Gesunde Ernährung ist ein wichtiger Baustein in der Erziehung von Kindergartenkindern und Grundschülern. Über das Schulfruchtprogramm haben die EU und der Freistaat Bayern die Obst- und Gemüselieferungen großzügig subventioniert. Doch nun wurde der Rotstift angesetzt. Das will Biobauer David Baumann aus dem Obernzenner Ortsteil Egenhausen (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) nicht einfach so hinnehmen.
Seit 2010 gibt es das EU-Schulprogramm. Dieses wurde ins Leben gerufen, um Kindern einen regelmäßigen Zugang zu frischen, gesunden Lebensmitteln zu ermöglichen. Im Schuljahr 2022/2023 profitierten in Bayern über 6000 Kindergärten und fast 2700 Grund- und Förderschulen davon. Tendenz steigend. Das Problem: Der Freistaat muss sparen und hat die Förderung gekürzt.
Weniger Gelder bei mehr Teilnehmern – das bedeutet weniger Lebensmittel für jedes Kind. Mit der Kürzung sinke die Zahl der geförderten Wochen entsprechend von ursprünglich 34 auf voraussichtlich noch gut 23 pro Jahr, betonen der Verband „Ökokiste“ – ein Zusammenschluss von rund 50 Bio-Lieferbetrieben – und der Egenhäuser Baumannshof in einer Pressemitteilung. Rund 30 Prozent weniger frische Bio-Produkte für Bayerns Kinder.
Einer dieser Lieferbetriebe ist der Baumannshof aus Obernzenn-Egenhausen. Dieser versorgt über das Programm rund 200 Schulen, Kitas und Kindergärten in der Region, erklärt Geschäftsführer David Baumann. Er findet das Programm enorm wichtig und will nun gemeinsam mit dem Verband „Ökokiste“ gegen die Entscheidung des bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus vorgehen. Denn: Das Schulfruchtprogramm sei zwar eine EU-Maßnahme, in Deutschland liege die Umsetzung aber in der Verantwortung der Bundesländer.
Baumann und Ökokiste haben deshalb nun auf der Plattform „weact“ eine Petition gestartet. Die Forderung: die Kürzungen zu stoppen und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber aufzufordern, die Fördermittel wieder anzuheben. Jeder kann online unterzeichnen.
Um das Schulfruchtprogramm zu verstehen, hilft ein Blick in die Gemeinde Sugenheim. Dort beteiligen sich die Ehegrundschule und der Evangelische Kindergarten daran. Weder Schulleiterin Marianne Freimann noch Kita-Leiterin Diana Lulei wollen die Bio-Obst-, Gemüse- und Milchspenden missen.
Durch verschiedene Projekte werde an der Ehegrundschule vermittelt, „wie wertvoll eine gesunde Ernährung ist“, sagt Schulleiterin Marianne Freimann. „Das Schulfruchtprogramm ist in diesem Gesamtkonzept unserer Schule ein wichtiger Baustein. Einmal in der Woche haben so alle Kinder, unabhängig von ihrem familiären Hintergrund, die Gelegenheit, die wichtige Portion Obst und Gemüse zu frühstücken.“
Entsprechend, so Freimann, wären die Schülerinnen und Schüler enttäuscht, „wenn jetzt wochenlang kein Schulfruchtprogramm mehr angeboten würde – haben wir ihnen doch vermittelt, wie wichtig es ist“. Sugenheims Bürgermeister Anton Schiefer hatte deshalb im Ratsgremium einen Antrag gestellt, die Kosten von rund 1200 Euro zu übernehmen. Jedoch hatte nur Frank Maes gemeinsam mit Schiefer für den Zuschuss gestimmt.
„In der Gemeinde Sugenheim haben sich nun zwei engagierte Unternehmer bereit erklärt, durch Geldspenden die Kosten für die ausfallenden Lieferwochen zu übernehmen“, freut sich nicht nur David Baumann. Auch der Bürgermeister dankt: „Der Konsum von Obst fördert gesunde Essgewohnheiten und hilft, den Appetit auf weniger gesunde, zuckerhaltige Snacks zu reduzieren. Diese gesunden Gewohnheiten werden oft auch auf zu Hause übertragen.“
Der Evangelische Kindergarten in Sugenheim – in Person von Leiterin Diana Lulei – betont ebenfalls die Wichtigkeit des Programms: „Gesunde Ernährung ist für uns ein Weg, um den Körper zu stärken und unser Wohlbefinden zu unterstützen. So erhalten wir die nötige Energie, um das Leben in vollen Zügen zu genießen.“
In Sugenheim springen also zwei Unternehmen in die Bresche. Doch dieses Glück, betont Baumann, hat nicht jede Einrichtung. „So leiden besonders die Kinder unter den Kürzungen.“ Und selbstverständlich, auch daraus macht der Unternehmer keinen Hehl, verlieren auch regionale Bioerzeugerinnen und Bioerzeuger „einen wichtigen Absatzmarkt“.
Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber spricht in einer Stellungnahme ebenfalls von einem „Erfolgsprogramm“. Bislang seien einige Fördermittel aus „finanziellen Überschüssen aus der Corona-Zeit“ geflossen. Nun müsse aber auch der Freistaat sparen. Und: „Das Programm ist kein Versorgungs-, sondern ein Bildungs- und Informationsprogramm“, betont Kaniber. Für sie sei es deshalb wichtiger, bayernweit möglichst viele Kinder zu erreichen „statt dass weniger Kinder mehr Portionen bekämen“. Und schließlich, so die Hoffnung der Ministerin, würde der Nachwuchs auch zu Hause an eine gesunde Ernährung herangeführt.
Für Baumann und den Verband „Ökokiste“ zählt das nicht. Sie sehen die Ressorts Bildung, Ernährung und Wirtschaft vielmehr aufgerufen, das Schulfruchtprogramm qualitativ weiterzuentwickeln. Der Verband hat deshalb einen runden Tisch mit allen Beteiligten angeregt, die weact-Petition gestartet und plant gegebenenfalls darüber hinaus eine offizielle Petition beim bayerischen Landtag, heißt es in einer Pressemitteilung. Ausgang: offen.