61 Straßen und Plätze in Neustadt, die nach Personen benannt wurden, werden künftig mit dreizeiligen Zusatzschildern und einem QR-Code versehen. Neustadts Museumsdirektor und Kreisheimatpfleger Jochen Ringer präsentierte am Mittwochabend im Stadtrat eine diesbezügliche Ausarbeitung, die das Gremium im Juli 2024 in Auftrag gegeben hatte.
Der Grund für den damaligen Beschluss war der Versuch, eventuelle Kritik an der Benennung von Straßen und Plätzen nach „belasteten“ Personen zu umgehen und gleichzeitig der Forderung nach einer für Anwohner möglicherweise komplizierten und kostspieligen Umbenennung den Boden zu entziehen.
Ringer präsentierte nun in Wort und Bild eine Möglichkeit der künftigen Kennzeichnung. Demnach bekämen alle Straßenschilder, die nach Personen benannt sind, ein dreizeiliges Zusatzschild „angehängt“, auf dem die wichtigsten Lebensdaten des durch die Benennung Geehrten stehen: der volle Name, die Lebenszeit, das Lebenswerk. Auf jenen Schildern, deren Namensgeber eine aus heutiger Sicht „problematische“, „belastete“ oder „umstrittene“ Vita aufweisen – also beispielsweise Antisemiten oder Anhänger des NS-Regimes – würde zusätzlich ein QR-Code angebracht, mit dem man via Smartphone zu Infotexten auf der städtischen Homepage gelangt. Dort wird über den jeweiligen Namensgeber informiert und auch darüber, warum die Person und ihre Ehrung in Form eines Straßennamens heute als problematisch gelten darf.
Als Quelle für die jeweiligen Kurztexte hatte Ringer das Buch von Altbürgermeister Dr. Wolfgang Mück über Neustadts Straßen und Plätze sowie ihre Namensgeber angegeben – das nachvollziehbar einzige wissenschaftliche Standardwerk zu diesem Thema. Christian Köstner (CSU) war dies „zu wenig“. Mück habe da doch zu oft „seine eigene Meinung“ einfließen lassen, behauptete er und bezog sich damit offenbar auf die gängige Historiker-Praxis der wissenschaftlichen Kommentierung und Einordnung.
Der Ton der Debatte war damit gesetzt. Richard Dollinger (CSU) störte sich an der Einbeziehung von Richard Wagner zu den „belasteten” Persönlichkeiten („Woanders macht man Wagner Festspiele. Wo fängt man an, wo hört man auf?“). Markus Simon (SPD) plädierte dafür, getreu dem ursprünglichen Beschluss nicht nur die belasteten Straßennamensgeber, sondern einfach alle Straßenschilder mit Personennamen mit QR-Codes zu versehen und Alex Müller (CSU) fürchtete gar, speziell gekennzeichnete Schilder Einzelner könnten zu Pilgerstätten für rechte Extremisten werden.
Jürgen Brenner (SPD) verwies darauf, dass manche der heute umstrittenen Persönlichkeiten von den Nazis nur für deren Zwecke missbraucht worden seien und Richard Cesinger (SPD) erklärte, „ein Straßenschild ist kein Geschichtsbuch“ und forderte „neutrale Texte“.
Ulli Leopold (CSU) und David Muck (Grüne) erinnerten an den ursprünglichen Gedanken des Beschlusses. „Hintergrund war es doch, dass wir problematische Straßennamen haben“, sagte Muck und Leopold ergänzte: „Der Stadtrat wollte Interessierten den Hinweis geben, dass einige Namen heute kritisch gesehen werden können.“ Dies möge man bitte auch auf der Homepage „klar herausarbeiten“.
Diese von Ringer angestrebte Differenzierung allerdings fiel im Beschluss gänzlich weg. Einstimmig entschieden wurde, alle Straßenschilder, auf denen Personennamen stehen, mit dreizeiligen Zusatzschildern mit den wichtigsten Lebensdaten zu versehen. Darüber hinaus sollen ebenfalls an allen diesen Schildern QR-Codes angebracht werden, die zu Informationstexten auf der städtischen Homepage führen. Der Hinweis von Bürgermeister Klaus Meier, es sei ja wohl nicht Aufgabe der Stadt, über Beethoven zu informieren, blieb ungehört. Auch seine Bitte, bei jenen acht Namensgebern, die heute als „belastet“ gelten, über den QR-Code ein „heute umstritten“ zu schreiben, wurde mit 14 gegen sieben Stimmen abgelehnt.