Die Bundesregierung gibt Schloss Meseberg in Brandenburg nach 20 Jahren als ihr offizielles Gästehaus auf. Mit der Messerschmitt-Stiftung als Vermieterin sei jetzt vereinbart worden, den Vertrag ab Februar 2027 auslaufen zu lassen, teilte Regierungssprecher Stefan Kornelius mit. Die Nutzung des Schlosses sei zuletzt sehr zurückgegangen. Als problematisch habe sich dabei auch die deutliche Entfernung zum Berliner Regierungsviertel erwiesen – das Schloss liegt rund 70 Kilometer nördlich der Hauptstadt.
Die mit Betrieb und Unterhalt verbundenen Aufwendungen stünden so nicht mehr in einem angemessenen Verhältnis zum Mehrwert der Liegenschaft für repräsentative Veranstaltungen, erläuterte der Regierungssprecher. Künftig sollten hochrangige Veranstaltungsformate an verschiedenen Orten oder in einem neuen Veranstaltungsbereich im Erweiterungsbau des Kanzleramts stattfinden, der voraussichtlich Ende 2028 fertiggestellt werden soll.
Die Stiftung hatte das Schloss zum symbolischen Preis von einem Euro an die Bundesregierung vermietet, der Vertrag soll im Januar 2027 enden. Die Bewirtschaftungskosten von Schloss Meseberg lagen im vergangenen Jahr aber bei rund einer Million Euro, wie eine Regierungssprecherin auf Anfrage mitteilte. Hinzu kamen Personalkosten von einer halben Million Euro und Kosten für die Bewachung durch die Bundespolizei von 3,8 Millionen Euro.
Nico Zehmke, Amtsdirektor des Amtes Gransee, zu dem Meseberg gehört, zeigte sich überrascht von der Entscheidung. „Über mehr als zwei Jahrzehnte war Schloss Meseberg Ort staatlicher Repräsentation. Eine derart lange Nutzung schafft eine besondere Verbindung“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Kontinuität und Verantwortung ließen sich nicht nur in wirtschaftlichen Kennziffern abbilden. „Verloren geht vor allem eine besondere Form staatlicher Präsenz.“ Für die Region bedeute das weniger Aufmerksamkeit. Er hoffe trotz knapper Finanzen, „dass vielleicht gemeinsam mit dem Land Brandenburg und dem Eigentümer eine tragfähige Perspektive entwickelt werden kann“.
Das im 18. Jahrhundert erbaute Schloss im Ortsteil Meseberg der Stadt Gransee wurde seit 2007 für Empfänge von Staatsgästen, aber auch für Kabinettsklausuren genutzt. Die im Denkmalschutz engagierte Stiftung hatte das verfallende Anwesen 1995 gekauft und für 25 Millionen Euro saniert. Die Bundesregierung entschied 2004, das Schloss als Gästehaus zu nutzen. Das Hauptgebäude hat drei Etagen, außerdem gibt es auch einen barocken Park.
Das Kabinett von Kanzler Olaf Scholz (SPD) hatte sich für seine Klausuren nach Schloss Meseberg zurückgezogen. Dort schworen sich die Ampel-Partner dann auch mehrfach, nicht mehr so viel zu streiten, was schließlich nicht klappte.
Kanzler Friedrich Merz (CDU) entschied sich dann für einen Ortswechsel. Er lud im Herbst zur ersten Kabinettsklausur in die Villa Borsig, das Gästehaus des Auswärtigen Amtes, das am Tegeler See noch im Nordwestteil Berlins liegt.
Die Kosten für einmalige Anmietungen externer Veranstaltungsorte würden künftig deutlich unter den bisher jährlich anfallenden Gesamtkosten liegen, erläuterte der Regierungssprecher zum Ende der Ära Meseberg. Das Kanzleramt dankte der Messerschmitt-Stiftung fürs Überlassen des Schlosses und die langjährige Zusammenarbeit. „Angesichts der stets ausgezeichneten Erfahrungen der Bundesregierung mit Schloss Meseberg wird es sicher weiter ein attraktiver Veranstaltungsort für verschiedene Anlässe sein.“
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