Wie könnte es gelingen, den Wunsch nach Photovoltaik-Anlagen (PV) in der Altstadt mit den Anforderungen des Denkmalschutzes in Einklang zu bringen? Diese Frage wurde nun bei einem öffentlichen Bürgerforum im Schützenhaus diskutiert. Dazu eingeladen hatte die Stadt Bad Windsheim. Rund 20 Interessierte waren gekommen.
Im März hatte Professor Georg Sahner aus Stuttgart damit begonnen, die Bad Windsheimer Dachlandschaft und die Straßenräume zu analysieren und zu kategorisieren – immer unter dem Aspekt der Sichtbarkeit möglicher PV-Anlagen. Aktuell würden bayernweit rund 15 solcher Projekte laufen, hieß es. „Bad Windsheim ist sehr weit, andere stehen erst am Anfang.“ Bis voraussichtlich März 2025 soll das Verfahren in Bad Windsheim abgeschlossen sein. Am Ende soll ein Leitfaden vorgelegt werden, mit dem die Stadt arbeiten kann.
Sollte ein Eigentümer eines Altstadthauses einen Antrag zur Installation einer Photovoltaik-Anlage (PV) stellen, könne auf diesen Leitfaden zurückgegriffen werden. Der Katalog soll beispielsweise darüber informieren, welche Arten von PV-Anlagen wo und in welchem Umfang möglich sind. Auf diese Weise könnten sich die Eigentümer bereits frühzeitig einen Überblick verschaffen und entsprechend konkret planen.
Außerdem soll laut Sahner der Leitfaden dazu dienen, den gesamten Prozess der Genehmigung zu beschleunigen. Die Verwaltung solle nicht erst im Falle eines Antrags damit beginnen, Detailfragen zu klären. So solle mit dem Leitfaden quasi „eine neue Zeitepoche in Bad Windsheim“ eingeläutet werden.
Professorin Judith Sandmeier vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) erklärte den Anwesenden beim Bürgerforum am Dienstag die gesetzlichen Grundlagen, die seitens des Denkmalschutzes bezüglich der PV-Anlagen gelten und die nicht einfach beiseite geschoben werden können. Aber: „Seit einer Änderung des Denkmalschutzgesetzes sind die Spielräume tatsächlich größer geworden.“
Trotzdem gebe es noch immer Gebäude und Bereiche, auf denen PV-Anlagen komplett ausgeschlossen seien. „Die sind unantastbar“, sagte Sahner und nannte in diesem Zusammenhang das Rathaus in Bad Windsheim, den Marktplatz, die Seekapelle und den Klosterchor.
Nachdem sich die Teilnehmer des Bürgerforums in drei Gruppen aufgeteilt hatten, waren sie eine Stunde lang kreativ und diskutierten verschiedene Themenschwerpunkte. Anschließend wurden die Ergebnisse in großer Runde vorgestellt. „Solaranlagen gehören mittlerweile zum Ortsbild, damit muss man sich abfinden, das erfordert auch der Zeitgeist“, sagte Gast Norbert Wagner eingangs. PV-Anlagen würden heute niemanden mehr stören. Außerdem sei die Altstadt kein Museum.
Solarziegel indes seien für den Normalbürger derzeit noch viel zu teuer und von der Installation her nicht praktikabel. Außerdem kritisierte Wagner im Namen seiner Arbeitsgruppe die Tatsache, dass die Haus-Eigentümer in der Altstadt den außerhalb wohnenden gegenüber benachteiligt wären. Er forderte eine Gleichbehandlung und möglicherweise einen finanziellen Ausgleich dafür, dass man den teuren Strom kaufen müsse.
Martin Alt wertete den Brandschutz als wichtigen Punkt in Bezug auf mögliche PV-Anlagen in der Altstadt. Allerdings warnte er davor, Angst zu haben, „dass die ganze Stadt abfackelt“. Man sollte ihm zufolge nicht zum Bedenkenträger und damit zum Verhinderer werden. Und Jürgen Strauß betonte, dass es Gebäude geben würde, auf denen grundsätzlich keine PV-Anlage installiert werden sollten. Auch bei gewissen Sichtachsen wären Module störend, hieß es.
Dass die Vielzahl der beim Bürgerforum gesammelten Ideen und Forderungen protokolliert, dokumentiert und dem Stadtrat vorgestellt werden, betonte Professor Sahner ausdrücklich. Nichts davon würde „verpuffen“ oder im „luftleeren Raum“ verschwinden.
Bei den Teilnehmern war die Veranstaltung positiv aufgenommen worden. Für sie sei es wichtig, dass sie als Bürger aktiv in den Prozess eingebunden werden, erklärten einig. Bislang sei man Einzelkämpfer gewesen. Dass es nun vorwärts geht, stimme optimistisch. Doch eine Frage drängte sich den Teilnehmern noch auf: Wie geht es jetzt weiter?
Sahner erklärte daraufhin, dass bei dem zu erstellenden Leitfaden nun berücksichtigt werden müsse, was machbar und was ohne Probleme zulässig sei. „Das Ziel ist, mögliche Verfahren zu beschleunigen und Bürokratie abzubauen.“ Der Fachmann machte zudem noch einmal auf einen besonderen Umstand aufmerksam: „Denkmalverträgliche PV-Anlagen zu ermöglichen, das gibt es nur in Bayern.“ Das sei „ein Riesending“. Für Bad Windsheim sei es eine große Chance, da mitzumachen.
Dass sich die Teilnehmer beim Bürgerforum aktiv eingebracht haben, freute Sahner sehr. Auch mit der Anzahl der Interessierten zeigte er sich zufrieden. „Ihr seid Franken, das merkt man. Hier geht was an Emotionen, das finde ich richtig gut.“