Der Küchentisch spielt in den meisten Familien eine zentrale Rolle. Hier werden die wirklich wichtigen Themen verhandelt. Bei der Familie Zech im Wilburgstettener Ortsteil Knittelsbach war das nicht anders. „Bei uns waren politische Gespräche Alltag“, erinnert sich Florian Zech.
Sein Vater Josef Zech ist Gemeinderat in Wilburgstetten. Seit vier Jahrzehnten schon. Der 40-jährige Florian Zech kennt seinen Vater also gar nicht anders als einen politisch tätigen Menschen. Das hat abgefärbt, denn Zech junior ist seit 2020 selbst Mitglied in einem Kommunalparlament, im Dinkelsbühler Stadtrat. Am Küchentisch erzählen sie von ihren Ehrenämtern.
Vater und Sohn, das geben sie unumwunden zu, sind nicht immer einer Meinung. Das waren sie noch nie und doch sind die beiden stets im Gespräch geblieben. Die verschiedenen Ansichten seien gute Grundlagen für Diskussionen gewesen, sind sie überzeugt.
Wenn man etwas verändern will, muss man anpacken.
1984 wurde Josef Zech erstmals in den Wilburgstettener Gemeinderat gewählt. „In der ersten Periode musste ich erstmal lernen, wie alles läuft“, blickt er zurück. Damals war noch Günter Weiß Bürgermeister und in den Sitzungen ging es manchmal recht turbulent zu. „Da fielen schon mal deutliche Worte“, erinnert sich Josef Zech.
1999, das war schon in seiner dritten Wahlperiode, kam nach Günther Gottwald ein Neuer auf den Chefsessel im Wilburgstettener Rathaus: Bernhard Kisch. Und seit 2014, mit dem Beginn von Zechs fünfter Runde im Gemeinderat, ist Michael Sommer das Gemeindeoberhaupt.
Mit all seiner Erfahrung kann sich Zech senior in die Lösungen anstehender Probleme gut einbringen. Dazu kommt auch seine berufliche Expertise in allen Bauangelegenheiten. Auch nach so langer Zeit mache er sein kommunalpolitisches Ehrenamt gerne. „Das ist eine wichtige Aufgabe“, ist er überzeugt. Dass er dabei in den vergangenen 40 Jahren viele Kontakte geknüpft hat, ist für ihn ein schöner Nebeneffekt.
Dass sein Engagement für die Kommune auf Sohn Florian abgefärbt hat, ist für den Senior ein schönes Gefühl. „Ich freue mich jedes Mal, wenn ich über ihn in der Zeitung lesen“, gibt Josef Zech zu und ergänzt, dass auch seine beiden anderen Söhne in ihren Kommunen Ehrenämter übernommen haben.
Der 40-Jährige Florian Zech ist Mitglied der CSU-Fraktion im Dinkelsbühler Stadtrat. Auch wenn es in der Großen Kreisstadt andere Themenfelder gibt, die abgearbeitet werden müssen, so sehen die beiden Kommunalpolitiker doch Gemeinsamkeiten.
Es gehe darum, Mehrheiten zu bilden, Überzeugungsarbeit zu leisten. „Dazu muss man mehrere Seiten eines Problems kennen, um zu einer Entscheidung zu kommen“, erklärt Florian Zech. Sein Vater gibt ihm da recht und fügt noch hinzu: „Man muss vom Persönlichen trennen und sehen, was für die Kommune vorteilhaft wäre.“
Und beide sind sich einig: „Man macht das nicht als Zeitvertreib, sondern hat einen Eid geschworen“, betont Florian Zech. Sie spüren die Verantwortung, die das Ehrenamt mit sich bringt. Deshalb ist für die Zechs auch klar, in den Sitzungen mitzureden.
Man macht das nicht als Zeitvertreib, man hat einen Eid geschworen.
Noch etwas verbindet die beiden: „Wenn man etwas verändern will, muss man anpacken“, sagt Josef Zech. „Man darf sich nur dann beschweren, wenn man bereit ist, etwas zu gestalten“, schickt er noch hinterher.
Wenn sich die Zechs heute treffen, dann diskutieren sie noch immer am Küchentisch über das, was ansteht in ihren Kommunen. Der Senior weist den Junior auch auf Dinge hin, die ihm in Dinkelsbühl auffallen. Auch dabei sind die beiden nicht immer gleicher Meinung.
Für den Knittelsbacher steht jetzt, gut ein Jahr vor der Kommunalwahl, fest, dass er sich nicht mehr aufstellen lässt. Er blickt ein bisschen mit Sorge in die Zukunft, weil sich immer weniger Menschen bereit erklären, sich in einen Stadt- oder Gemeinderat wählen zu lassen. „Es gibt kaum noch Interessenten“, bedauert der 74-Jährige.
Ob sein Sohn in seine Fußstapfen treten wird, was die Dauer seines Ehrenamts betrifft? „Ob ich das mit voller Energie so lange machen könnte wie mein Vater, weiß ich nicht“, gibt Florian Zech zu. Eine zweite Periode als Stadtrat kann er sich aber durchaus vorstellen.