Biohof Prechtel in Voggendorf: Weidepflicht für Jungtiere bedroht die Existenz | FLZ.de

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Biohof Prechtel in Voggendorf: Weidepflicht für Jungtiere bedroht die Existenz

Die Highländer sind draußen im Grünen, doch für das Jungvieh ist eine Weidehaltung bei den Prechtels in Voggendorf nicht möglich. Verliert der Hof deshalb die Bio-Konformität?  (Foto: Mirjam Prechtel-Knapp)
Die Highländer sind draußen im Grünen, doch für das Jungvieh ist eine Weidehaltung bei den Prechtels in Voggendorf nicht möglich. Verliert der Hof deshalb die Bio-Konformität? (Foto: Mirjam Prechtel-Knapp)
Die Highländer sind draußen im Grünen, doch für das Jungvieh ist eine Weidehaltung bei den Prechtels in Voggendorf nicht möglich. Verliert der Hof deshalb die Bio-Konformität? (Foto: Mirjam Prechtel-Knapp)

Die Verantwortlichen hinter dem Biohof Prechtel im Uehlfelder Ortsteil Voggendorf leben ihre Bio-Überzeugung. Sie geben Wissen an Kinder und Erwachsene weiter, arbeiten nachhaltig. Doch nun droht ihnen die Aberkennung der Bio-Konformität. Denn: Sie können aus strukturellen Gründen ihren Jungtieren keine Weidehaltung ermöglichen.

Die EU-Ökoverordnung fordert eine Weidepflicht eigentlich schon seit dem Jahr 2007. Der Freistaat Bayern hatte diese Regelung in der Vergangenheit so ausgelegt, dass auf Weidegang ganz oder zumindest teilweise verzichtet werden kann, „wenn strukturelle Gründe dagegensprechen und ein ständiger Zugang zu Freiflächen und frischem Grünfutter angeboten wird”, betonte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber in einer Pressemitteilung im Februar.

Die Uhr tickt

Doch nun soll auch in Bayern nachgeschärft werden. Kaniber hatte versprochen, „eine Regelung für absolute Härtefälle” anzustreben. Deshalb hatten Biobetriebe auf die Politik und ihre Verbände gebaut, aber dann nichts mehr gehört, sagt Mirjam Prechtel-Knapp vom Biohof Prechtel.

Nun drängt die Zeit, denn wer zum Start der Weidesaison 2026 nicht für alle Altersstufen der Rinder Weidegang anbieten kann, „dem droht die Aberkennung seiner Bio-Konformität”. Und: „Die Uhr tickt. Denn Betriebe, die die Weidepflicht nicht vollumfänglich einhalten können, sollen bis zum 30. September 2025 ihren Förderantrag zurückziehen.” Doch genau das wollen die Prechtels nicht tun.

„Was als Schritt für mehr Tierwohl gedacht ist, stellt viele Biobetriebe vor unlösbare Probleme”, sagt Mirjam Prechtel-Knapp. Der Biohof der Familie kann die Vorgabe nur teilweise umsetzen: „Für die rund 60 Milchkühe wird derzeit ein Weidezugang gebaut, doch für das Jungvieh ist eine Weidehaltung nicht möglich.”

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Vieh müsste über die Straßen getrieben werden

Über die Hofstelle sei das nicht machbar, also müssten die Prechtels das Vieh über Straßen und die Flur treiben oder mit dem Auto irgendwohin fahren. Hinzu kommt: Die Aischwiesen liegen teilweise im Hochwassergebiet – und: In Uehlfeld wird früher oder später ein neues Wasserschutzgebiet kommen, „in Zone II wäre keine Beweidung erlaubt”, betont Prechtel-Knapp im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Wir wollen ja”, erklärt sie, „wir wollen nicht sparen oder Revoluzzer sein.” Aber man könne eben nicht. Deswegen womöglich das Bio-Zertifikat zu verlieren, das sehen die Prechtels nicht ein. „Wir erfüllen die Anforderungen für unsere Milchviehherde – aber es ist unrealistisch, Bio allein an der Weide festzumachen”, sagt Landwirt Harald Prechtel.

Schulklassen besuchen den Bauernhof

„Bio bedeutet viel mehr: nachhaltige Wirtschaftsweise, Bildung, Transparenz und Verantwortung gegenüber Menschen und Natur.” Der Vorschlag, das Jungvieh in Pension an andere Betriebe zu geben, ist für die Familie keine Option: „Das macht für uns keinen Sinn – wir haben selbst genügend Futterflächen, von denen wir bestes Heu und Silage für unsere Rinder gewinnen können.”

Und: „Der Biohof Prechtel engagiert sich weit über die reine Rinderhaltung und Milchgewinnung hinaus und macht Bio für Bürgerinnen und Bürger erlebbar”, sagt Harald Prechtel. Schulklassen verbringen beim Projekt „Erlebnis Bauernhof” ganze Unterrichtstage in Voggendorf. „Auf diese Weise kann der Betrieb jedes Schuljahr 200 bis 300 Kindern die Arbeitsweise und Prinzipien einer nachhaltigen und umweltschonenden Landwirtschaft vermitteln.” Mit einem europäischen Programm wird die Veit-vom-Berg-Schule in Uehlfeld einmal pro Woche mit frischer Biomilch und Biokäse beliefert. Ferienprogramme finden auch auf dem Hof statt.

Über den Hofladen, sagt Mirjam Prechtel-Knapp, haben nicht zuletzt Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, regionale Bioprodukte vor Ort, an der hofeigenen Milchtankstelle, einzukaufen. „Wir bringen keine Gifte in die Umwelt, wir wirtschaften nachhaltig und machen unsere Arbeit für die Gesellschaft erlebbar”, sagt Harald Prechtel. „Wir wollen uns Bio nicht verbieten lassen, deshalb werden wir unseren Förderantrag nicht zurückziehen.”

„Bio darf nicht auf die Weidepflicht reduziert werden”

Der Freistaat Bayern hatte Biobauern, die die Weidepflicht nicht einhalten können, „ausnahmsweise”, so Kaniber, angeboten, den Bio-Förderantrag zurückziehen zu können. So müssten sie bereits erhaltene Zuschüsse nicht zurückzahlen. Aber die Prechtels wollen sich so leicht nicht abspeisen lassen. „Eine Aberkennung hätte schlimme Folgen für uns”, sagt Prechtel-Knapp. Die Milch könnte nicht mehr Bio vermarktet werden, im Prinzip könnte sie dann ihren gesamten Hofladen zusperren.

Die Voggendorfer Bio-Landwirte fordern, auf die besonderen Strukturen in Franken Rücksicht zu nehmen. Die kleinen Acker- und Wiesenflächen machten große Weiden im Prinzip unmöglich – „wenn wir keine Berge haben, können wir auch nicht bergsteigen”. Ministerin Kaniber ist es nach eigener Aussage wichtig, die Anliegen der Landwirte ernst zu nehmen und Lösungen zu finden, die sowohl den hohen Anforderungen der ökologischen Erzeugung an das Tierwohl als auch den praktischen Gegebenheiten vor Ort gerecht werden.

Und auch die Prechtels haben die Hoffnung noch nicht gänzlich aufgegeben – die Familie appelliert: „Bio darf nicht auf die Weidepflicht reduziert werden. Unsere Arbeit zeigt, dass ökologischer Landbau Vielfalt lebt – auf dem Feld, im Stall und in der Bildung. Diese Vielfalt ist eine Stärke, die wir nicht aufs Spiel setzen dürfen.”

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