Brahms-Preis und 10.000 Euro für den Windsbacher Knabenchor | FLZ.de

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Veröffentlicht am 14.10.2025 15:30

Brahms-Preis und 10.000 Euro für den Windsbacher Knabenchor

Der Vorsitzende der Brahmsgesellschaft Schleswig-Holstein, Joachim Nerger (re) übergibt den Brahmspreis 2025 an den Leiter des Windsbacher Knabenchors, Ludwig Böhme. (Foto: Andreas Guballa)
Der Vorsitzende der Brahmsgesellschaft Schleswig-Holstein, Joachim Nerger (re) übergibt den Brahmspreis 2025 an den Leiter des Windsbacher Knabenchors, Ludwig Böhme. (Foto: Andreas Guballa)
Der Vorsitzende der Brahmsgesellschaft Schleswig-Holstein, Joachim Nerger (re) übergibt den Brahmspreis 2025 an den Leiter des Windsbacher Knabenchors, Ludwig Böhme. (Foto: Andreas Guballa)

Wenn ein Chor von Kindern und Jugendlichen ein ganzes Publikum zum Schweigen bringt, noch bevor der Applaus losbricht, dann liegt Magie in der Luft. Dem Windsbacher Knabenchor gelang dies in Wesselburen bei seinem berührenden Preisträgerkonzert in der St. Bartholomäus-Kirche.

Zu hören war da am vergangenen Sonntag, warum der Windsbacher Knabenchor zu Recht den mit 10.000 Euro dotierten Brahms-Preis der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein mit nach Franken nimmt.

Laudator würdigte klangliche Brillanz

Michael D. Müller-Andersson, ehemaliger Leiter der Lübecker Sängerknaben, stellte in seiner sehr persönlichen Laudatio den besonderen Charakter der Windsbacher in den Mittelpunkt. Er erinnerte daran, dass der Chor nicht nur durch Zahlen, Fakten und Auszeichnungen beeindruckt – von internationalen Wettbewerben über Schallplattenproduktionen bis hin zu Auftritten bei renommierten Festivals –, sondern vor allem durch seine Menschen.

„Eine Laudatio über den Windsbacher Knabenchor bedeutet, dass man über die zahlreichen Sänger sprechen müsste, die in fast acht Jahrzehnten diesen Klangkörper geprägt haben“, so Müller-Andersson. Jeder einzelne bringe eine individuelle Begabung und Persönlichkeit ein, die im Zusammenspiel jene „diamantene klangliche Brillanz“ erzeuge, die Zuhörer immer wieder staunen lasse.

Er sprach von den jungen Stimmen, die selbst in den zartesten Pianissimo-Passagen nicht an Kraft verlören, vom „schmelzen lassenden messa di voce“ und einem „erhabenen, niemals brutalen maestoso“. Diese Perfektion sei nur möglich, weil jeder Sänger die stilistische Genauigkeit in seiner „Sängerseele“ verinnerlicht habe.

Mit besonderer Freude verwies der Laudator auf die jüngste Öffnung des Chors für Mädchen. Damit, so Müller-Andersson, setze Windsbach ein Zeichen für Gleichberechtigung, gelebte Tradition und Aufbruch zugleich. „Von den modern geführten Windsbachern geht ein Signal hinaus für musikalische Exzellenz und gesellschaftliche Offenheit“, betonte er.

Das Preisträgerkonzert selbst geriet zu einer klingenden Reise durch die Jahrhunderte. Unter der Leitung von Ludwig Böhme präsentierten die Windsbacher ein Programm, das Jahrhunderte umspannte – von Heinrich Schütz über Felix Mendelssohn und Johannes Brahms bis zu zeitgenössischen Komponisten. Schon der eröffnende Brahms-Motettensatz „Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen“ zeigte, warum dieser Chor zu den führenden Vokalensembles der Welt zählt: ein schwebend homogener Klang, makellose Intonation und eine Textgestaltung von perfekter Klarheit.

Mit Reiko Fütings Werk „Viel: kamen, kommen, werden“ und Hank Badings’ klanglich kühner Psalmvertonung „Psalm XXVII“ wagten die rund 60 jungen Sänger aber auch den Blick in die Gegenwart. Fütings ungewöhnliche klangliche Fragmentierung und Badings’ rhythmische Schärfe trafen auf offene Ohren – der Chor bewies hier nicht nur technische Brillanz, sondern auch interpretatorischen Mut.

Stehende Ovationen am Ende

Den festlichen Schlusspunkt setzten zwei Psalmvertonungen, Mendelssohns jubelndes „Jauchzet dem Herrn, alle Welt“ und Brahms’ inniges „Schaffe in mir, Gott, ein rein Herz“. Das Publikum reagierte mit stehenden Ovationen.

Dass der Chor nicht nur die Vergangenheit pflegt, sondern sich auch der Zukunft öffnet, betonte Jugendstaatssekretär Johannes Albig in seinem Grußwort im Namen der Landesregierung. Die Windsbacher stünden „zwischen UNESCO-Weltkulturerbe und Veränderung“. Ihre Musik bewahre nicht nur das Erbe Brahms’, sondern präge zugleich die Zukunft der Chormusik.

Am Ende des Abends stand fest: Mit Leidenschaft, Präzision und einer Klangkultur von einzigartiger Reinheit hat der Windsbacher Knabenchor den Brahmspreis 2025 mehr als verdient.


Von ANDREAS GUBALLA
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