Abgesagt ist das Beerenweinfest bei Gotzendorf. Mühlenbesitzer Friedrich Ammon begründet das mit Auflagen der Gemeinde, durch die ein lohnender Betrieb unmöglich sei. Rathauschef Markus Nehmer bestreitet dies und verweist auf Sicherheitsaspekte.
Auf Absperrband und einen leeren Hof werden Besucher treffen, die am Karfreitag in die Gotzenmühle fahren. Seit rund 50 Jahren ist sie eine „Pilgerstätte“ der anderen Art zum christlichen Hochfest. Doch auf einem Infoschild wird dieses Mal stehen, dass sie wegen Behördenauflagen geschlossen bleibt.
Was da – durchaus umstritten – am stillen Feiertag passiert, ist Friedrich Ammon zufolge gar kein Fest. Wie gesetzlich vorgeschrieben gibt es keine Musik oder Tanz, er mache auch keine Werbung. Vielmehr habe es im vergangenen Jahrhundert einfach begonnen, dass Menschen am Karfreitag nach dem Fischessen noch auf einige Gläser Beerenwein geblieben sind. Seit 1875 ist die ehemalige Mühle im Besitz der Familie Ammon, seit 1972 ist sie ein reiner Gasthof.
Mit der Zeit wurde es voller, mehr als 300 Menschen drängten sich in die Stube, verschmutzten sie, klauten Sachen. Vor rund 15 Jahren habe er den Betrieb an Karfreitag daher in den Hof verlagert. Schnaps gibt es nicht. An Hütten wird der Beerenwein ausgeschenkt sowie Essen, Bier und „Unalkoholisches“ verkauft.
Es kamen erste Auflagen der Behörden, wie die Verwendung von Plastikbechern. Maximal 1000 Leute dürfen zeitgleich auf das Mühlenareal – inzwischen kommen über den Tag verteilt mehr, sagt die Polizei. „Am Anfang war es ein Blatt, inzwischen ist es ein Katalog“, sagt Ammon über die Auflagen. Bei Verstößen drohen ihm jeweils bis zu 5000 Euro Strafe, steht im Bescheid.
Dieses Jahr sei es endgültig zu viel, erklärt der 73-Jährige. Bisher hätten fünf Sanitäter gereicht, dieses Jahr fordere die Gemeinde elf. Auch eine 18-köpfige Gruppe eines Sicherheitsdienstes soll laut Bescheid bei der Veranstaltung im Einsatz sein – statt bislang zwölf.
Lichtenaus Bürgermeister Markus Nehmer stellt das anders dar. Am 6. März hat eine Vorbesprechung mit der Polizei, dem Roten Kreuz und dem Landratsamt stattgefunden. Ammon selbst war nicht anwesend. Er hatte stattdessen einen Brauereivertreter und einen Mann von der Sicherheitsfirma bevollmächtigt, für ihn zu reden. Sowohl das BRK als auch der Sicherheitsmann hätten gesagt, dass sie mehr Personal als 2023 bräuchten, so Nehmer. „Damit war das für uns gesetzt, für die Gesundheit und Sicherheit der Gäste.“
Der Beerenwein schlage besonders aufs Gemüt, so Nehmer. Im vergangenen Jahr gab es Klagen von BRK-Sanitäterinnen, die sich wegen der alkoholisierten Stimmung unwohl fühlten und nur mit Securitys an der Seite auf dem Gelände unterwegs sein wollten.
Häufiger kämen am Beerenweinfest Schlägereien vor, berichtet auch Roland Schiefer, Leiter der Heilsbronner Polizeiinspektion. Die Polizei habe inzwischen ein Sicherheitskonzept, um schnell einschreiten zu können. Möglich macht dies eine extra georderte Verstärkung. Insgesamt 16 Beamte seien vorrangig auf die Gotzenmühle angesetzt.
Der Mühlenbesitzer kritisiert derweil, dass er den Auflagenbescheid „zu spät“, am 19. März erhalten hatte, nur sieben Tage vor dem Fest. Markus Nehmer entgegnet, dass keine Frist versäumt worden sei. Zudem sei er davon ausgegangen, dass die Bevollmächtigten sich mit Ammon abstimmen würden.
Die Kombination mit einer weiteren neuen Auflage sorge für das eigentliche Problem, führt Friedrich Ammon aus. Bisher hatte er außerhalb des umzäunten Geländes noch an einer Scheune flaschenweise Beerenwein zum Mitnehmen verkauft.
Das verschärfe aber die Sicherheitslage durch unkontrolliertes Vor- und Nachglühen, erklärt Nehmer. Auch seien vergangenes Jahr Flaschen von Gästen mit auf das Mühlengelände geschmuggelt worden. Doch durch das Verbot drohe ihm ein Umsatzverlust von mehreren tausend Euro, sagt Ammon.
Gepaart mit Mehrkosten für Sicherheit- und Rettungsdienst sei das „Fest“ nicht mehr realisierbar. „Es ist eine Katastrophe.“ Nicht nur für ihn, „die jungen Leute finden es traurig“. Reihenweise zeigt er im FLZ-Gespräch E-Mails von Menschen, die sich erkundigen, dauernd klingelt sein Mobiltelefon. Aber ablehnend wird das Fest Nehmer zufolge von anderen, gerade aus dem Umfeld der Kirchen, beobachtet – wegen des hohen Alkoholkonsums, gerade an einem stillen Feiertag zum Tod Jesu.
Als Friedrich Ammon bei der Vorbesprechung für 2023 ankündigte, nun Bratwürste anzubieten, stieß das seinen Worten nach auf Empörung. „Manche finden das gehört sich nicht. Aber das zu bewerten ist nicht unsere Aufgabe“, sagt Roland Schiefer auf Rückfrage.
Der FLZ zeigt Ammon Bestellungen einzelner Personen über viele Liter Beerenwein. „Die trinken nun überall privat, ob das besser ist?“ Was 2025 an Karfreitag in der Gotzenmühle ist, sei noch unklar.