Für Barbara Auerochs ist ihr Blumenladen mehr als nur ein Geschäft. „Er ist ein Treffpunkt, ein Ort der Freude. Er war mein Leben”, sagt die 64-Jährige. Mehr als 30 Jahre betreibt Barbi, wie sie genannt wird, ihren Laden schon. Ende des Monats hört sie auf – ein Entschluss, der ihr nicht leicht fiel. Und sie ist auch nicht so ganz weg.
Der Grund für diesen Schritt ist ein sehr erfreulicher. Ihre Tochter Vanessa Körner, die auch im Geschäft mitwirkt, erwartet ein Kind, das im Dezember das Licht der Welt erblicken soll. Um als Oma mehr Zeit zu haben, war es ihr wichtig, kürzerzutreten. Die Neuhöfer müssen jedoch, auch wenn das Geschäft bald seine Pforten schließt, nicht gänzlich auf die blumigen Werke ihrer Barbi verzichten.
„Blumen sind mir wichtig, ohne sie geht es einfach nicht”, erzählt sie schmunzelnd. Deshalb fährt sie beruflich nicht auf null herunter. Für Beerdigungen und Hochzeiten wird sie weiterhin aktiv bleiben. Dies lasse sich planen und mit ihrem neuen Lebensabschnitt gut verbinden, betont sie. Die Grabpflege auf dem Neuhöfer Friedhof macht sie ebenfalls weiter.
„Auf diese Weise habe ich noch etwas”, merkt die 64-Jährige an. 1993 war sie mit ihrem aus Wilhermsdorf stammenden Mann Hans-Michael Auerochs von Nürnberg nach Neuhof gezogen. „Damals kannte ich hier noch niemanden”, erzählt sie. Zehn Wochen, nachdem ihre Tochter Vanessa geboren worden war, eröffnete Barbara Auerochs ihren Blumenladen im Erdgeschoss des Neuhöfer Wohnhauses. Dies war ihr wichtig, konnte sie doch auf diese Weise immer in der Nähe ihrer Tochter sein. „Es war damals schon eine Herausforderung”, räumt die gelernte Floristin ein.
Doch es klappte gut. „Ich hatte Riesenglück, als ich Erika Scheuenstuhl kennenlernte.” Die Gemeinderätin kam einst nur als Kundin, doch daraus erwuchs eine Freundschaft. Ihre Freundin half auch im Laden immer wieder aus.
Im Laufe der Jahrzehnte lernte Barbi Auerochs viele Menschen kennen. Einige begleitet sie schon ein Leben lang. Es entwickelte sich ein fester Kundenstamm. So ist es keine Frage, dass sie auch deren Blumengeschmack kennt, wenn beispielsweise jemand Tipps für ein Geschenk brauchte. „Entscheide du einfach, was passt”, wurde sie oft aufgefordert. Keine Frage: So lagen die Käufer immer goldrichtig.
Da für Taufen, Geburtstage, Hochzeiten, aber auch Beerdigungen Blumen bestellt werden, bekommt sie viel mit – Freud und Leid liegen da oft dicht beieinander. Gespräche bleiben oftmals nicht oberflächlich. Sich mit seinem Gegenüber über dessen bevorstehende Hochzeit zu freuen, gehört als Floristin ebenso dazu wie Trost zu spenden, wenn jemand einen nahestehenden Menschen verloren hat. Hier die richtigen Worte zu finden, sieht die 64-Jährige als Gabe. Das sei Teil ihrer Bestimmung. Nahe geht ihr, wenn junge Menschen sterben. Sind sie aus dem Ort, kannte sie diese zumeist.
Als sie noch in Nürnberg lebte, lag der Fokus ihres floristischen Schaffens zehn Jahre lang auf Beerdigungen. Da kannte sie weder die Verstorbenen noch deren Angehörige. In Neuhof ist das anders. Wichtig ist es ihr immer, dass beim Grabschmuck ebenfalls alles bestens ist, man dem Verstorbenen so die letzte Ehre erweist und noch einmal seine Lieblingsblumen und Lieblingsfarben auswählt.
Zu tun gibt es im Laden immer. Wenn man zum Großmarkt nach Nürnberg muss, gilt es, um 6 Uhr loszufahren. Das Versorgen der Blumen im Geschäft schlägt täglich mit rund drei Stunden zu Buche.
Barbara Auerochs liebt den Sommer. Was die Arbeit angeht, gefällt ihr Weihnachten am besten. Das Fest der Feste und die vorgeschaltete Adventszeit 2025 werden sie und ihre Tochter Vanessa aber nicht mehr im Blumenladen erleben: Am 31. August ist Schluss. „Ich will aber bis dahin keinen leeren Laden haben”, sagt die Floristin. Wenn die Kundschaft nicht weiß, dass die letzten zwei Wochen laufen, merkten sie nichts davon. So fällt der Abschied nicht so schwer.
Die Regale sind mit Dekoartikeln bestückt. Gerade Topfblumen gibt es noch in Hülle und Fülle. Rote, gelbe, rosa und weiße Exemplare sorgen für Farbenpracht. Etliche Aufträge warten noch darauf, erfüllt zu werden. „Die Leute kommen, seit wir bekanntgegeben haben, dass wir aufhören, vermehrt”, erzählen Mutter und Tochter. Es ist ein Abschied mit Emotionen, bei dem sie manchmal mit den Tränen kämpfen müssen – auch die Kundschaft wird emotional.
„Es war mein Leben, wir haben mit den Kundinnen und Kunden so viele gemeinsame Momente erlebt”, resümieren die 32-jährige Tochter und Barbara Auerochs. Sie und ihr Mann, der sich, seit er im Ruhestand ist, um die Buchhaltung kümmert, wohnen inzwischen in Wilhermsdorf.
Der Lebensmittelpunkt ist und bleibt aber ein großes Stück weit in Neuhof. Dort leben Freunde und Bekannte. Die letzten Tage wollen sie noch im Geschäft genießen, dann heißt es: ausräumen, Abschied nehmen und in einen neuen Lebensabschnitt starten. Den Neuhöfern bleibt ihre Barbi auf jeden Fall noch erhalten – nur nicht ihr Laden.