „großen“ Politik und bekannte, dass er kein Freund des Schuldenmachens sei. Die Weltlage erfordere sicherlich mehr Geld für die Verteidigung. Doch: Die 500 Milliarden Euro für Infrastruktur „machen mir schon ein bisschen Sorgen“, seien aber wohl nötig, „um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen“.
An der Kehrtwende in Sachen Staatsverschuldung gab es aus Mitgliederreihen deutliche Kritik: „Das ist die Fortführung der bisherigen Politik“, sagte Leo Janke, die Billion Euro sei „absolut überflüssig“ und zeuge von einer Panikreaktion.
Die örtliche CSU zählt 53 Mitglieder, berichtete Müller; das sei „immer noch über 50, aber leider unter 60“, sagte er. Finanziell steht der Ortsverband solide da, ging aus Pfliegers Zahlen hervor. Trotz Wahljahr konnte man ein kleines Plus von 400 Euro bilanzieren. Für insgesamt sieben Mitglieder (wovon fünf nicht an der Versammlung teilnahmen) standen Ehrungen für ihre Parteitreue an: Hubert Lottes ist seit 60 Jahren in der CSU, Georg Jobst seit 55 Jahren, Rudolf Ilg seit 50 Jahren, Hans Müller und Erwin Popp jeweils seit 40 Jahren und Martin Jendert seit 35 Jahren.