„Block 10“: Schonungsloser Blick auf Verbrechen der Nazis | FLZ.de

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Veröffentlicht am 04.11.2026 07:09

„Block 10“: Schonungsloser Blick auf Verbrechen der Nazis

Bibiana Beglau als Doktor Hautval in einer Szene des Films. (Foto: ---/Camino Bildverleih/dpa)
Bibiana Beglau als Doktor Hautval in einer Szene des Films. (Foto: ---/Camino Bildverleih/dpa)
Bibiana Beglau als Doktor Hautval in einer Szene des Films. (Foto: ---/Camino Bildverleih/dpa)

Der Film von Regisseur Marcus O. Rosenmüller („Münter & Kandinsky“) beginnt mit einem deutlichen Hinweis: „Für die Menschen, deren Geschichten dieser Film erzählt, war es keine Darstellung - sondern Realität.“ Denn „Block 10“ hat es wirklich gegeben: Er befand sich im Konzentrationslager Auschwitz. Hier wurden zwischen 1943 und 1944 grausame medizinische Experimente mit oft furchtbaren Folgen an inhaftierten Frauen durchgeführt. Viele der Opfer starben infolge der erlittenen Qualen oder wurden ermordet.

Gezeigt wird wirkliches Geschehen

Alles, was der Film zeigt, beruht auf Tatsachen. Den von Christian Berkel („Enfant Terrible“, „Der Kriminalist“) mit äußerster Zurückhaltung verkörperten jüdischen Arzt Maximilian Samuel hat es wirklich gegeben. Der Gynäkologe (1880-1943) wurde im KZ gezwungen, unmenschliche Eingriffe an zahlreichen Frauen durchzuführen. Dazu erpresst wurde er nicht allein mit persönlicher Bedrohung, sondern auch mit dem Leben seiner Tochter. Es wäre mehr als zynisch, in diesem Fall von einer Wahl zu sprechen. Sein Martyrium ist die erzählerische Klammer des Films.

Eine reale Figur ist auch Carl Clauberg (1898-1957). Er hat die Untaten in „Block 10“ geleitet. Schauspieler Axel Prahl, bekannt vor allem seit 2002 als Hauptkommissar Frank Thiel im Münster-„Tatort“, zeigt ihn als absolut gefühllosen Handlanger des Todes. Für fanatische Nationalsozialisten wie Clauberg waren Männer, Frauen und Kinder, die nicht den perversen Normen der Nazis entsprachen, keine Menschen, sondern allenfalls Versuchsobjekte.

Auch die im Film auftretenden Frauen sind keine erdachten Charaktere. Allerdings wird niemand von ihnen ausführlich vorgestellt. Denn der Film erzählt keine gefühlvolle Story über Einzelschicksale, sondern zeigt beklemmend deutlich den von den Faschisten mit industrialisierter Routine betriebenen Terror und das damit erzeugte massenhafte Leiden der Opfer. Anders als in bekannten Spielfilmen wie „Der Garten der Finzi Contini“ (1970) und „Schindlers Liste“ (1993) werden keinerlei Momente der Hoffnung beschworen. Denn die gab es für die Geschändeten in „Block 10“ nicht.

Beklemmende Bilder ohne Effekthascherei

Seit vielen Jahren dürfen keine Spielfilme in Auschwitz gedreht werden. Wo notwendig, wurde deshalb digitales Material genutzt. Einige Handlungsorte sind nachgebaut worden. Da ausschließlich mit Blick auf die Handelnden oder aus deren Perspektive erzählt wird, gibt es keine Außenaufnahmen. Dadurch ist die Atmosphäre des Lageralltags geradezu körperlich spürbar. Kameramann Peter Krause („Sonnenallee“, „Woodwalkers“) sind beklemmende Bilder fern jeglicher Sensationshascherei gelungen. Es wurde zudem völlig auf den Einsatz illustrativer Musik verzichtet.

Das Drehbuch hat Produzentin Alice Brauner geschrieben, Tochter der Holocaust-Überlebenden Maria (1925-2017) und Artur Brauner (1918-2019). Ihr Vater gehörte zu den wichtigsten Produzenten der westdeutschen Filmszene. Neben unterhaltsamen Kassenschlagern wie „Menschen im Hotel“ (1959) und „Old Shatterhand“ (1964) hat er immer wieder engagierte Anti-Nazi-Filme realisiert, zum Beispiel „Morituri“ (1948), „Die Weiße Rose“ (1982) und „Hitlerjunge Salomon“ (1990).

Als Autorin hat Alice Brauner intensiv recherchiert, viele Gerichtsprotokolle studiert und mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie deren Nachkommen gesprochen. Nicht die Fantasie führte ihr die Feder, sondern die Realität. So ist ganz im Sinne Artur Brauners ein überaus beachtenswerter Film gegen das Vergessen entstanden. Wie erste Aufführungen zeigen, wird er von vielen Zuschauerinnen und Zuschauern mit großer Anteilnahme aufgenommen. Das belegt etwa die Auszeichnung mit dem Publikumspreis beim 22. Festival des deutschen Films in Ludwigshafen am Rhein im vergangenen September.

© dpa-infocom, dpa:261104-930-941227/1


Von dpa
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