Die Behauptung, der neue Chef der Schillingsfürster CSU bringe politische Erfahrung mit, ist richtig und zugleich eine maßlose Untertreibung. Dr. Thomas vom Bruch, der dieses Ehrenamt im Städtchen übernahm, war zuvor lange hauptberuflicher Bürgervertreter und als solcher für die Geschicke eines ganzen – wenn auch kleinen – Bundeslands mitverantwortlich.
Es klingt tatsächlich ein bisschen verrückt: Der christsoziale Ortsverband von Schillingsfürst, der aktuell 31 Mitglieder hat und fünf von 14 Stadträten stellt, wird neuerdings geleitet von einem Mann, der zwölf Jahre lang Abgeordneter des Stadtstaates Bremen gewesen war und zuvor auch schon sechs Jahre als höchster Beamter im dortigen Innensenat gewirkt hatte. Das ist eine wichtige Position, vergleichbar mit der eines Staatssekretärs.
Gelang dem CSU-Ortsverband der fränkischen 2800-Einwohner-Kommune im Landkreis Ansbach mit der Gewinnung dieses Mannes für das Amt des Vorsitzenden nun ein besonderer Coup oder ist dessen Bereitschaft, die Aufgabe zu übernehmen, das Ergebnis eines beispiellosen Karriereknicks?
Nichts von beidem trifft zu. Dr. Thomas vom Bruch (63) ist nach eigenem Bekunden CSU-Ortsvorsitzender geworden, weil er sich als Neubürger in Schillingsfürst engagieren will und dafür nach einer langen, ziemlich ausgefüllten Phase als Berufspolitiker jetzt auch Zeit hat im Ruhestand.
Weshalb er diesen mit seiner Frau Beverly ausgerechnet in Schillingsfürst verbringt, ist eine ganz andere Geschichte. „Wir lieben die Region Rothenburg seit Jahrzehnten und waren regelmäßig zum Urlauben da“, sagt vom Bruch im Gespräch mit der Redaktion. Irgendwann vor einigen Jahren sei die Überlegung aufgekommen, für den Ruhestand aus Bremen weg und ganz hierher zu ziehen.
In Schillingsfürst, das beide von Ausflügen gut kannten, fanden sie schließlich ein ihren Vorstellungen entsprechendes Haus. Dieses wurde 2023 erworben und bezogen. Seit gut einem Jahr ist das fränkische Städtchen nun der Lebensmittelpunkt des Ehepaars aus Bremen. Die Hansestadt an der Weser hat Thomas vom Bruch geprägt.
Die benachbarte Metropole an der Elbe ist ihm aber auch vertraut: Als Zeitsoldat hatte er an der Bundeswehr-Uni in Hamburg ein Studium der Pädagogik absolviert, an das sich die Promotion anschloss. Danach wechselte er 1994 in die freie Wirtschaft und wurde Abteilungsleiter für Personalentwicklung bei der Hamburger Großbrauerei Holsten.
Politisch interessiert und engagiert war vom Bruch schon in jungen Jahren. Von 1995 an betätigte er sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter der CDU-Fraktion der Bremer Bürgerschaft und war damit schon nah dran am politischen Betrieb des Landesparlaments.
Die CDU, die in der Hansestadt zuvor jahrzehntelang Oppositionspartei gewesen war, bildete seinerzeit mit der SPD die von Henning Scherf als Bürgermeister geführte Landesregierung. Diese Große Koalition hielt sich über mehrere Legislaturperioden. 2001 wurde Thomas vom Bruch Teil dieser Administration, denn der damalige Bremer CDU-Innensenator Kuno Böse berief ihn als Staatsrat und damit de facto als Chefbeamten in sein Haus.
Sechs Jahre lang war vom Bruch in dieser Position unter anderem mitverantwortlich für Polizeibelange, aber auch für den Kultur- und Sportsektor. „Eine spannende Zeit“, sagt der 63-Jährige heute.
Sie endete mit dem Aus der Großen Koalition 2007. Vom Bruch machte sich danach selbstständig als Personalberater, mischte politisch aber weiter bei der Bremer CDU mit und kandidierte 2011 mit Erfolg für das Abgeordnetenhaus. 2013 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden der 20-köpfigen CDU-Fraktion gewählt.
Zweimal schaffte er den Wiedereinzug ins bremische Parlament. Bei der Wahl im Mai 2023 trat vom Bruch dann aber nicht mehr an. Er hatte für sich entschieden, kürzer zu treten. In dieser Zeit reifte auch die Idee, Bremen zu verlassen und nach Schillingsfürst zu ziehen.
Mit seiner Frau Beverly hat sich Thomas vom Bruch in dem fränkischen Städtchen gut eingelebt. „Wir sind sehr offen aufgenommen worden und haben schnell Fuß gefasst“, sagt der 63-Jährige. Für ihn sei auch von vorneherein klar gewesen, dass er sich in Schillingsfürst ehrenamtlich einbringe. Sein generelles politisches Interesse und die Unions-Vergangenheit hätten ihn deshalb zum CSU-Ortsverband geführt.
Die Absicht, dort gleich eine Funktion zu übernehmen, hatte vom Bruch nicht. „Das ergab sich kurzfristig“, erzählt er. Weil Philipp Drechsel die Position des Vorsitzenden habe aufgeben müssen, sei er gefragt worden und habe nach kurzem Nachdenken zugesagt, so vom Bruch.
In einer Mitgliederversammlung wurde er dann auch ordentlich gewählt und führt die kleine Gruppe seither mit Ferdinand Becker als Stellvertreter, Schatzmeister Andreas Wirth, Schriftführer Stefan Hackl sowie Alexander Trumpp, Peter Dinzl, Markus Dinzl, Klaus Haack, Petar Tanevski, Hans-Peter Knoll und Siegberth Holter als Beisitzern.
Eine inhaltliche Agenda hat der langjährige Berufspolitiker für das neue Amt inzwischen auch entwickelt. Die Gruppe müsse in der Öffentlichkeit wieder sichtbarer werden, sagt er. Gerade in Zeiten, in denen vielerorts die rechten Ränder stärker würden, sei eine Volkspartei dazu verpflichtet, Flagge für die Demokratie zu zeigen.
Vom Bruch hat auch den Anspruch, für den Ortsverband neue Mitglieder zu gewinnen, und zwar vor allem jüngere Leute. Mittelfristig werde die Gruppe auch einen jüngeren Vorsitzenden brauchen, so vom Bruch, der sich mit 63 Jahren da eher als Übergangslösung sieht.
So lange er das Amt hat, will er aber etwas bewegen und dazu beitragen, dass die CSU bei der nächsten Kommunalwahl im März 2026 möglichst gut abschneidet. Durchaus vorstellbar wäre für ihn auch eine Kandidatur für den Stadtrat. Das Bürgermeisteramt strebe er aber nicht an, meint Thomas vom Bruch schmunzelnd: „Mit der hauptamtlichen Politik hatte ich eigentlich abgeschlossen in Bremen.“