Bundesweite Neuheit am Warntag in Ansbach getestet | FLZ.de

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Veröffentlicht am 14.09.2023 18:23

Bundesweite Neuheit am Warntag in Ansbach getestet

Das kleine Digitalradio wurde um 11.15 Uhr aus dem Standby-Modus geweckt und sprach eine Warnmeldung aus. Die weiße Kugel ist ein Lautsprecher, der auf dem Einsatzfahrzeug montiert ist. (Foto: Jonas Volland)
Das kleine Digitalradio wurde um 11.15 Uhr aus dem Standby-Modus geweckt und sprach eine Warnmeldung aus. Die weiße Kugel ist ein Lautsprecher, der auf dem Einsatzfahrzeug montiert ist. (Foto: Jonas Volland)
Das kleine Digitalradio wurde um 11.15 Uhr aus dem Standby-Modus geweckt und sprach eine Warnmeldung aus. Die weiße Kugel ist ein Lautsprecher, der auf dem Einsatzfahrzeug montiert ist. (Foto: Jonas Volland)

Punkt 11 Uhr heulten die Handys. Auch die Sirenen wurden am Warntag aktiviert, wie im Hof der Ansbacher Feuerwache kaum zu überhören war. Dort wurde eine bundesweite Neuheit getestet. Über einen Lautsprecher verkündete eine künstliche Stimme die Warnmeldung. Technik, mit der bald Sirenen im ganzen Land sprechen sollen.

Es waren Vertreter der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, die Rundfunk- und Internetangebote verwaltet und überwacht, und Wissenschaftler des Frauenhofer Instituts für Integrierte Schaltungen nach Ansbach gekommen. Einerseits, um wie in ganz Bayern eine technische Neuerung zu testen: über den digitalen Hörfunkstandard DAB+ wurden Sirenen aktiviert, wie die auf dem Dach der Feuerwache.

Künstlich erzeugte Stimme liest Meldung

Andererseits wurde 15 Minuten nach der bundesweiten Testalarmierung, die alle Teilnehmer im Hof erfolgreich auf ihren Handys erreichte, eine Neuheit exklusiv in Ansbach getestet. Über das Testnetz der Bayern Digital Radio GmbH wurde eine Warnmeldung verbreitet. Sie weckte einen Digitalradio aus dem Standby-Modus, der die Warnmeldung gut hörbar über den Lautsprecher eines Einsatzfahrzeugs abspielte. Die Stimme, die bestechend menschlich klingt, wird dabei technisch erzeugt, Text-to-Speech genannt. Anstatt Warnungen von Menschen vorlesen zu lassen, könnten so im Extremfall wertvolle Sekunden gespart werden.

Johannes Trottberger, Geschäftsführer von Bayern Digital Radio, Netzbetreiber für DAB+ in Bayern, zeigte sich zufrieden mit den Tests. Mit der vorgestellten Technik könnten bald flächendeckend Sirenen Warnmeldungen aussprechen. Auch Warnungen, die nur ein kleines Einzugsgebiet betreffen, könnten in Zukunft auf wenige Kilometer genau an Radios ausgespielt werden.

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Test-Team wünscht sich gesetzlichen Standard

Dafür bräuchte es aber mehr Einsatz seitens der Politik, die zwar gerade nach der Flutkatastrophe im Ahrtal viel versprochen habe, aber kaum handle, kritisierte Trottberger. Zum Beispiel wünscht sich das Test-Team einen gesetzlichen Standard, dass neue Radiogeräte über EWF verfügen müssen. So heißt der Katastrophenwarndienst, der über DAB+ auslöst.

Für die Feuerwehr Ansbach sind Durchsagen wichtig, um die eigenen Kräfte im Ernstfall so effizient wie möglich einsetzen zu können. Wenn Bürger rechtzeitig informiert sind und selbstständig handeln, müssen zum Beispiel bei Hochwasser keine oder weniger Einsatzkräfte den Rezatparkplatz räumen, erklärte Stadtbrandrat Steffen Beck.

Im vergangenen Jahr wurden die Sirenen in der Stadt erneuert, 21 an der Zahl. „Eine hundertprozentige Abdeckung werden wir nie erreichen, aber wir haben eine sehr hohe“, führte Martin Zippel, Leiter des städtischen Amts für Brand- und Katastrophenschutz, aus.

Durchsagen sind möglich

Die Innenstadt-Sirene in der Pfarrstraße kann für Durchsagen genutzt werden. Etwa, um bei Großveranstaltungen wie dem Altstadtfest viele Menschen zu erreichen. Wenn man ein Radio oder ein EWF-Modul anschließt, könnte die Sirene auch die am Donnerstag getestete Warnmeldung „aussprechen“. Auch die 20 anderen Sirenen könnten noch nachgerüstet werden, um sie zum sprechen zu bringen. „Aber das ist immer eine Kostenfrage“, so Zippel.

Ansbachs Polizeichef Josef Mehringer berichtete ebenso von dem hohen Aufwand, etwa bei Bombenfunden, die Bevölkerung per Streifenwagen-Lautsprecher zu informieren. Das vorgestellte System sei ressourcenschonender. Durchsagen seien dabei wichtig für die Deutungshoheit der Rettungsdienste – über soziale Medien mehrten sich in Katastrophenfällen die Falschinformationen.


Jonas Volland
Jonas Volland
Jahrgang 2001, fing direkt nach seinem Abitur bei der FLZ an, ist im Anschluss an sein Volontariat seit dem Jahreswechsel 2023 Redakteur in der Ansbacher Lokalredaktion. Fasziniert von bunten Geschichten und aufwendigeren Recherchen.
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