Schon als Kind war sie gerne in der Natur. Heute darf Michaela Abt von Berufs wegen durch Wald und Flur streifen. Die 29-Jährige ist seit dem 1. Juli die neue Leiterin des Forstreviers Ansbach. Es ist nicht weniger als ein Generationenwechsel im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.
Abt hat die Nachfolge des inzwischen pensionierten und langjährigen Revierleiters Carsten Wobser angetreten. An dessen gute Arbeit will sie nun anknüpfen, erzählt Abt bei einem Spaziergang durch einen Teil ihres neues Reviers, das viele Hektar Waldfläche umfasst: von Flachslanden, Lehrberg, Oberdachstetten über Rügland und Sachsen bei Ansbach bis zum Stadtgebiet.
Wir wollen niemanden überreden. Wir zeigen Möglichkeiten auf.
Die Fußstapfen ihres Vorgängers seien groß, sagt sie, ohne freilich Bedenken zu haben. In solche Fußstapfen könne man gut treten, sie profitiere von der Vorarbeit. Selbstbewusst versichert die 29-Jährige: „Ich will auch eigene Akzente setzen.“
Ihr Karriereweg führte sie über das Forstwirtschaftsstudium in Triesdorf über Praxismonate bei den Bayerischen Staatsforsten in Burglengenfeld und Bamberg. Auch die Wälder rund um Rothenburg hat sie beruflich bereits kennengelernt. Im Revier Lehrberg, das sie nun selbst leitet, bekam sie bei einem Praktikum erste Einblicke in ihr jetziges Gebiet.
Ein Schwerpunkt ihrer Tätigkeit wird sich auf den nötigen Umbau der Waldlandschaft beziehen. Weg von anfälligen Monokulturen wie den vom Borkenkäfer heimgesuchten Fichten hin zum widerstandsfähigeren Mischwald. „Da sind wir hier auf einem guten Weg, haben aber auch noch Arbeit vor uns“, findet Abt. Den Wald „fit für die Zukunft machen“, so umschreibt die Forstamtsfrau diese Aufgabenstellung, die natürlich nicht nur in ihrem Revier gilt.
Der Klimawandel mitsamt den daraus resultierenden geänderten Anforderungen im Revier wird einen großen Teil ihrer Arbeit als Revierleiterin ausmachen. In der Praxis wie in der Theorie.
Das Thema Klimawandel ist im Bewusstsein junger Menschen schon verankert.
Gedankliche Hürden überwinden oder Überzeugungsarbeit leisten muss sie dabei nicht. „Das Thema Klimawandel ist im Bewusstsein junger Menschen schon verankert. Ganz generell ist das bei der Generation angekommen. Wegsehen kann man da nicht mehr“, meint Abt, die sich in Sachen Waldpädagogik speziell fortgebildet hat.
„Spielerisch an forstliche Themen heranführen und sensibilisieren“ will sie Schülerinnen und Schüler ab der dritten Klasse bei ihren Führungen auf kurzen Waldrunden. Ihnen Baumarten zeigen, die stressresistent sind und nicht gravierend auf sich verändernde Umwelteinflüsse reagieren. „Wir wollen verdeutlichen, wie wichtig ein Mischwald ist“, sagt sie.
Es gelte die Herausforderungen für den Wald darzustellen und darauf hinzuwirken, wie wichtig das Gleichgewicht im Wald in Sachen Nachhaltigkeit ist. „Es ist faszinierend, wie alles zusammenhängt.“ Diesbezügliche Erfahrungen hat Abt zuletzt am Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in München gesammelt, wo der Beratung und Fortbildung der Waldbesitzer ihr Hauptaugenmerk galt. Dennoch ist sie froh, dass dieses Kapitel in der Metropole hinter ihr liegt. „Ich bin kein Großstadtmensch.“ Insofern hat sie nun ihren Traumjob gefunden – noch dazu in der Heimat.
Mit der praktischen Seite ihrer Arbeit wendet sich Michaela Abt an alle Waldbesitzer in ihrem großen Revier. Es geht um verschiedene Förderprogramme – zur Borkenkäferbekämpfung, Wiederaufforstung, Waldpflege und zum Waldumbau. Was gibt es zu tun, was ist zu verbessern, wie können Eigentümer mithelfen, den Wald fit für die Zukunft zu machen? Die Beantwortung dieser Fragen erfolgt bei einer kostenlosen Beratung im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in der Mariusstraße 26.
„Keine Beratung ist wie die andere“, erklärt Abt zu den ganz individuellen Fragen der Waldbesitzer und den Anforderungen im jeweiligen Revier. Die 29-Jährige legt dabei großen Wert auf die Feststellung der Neutralität in ihrer Funktion bei der staatlichen Behörde. „Wir wollen niemanden überreden. Wir zeigen Optionen auf, was alles möglich wäre.“
Gerade schlendert Abt an ein paar Dutzend Bäumen vorbei, die offensichtlich erst vor kurzem frisch angepflanzt worden sind. Ihre Hündin schnüffelt aufgeregt umher. Je ein langgezogenes Plastikviereck schützt die Rinde junger Laubbäume vor dem Verbiss hungrigen Rotwilds.
„Mit so einer Pflanzung fängt die Arbeit erst an.“ Man müsse zunächst vor allem aufpassen, dass nicht etwa rankende Brombeeren die Jungbäume überwachsen und ihnen damit das Licht nehmen. „Es gibt immer was zu tun.“