Die Bischoffs sind echte Kämpfer. Iris und Jörg Bischoff haben 2006 die Sportschule Bischoff aus der Taufe gehoben und das Judo-Team Ansbach etabliert. Die Söhne Jonathan (22 Jahre), Samuel (17) und Benjamin (8) sind in ihre Fußstapfen getreten. Die beiden älteren Brüder zählen zu den besten Judo-Kämpfern in Deutschland.
Samuel Bischoff ist seit einem Jahr Teil des deutschen Nationalkaders. Er ist sogar der Beste seiner Klasse. Denn er wurde sowohl 2024 (in der Klasse bis 90 Kilogramm) als auch 2025 (über 90 Kilogramm) in der U18 Deutscher Meister. Bei den U21 holte er Bronze. Beim EYOF (European Youth Olympic Festival) – vereinfacht gesagt handelt es sich um ein europäisches Olympia für Athleten zwischen 14 und 18 Jahren – erreichte er im Team Silber. Ein Erfolg, wie er in Ansbach und Umgebung seinesgleichen sucht.
Sein Bruder Jonathan errang bei den European Open den dritten Platz und holte damit erste Weltranglistenpunkte. Mit der TSG Backnang kämpft der älteste der drei Brüder zudem in der 1. Bundesliga.
Das klingt in der knappen Zusammenfassung beeindruckend. Doch wie viel Anstrengung und Schweiß dafür nötig waren, verdeutlichen die Erfolge nicht einmal ansatzweise. „Ich trainiere 16 bis 17 Stunden pro Woche”, sagt Jonathan Bischoff. Meist macht er am Morgen Krafttraining und am Abend Judo. Das ist kein leichtes Aufwärmen, sondern „ein richtig intensiver Übungskampf”, wie Jonathan Bischoff betont. Nebenher studiert er an der Fern-Uni Sport und arbeitet als Teilzeit-Trainer in der Sportschule der Eltern.
Bei Samuel Bischoff sieht das nicht sehr viel anders aus. Er ist im September – da war er noch 16 – zu seinem Bruder nach München gezogen, weil sich in Großhadern der nächste Judo-Bundesstützpunkt befindet. Das Training dort ist wichtig, um auf Bundesebene Beachtung zu finden.
Neben den meist zwei Trainingseinheiten am Tag besucht Samuel Bischoff die Fachoberschule. „Das ist schon sehr anstrengend und echt viel”, sagt der 17-Jährige. „Aber es macht noch Spaß”, schiebt er grinsend hinterher, um weitere Nachfragen im Keim zu ersticken. Dass die Doppelbelastung mit Training und Schule kein Spaziergang werden würde, war ihm vorher bewusst.
Den damals 16-jährigen Sohn von Ansbach nach München ziehen zu lassen, fiel den Eltern nicht leicht. Dass er mit dem älteren Bruder, der ebenfalls am Judo-Bundesstützpunkt trainiert, eine WG bilden konnte, war eine Beruhigung. Und natürlich wollten die Eltern Samuel keine Steine in den Weg legen. Sie teilen ja die Begeisterung für Judo. Und der 17-Jährige ist nach wie vor überzeugt: „Ich kann dort besser werden.”
Auch der achtjährige Benjamin Bischoff ist als Judoka erfolgreich. Er kämpft „im oberen Drittel” seiner Altersklasse, erklärt seine Mutter. Die japanischen Begriffe der Kampfsportart gehen ihm ganz selbstverständlich über die Lippen. Zweimal die Woche trainiert der Jüngste des Clans. „Es macht viel Spaß”, sagt er. Aber: „Manchmal würde ich gern auch Fußball spielen.”
Iris und Jörg Bischoff sind natürlich stolz auf „unsere Jungs”, dennoch wirken sie ob des Erfolgs immer noch überrascht. „Wir haben nie Wert darauf gelegt, dass sie Judo machen”, erklärt die Mutter. Alle drei Bischoff-Jungs haben das Judo-Gen von den Eltern geerbt und trainieren seit ihrem vierten Lebensjahr. Iris Bischoff (50) hat in Japan trainiert („Der Traum eines jeden Judokas”), kämpfte für Altenfurt in der Bundesliga, erreichte Platz 5 bei einer Deutschen Meisterschaft. Jörg Bischoff (54) war ebenfalls Bundesligist für Altenfurt, wurde Bayerischer Meister und kämpfte mehrfach bei Deutschen Meisterschaften.
Vor 20 Jahren gründeten sie die Sportschule Bischoff, die nach ein paar Umzügen im Stadtgebiet seit ein paar Jahren in der Industriestraße 20 zu finden ist. Das Konzept einer privaten Sportschule ist eine Seltenheit in Deutschland. Meist sind es Vereine, die das Training anbieten. Doch das ist selten so intensiv wie in der Halle in Eyb. „Wir haben fünf bis sechs Kurse am Tag”, erklärt Iris Bischoff.
Als die Corona-Pandemie übers Land schwappte, war die Sportschule ebenso wie viele andere Einrichtungen monatelang dicht. Die Bischoffs mussten sich auch hier als Kämpfer beweisen. Nicht alle waren bereit, ihre Mitgliedschaft weiterlaufen zu lassen, wenn kein Training möglich war. „Das war eine anstrengende Zeit”, blickt Iris Bischoff zurück. Heute nutzen rund 250 Mitglieder die Sportangebote.
Für Samuel Bischoff war die Sportschule der Eltern indes ein Glücksfall. „Ich konnte die ganze Zeit trainieren.” Sogar mit Trainer. Denn sein Vater Jörg Bischoff konnte natürlich ein Auge darauf haben, was der Sohn in der Halle machte.
Als Trainer – nicht nur für seine Söhne – hat Jörg Bischoff eine Strategie entwickelt, die auch für andere Kämpfer aus dem Judoteam Ansbach schon zu großen Erfolgen führte: „Wir haben einen relativ guten Plan, was die Kinder und Jugendlichen können müssen.” Schon früh nimmt er die jungen Kämpferinnen und Kämpfer zu Turnieren mit. „Da sehen sie, wie gut die anderen sind.” Und sie werden selbst ebenfalls wahrgenommen.
Bei internationalen Wettbewerben geht Samuel Bischoff als amtierender Deutscher Meister trotz seiner Erfahrung keineswegs als Favorit an die Matte. „Da sind dann schon deutlich andere Kaliber”, beschreibt es sein Vater. Deutschland zählt hier eher zu den Underdogs. Neben Japan sind es vor allem Georgien, Kasachstan, Usbekistan, Aserbaidschan und Serbien, die hier besonders erfolgreich sind.
Und wohin soll die Judo-Reise einmal gehen? „Das Ziel ist Olympia”, sagt Samuel Bischoff selbstbewusst, aber ohne dabei abzuheben. „Es geht darum, zu sehen, wie weit man kommt.”