Christiane Charlotte war eine Vorreiterin für die allgemeine Bildung | FLZ.de

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Veröffentlicht am 28.10.2024 21:00

Christiane Charlotte war eine Vorreiterin für die allgemeine Bildung

Der Leiter der Staatlichen Bibliothek Ansbach, Christian Mantsch (links), hat zusammen mit Claudia Kucharski, die die Markgräfin Christiane Charlotte gespielt hat, die Büste der Fürstin enthüllt. (Foto: Alexander Biernoth)
Der Leiter der Staatlichen Bibliothek Ansbach, Christian Mantsch (links), hat zusammen mit Claudia Kucharski, die die Markgräfin Christiane Charlotte gespielt hat, die Büste der Fürstin enthüllt. (Foto: Alexander Biernoth)
Der Leiter der Staatlichen Bibliothek Ansbach, Christian Mantsch (links), hat zusammen mit Claudia Kucharski, die die Markgräfin Christiane Charlotte gespielt hat, die Büste der Fürstin enthüllt. (Foto: Alexander Biernoth)

Die Markgräfin Christiane Charlotte, die vor 330 Jahren in Kirchheim unter Teck geboren worden war, ist nun in Form einer Büste wieder in Ansbach präsent.

Am „Tag der Bibliotheken“ fand ein Festakt in der Staatlichen Bibliothek statt und dabei wurde an die Markgräfin und ihre Privatbibliothek erinnert. Nach einem Auftritt von Claudia Kucharski, die die Markgräfin mimte, enthüllte Bibliotheksleiter Christian Mantsch mit ihr die Büste der Christiane Charlotte. Diese ist die Fertigung einer Firma aus Mühlheim und wurde in einem 3-D-Drucker aus Kunstharz hergestellt.

Als Regentin an der Regierung

Markgräfin Christiane Charlotte wurde am 20. August 1694 in Kirchheim unter Teck geboren und starb am Weihnachtstag 1729 in Ansbach. Sie war mit Markgraf Wilhelm Friedrich verheiratet und von dessen Tod am 7. Januar 1723 bis in den Herbst 1729 führte sie als Regentin für ihren noch unmündigen Sohn Carl Wilhelm Friedrich die Regierungsgeschäfte in Ansbach.

Wahrscheinlich war Christiane Charlotte, so Bibliotheksleiter Christian Mantsch, die treibende Kraft, die Markgraf Wilhelm Friedrich veranlasste, in einem Dekret vom 21. Dezember 1720 die fürstliche Hausbibliothek in eine öffentliche Landesbibliothek umzuwandeln. Sie schuf damit den Grundstein für die heutige Staatliche Bibliothek, so Mantsch. Diese Bibliothek wuchs im 18. Jahrhundert auf mehr als 20.000 Bände an.

Monogramm auf dem Buchdeckel

In einer Ausstellung, die bis zum 15. November zu sehen ist, werden Bücher aus der Bibliothek der Markgräfin Christiane Charlotte ausgestellt, die alle mit ihrem Monogramm als Supralibros auf dem Buchdeckel oder auf dem Buchrücken gekennzeichnet sind. In fünf Vitrinen werden Bücher beispielsweise zum Thema Architektur oder Prinzenerziehung gezeigt. Allesamt sind die Bücher der Christiane Charlotte in französischer Sprache, was die Dominanz der französischen Kultur im 18. Jahrhundert deutlich macht.

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Die Präsidentin des Lions Club Christiane Charlotte, Stefanie Fechter, würdigte ebenfalls die Namenspatronin des Damen-Lions-Clubs mit derzeit 36 Mitgliedern. Der Club habe sich auf die Fahnen geschrieben, Hilfsprojekte für Kinder und Jugendliche sowie kulturelle Projekte in der Stadt zu unterstützen.

Der Hochschullehrer für fränkische und bayerische Landesgeschichte aus Erlangen, Professor Dr. Georg Seiderer, stellte die Festrednerin Dr. Christina Hofmann-Randall vor, die bis zu ihrer Pensionierung die Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg leitete.

Im wissenschaftlichen Aufschwung

Hofmann-Randall berichtete, dass die Bibliothek eine große Bedeutung für den geistigen und wissenschaftlichen Aufschwung im 18. Jahrhundert in Ansbach hatte. So mussten laut einem Dekret aus dem Jahr 1731 markgräfliche Bedienstete bei Amtsantritt einen festgesetzten Obolus an die Bibliothekskasse entrichten.

Markgräfin Christiane Charlotte vergrößerte die Bibliothek beispielsweise durch den Ankauf einer großen Büchersammlung des in Kleve verstorbenen preußischen Geheimrats Blaspiel. Wie wichtig der Markgräfin Bildung war, zeige, so Christina Hofmann-Randall, die Stiftung von 150.000 Gulden für die Gründung einer Universität im Fürstentum.

Von der Ansbacher Bibliothek gingen kurz vor dem Übergang an Bayern noch 12.000 Bände an die Universitätsbibliothek Erlangen. Trotzdem verblieben 21 Bände aus der Bibliothek der Christiane Charlotte mit ihrem Monogramm in Ansbach, dazu weitere 65 Titel in Erlangen. Insgesamt umfassten die bisher ermittelten Bücher aus der Privatbibliothek der Markgräfin 251 Bände. Dabei sei interessant, so Hofmann-Randall, dass sich darunter keine Werke zur Geschichte des Mittelalters befinden, aber sehr viele zu damals moderner Geschichte und zu den Themen Architektur sowie Bauen.

Christian Mantsch kündigte an, weitere Büsten im Lesesaal aufstellen zu wollen, „weil Büsten und Bibliotheken zusammengehören“. Bisher war nur eine Büste von Voltaire im Lesesaal zu sehen.


Von Alexander Biernoth
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