Freunde der berühmten regionalen Spezialität, die in der Regel in Monaten mit einem R im Namen auf den Tellern landet, kamen zum Auftakt der Aischgründer Karpfenschmeckerwochen in Linden (Markt Erlbach) voll auf ihre Kosten. Neben gebackenen Varianten und blauem Karpfen wurde sogar eine asiatische Version kredenzt.
Tempura- und Thai-Karpfen sowie Karpfensuhi fanden, in der eigens dafür eingerichteten Asia-Ecke präsentiert, viele neue Fans und landeten zuhauf auf den Tellern. Aber auch heiß geräuchert, als Ceviche und in Wurstform waren die vormaligen Teichbewohner begehrt. Vom 1. September bis 1. November haben Genießerinnen und Genießer nun die Gelegenheit, die regionale Spezialität in all ihren Facetten im Rahmen der Aischgründer Karpfenschmeckerwochen zu erleben und natürlich auch danach noch.
15 an der Aktion teilnehmende Gasthäuser im Landkreis präsentieren die kulinarische Delikatesse, die, wie nach dem Essen alle Rednerinnen und Redner deutlich machten, weit über die hiesige Region hinaus geschätzt wird.
Dr. Christian von Dobschütz begrüßte in seiner Funktion als Landrat erstmals zahlreiche Ehrengäste zu dieser Veranstaltung und zum offiziellen Beginn der Karpfensaison. Werbung machte er gleich für die Karpfenschmecker-Radeltour am 12. September. Auf der rund 30 Kilometer langen Strecke, die in Gerhardshofen um 14.45 Uhr startet, gibt es viele Informationen über die Teichwirtschaft. „Karpfen sind eines unserer Aushängeschilder, sie sind ein Stück Heimat.” Sie gehörten zum immateriellen Kulturgut, unterstrich er.
Von Dobschütz würdigte neben der gastgebenden Familie Knörr (Gasthaus Zum Stern) auch die anderen Gastronomen, die sich bei den verschiedensten Zubereitungsarten mächtig ins Zeug legten. Längst sei dieser Fisch ein Wirtschaftsfaktor, der die Region stärke. Dieses Naturprodukt sei tief in der Heimat verwurzelt, stellte Werner Stieglitz, CSU-Landtagsabgeordneter und stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Markt Erlbach, anschließend in seiner Ansprache fest. Er dankte den vielen Teichwirten für ihr Fachwissen und würdigte die scheidende Karpfenkönigin Svenja I. als tolle Repräsentantin. Diese wiederum stellte fest, dass sie in den vergangenen sechs Jahren in ihrem Amt viele schöne Dinge erlebt habe. Am 1. Juli übernahm sie die heimische Teichwirtschaft, sagte sie und bleibt so den Fischen verbunden..
Nicht nur in heimischen Gewässern sind Karpfen anzutreffen, sondern weltweit, hob Dr. Martin Oberle von der Landesanstalt für Teichwirtschaft – Institut für Fischerei und Außenstelle für Karpfenteichwirtschaft in Höchstadt, hervor. Sie seien die bedeutendsten Produkte der Aquakultur. „Inzwischen wird schon weltweit mehr Fisch von Menschen erzeugt als in den Meeren gefangen.” Nach den Silber- und Graskarpfen sowie Tilapia rangiere der heimische Karpfen bereits auf Platz vier. Weltweit werden laut Oberle rund vier Millionen Tonnen Karpfen erzeugt. Lachse liegen bei zwei Millionen, Forellen bei einer Million Tonnen.
In Asien sei die Karpfenzucht wesentlich intensiver. Eine so schöne Landschaft, ein solches mittelalterlich anmutendes Idyll wie hierzulande gebe es in Asien allerdings nicht. Oberle wies zudem darauf hin, dass die halben gebackenen Karpfen nur in Franken serviert werden. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal.” Er begrüßte es, dass die Tiere direkt aus den Weihern in den Fischküchen landen. „Der Aischgrund ist mit den vielen Weihern etwas Besonderes. Dies gilt auch für die rund 200 Gasthäuser, die Karpfengerichte anbieten.” Die Fische seien ein tolles Zugpferd und ein Motor für die Gastronomie.
Das unterstrich auch die Landtagsabgeordnete der Freien Wähler und Vorsitzende des Fischerzeugerrings Mittelfranken, Gabi Schmidt. Sie würdigte das Engagement der Gastwirte, die ihre Karpfen modern und vielfältig zubereiten, so wie es Jürgen und Alexander Knörr zur Eröffnung der Karpfenschmeckerwochen taten – anders könne man junge Leute heutzutage nicht erreichen. „Wir müssen die Tradition wahren, aber auch modern werden.” Eigentlich müsste jeder Karpfengenießer ein Zertifikat bekommen, da er etwas für die Umwelt tue, erklärte Schmidt. Doch auch ohne dieses werden sich wieder Unzählige die Fische munden lassen, jeder in der Variante, die ihm zusagt.