Das Theater Ansbach zeigt diesen Samstag „Die Billy-Joel-Story“. Zur Geschichte des New Yorker Weltstars und seiner Familie gehören Ansbach und Colmberg untrennbar. Der Terror des Nationalsozialismus zerriss die Bande und verjagte oder tötete die Joels. Bedrückend deutlich zeigen sich Bezüge zur Zeit heute.
Seit 2019 sind Verwandten des Stars Stolpersteine in Ansbach gewidmet. Mit diesen gravierten Messingplatten bewahrt die Stadt das Andenken an ehemalige Ansbacher jüdischen Glaubens.
Vier dieser Steine setzte der Künstler Gunter Demnig seinerzeit vor dem einstigen Anwesen der Joels in der Nürnberger Straße 22 im Boden ein. Sie erinnern an Leon Joel, Billys Großonkel, dessen Frau Johanna, an den Sohn Günther und an Leon Joels Mutter Sara.
Der Sänger, Pianist und Songschreiber Billy Joel, Beiname „Piano Man“, feiert am 9. Mai seinen 75. Geburtstag. Das Theater teilt zu der Gastspielproduktion der „Billy-Joel-Story“ mit: „Der ,Piano Man‘, dessen Familie aus Franken stammt, seine Geschichte und seine Musik präsentiert von Steffen Radlmaier & Live-Band“.
Am Samstag ist diese um 19.30 Uhr im Großen Haus zu sehen. Unter dem Titel „Die Billy-Joel-Story – Words & Music“ gestaltete der Journalist und Buchautor Steffen Radlmaier mit zwei Musikern zum Beispiel schon 2020, zu Beginn der Corona-Krise, einen Abend in Ansbach.
Steffen Radlmaier hatte vorher bereits das Buch „Billy and The Joels“ über die Geschichte dieser Familie verfasst. Billy Joel sei „sehr an Geschichte interessiert“ – und auch an seiner eigenen Familiengeschichte, „von der er wirklich nicht viel wusste“, stellte Radlmaier damals in Ansbach fest.
Hier schilderte der Autor entscheidende Wegmarken. Billy Joels Urgroßvater Julius, ein Schneider aus Colmberg, habe in Ansbach ein Kleider- und Wäschegeschäft eröffnet. Später sei die Firma an Sohn Leon übergegangen.
Hans-Günter Adelhard und Angela Karg steuerten bei dem Abend seinerzeit Informationen aus dem Publikum bei – als Schwiegersohn und Enkelin Karoline Sippolds (geborene Lang). Diese wirkte im Haushalt der Joels als Kindermädchen von Leons Sohn Günther. Leon Joel und seine Familie fuhren 1939 mit einem Flüchtlingsschiff nach Kuba, durften dort jedoch nicht an Land, wie Radlmaier ausführte.
Stattdessen nach Frankreich gelangt, waren sie nicht sicher: Sohn Günther schmuggelten sie gemäß den Worten des Journalisten und Buchautors außer Landes. Die Eltern „landeten schließlich in dem KZ Drancy“. Die Namen stehen auf einer Transportliste von 1942 – ins Vernichtungslager Auschwitz.
Karl Amson Joel, Leons Bruder in Nürnberg, „hatte 1923 eines der ersten großen Versandunternehmen in Deutschland gegründet“, legte Steffen Radlmaier dar. „Man denkt immer, die Nazis kamen an die Macht, und dann wurden plötzlich alle Juden ins KZ geschickt.“
Aber nein: Es sei ein schleichender Prozess gewesen. Deshalb sei „so erschreckend, was eben derzeit wieder in diesem Land passiert“, meinte er vor beinahe vier Jahren. Viele hätten die Nationalsozialisten ehedem nicht ernst genommen.
Als die Schikanen des Hetzers Julius Streicher immer größer geworden seien, seien Firma und Familie Joel nach Berlin gewechselt. Das Ehepaar Meta und Karl Joel flüchtete und brachte mit Sohn Helmut, Billys Vater, ab 1939 über drei Jahre auf Kuba zu, bis es nach New York weiterging, wie der Autor sagte.
Geruhsame Normalität übrigens vermittelte vor 100 Jahren, am 9. Februar 1924, in der Fränkischen Zeitung eine Anzeige des Joel’schen Geschäfts. Es bot Kostümröcke an, zu 7,85 oder 9,30 Mark, „moderne Machart, gute Strapazierqualität“ oder „reinwollener Cheviot, schwarz, blau“. Neun Jahre später begann der NS-Schrecken.
Und heute? Da wird das eigentlich harmlose Wort „Remigration“ zynisch verschleiernd zum Kampfbegriff der Neuen Rechten. Gemeint ist damit die Deportation und Vertreibung von Menschen.