Bislang kommt das Grundstück mit der Flurnummer 1449 in Herrieden noch recht unscheinbar daher. Doch auch wenn gerade Bäume und Büsche das zugewachsene Areal am Martinsberg prägen, könnte dort in ein paar Jahren das nächste innerstädtische Baugebiet entstehen.
Die Firma Beil Baugesellschaft stellte im Bau- und Verkehrsausschuss des Stadtrates „erste Ideen” vor, wie das Grundstück in prominenter Lage mit Blick über die Dächer Herriedens und das Altmühltal einmal aussehen könnte. In den Grundzügen soll sich die künftige Bebauung an den bestehenden Häusern der direkten Nachbarschaft orientieren. Vorgesehen hat die Firma vier Gebäude, von denen drei in Richtung Straße versetzt nebeneinander angeordnet werden sollen, und ein etwas größeres, das im hinteren Bereich platziert wird.
„Das soll nicht zu groß und nicht zu wuchtig wirken”, bemühte sich Firmenvertreter Christian Scheuerpflug um eine zurückhaltende Beschreibung der angedachten vierstöckigen Bebauung mit etwa 60 Wohneinheiten auf dem Hanggrundstück. Die absolute Höhe ist mit zwölf Metern angegeben, wobei neben drei Vollgeschossen das oberste Stockwerk zurückversetzt geplant ist. Zwischen den vier Baukörpern ist viel Grün vorgesehen, neben Stellplätzen zur Straße soll das Gros der motorisierten Fahrzeuge in einer begrünten Tiefgarage untergebracht werden. Die einzelnen Wohnungen sollen über Laubengänge erschlossen werden, was laut Planer viel Licht verspricht.
„Das ist ein sensibler Bereich”, meinte Bürgermeisterin Dorina Jechnerer im Hinblick auf den nahen Friedhof und die Lage des Areals direkt an der Straße mit der angrenzenden bestehenden Bebauung. Für ein erstes Meinungsbild gelte es, „pro und contra” zu sammeln. Bedenken wurden im Gremium vor allem bezüglich der angedachten Höhe laut. „Geht es nicht auch mit einer Etage weniger?”, fragte etwa Gaby Rauch (FW) an. Skeptisch bezüglich der Kante und der damit einhergehenden Sicht auf das „Filetgrundstück” zeigte sich Armin Jechnerer (BFH), für den die erste Planungsidee „sehr wuchtig” daherkommt.
„Die lange Bauphase”, wonach das Ansbacher Unternehmen das Vorhaben nacheinander und nur Stück für Stück umsetzen will, monierte CSU-Stadtrat Jürgen Leis. Gerade in einer Siedlung sei das doch schwierig: „Haben wir da dann zehn Jahre lang eine Baustelle?” Tatsächlich hänge das direkt mit der Nachfrage nach Eigentumswohnungen zusammen, erklärte der Vertreter der Firma.
Den aktuellen Baumbestand auf dem Grundstück wollte die Bürgermeisterin „nicht außer Acht lassen”. Es müsse klar sein, dass im Falle einer Bebauung auch Bäume gerodet werden müssten. Ebenso gelte es, mögliche Beschwerden wegen der Geräuschentwicklung der Kirchenglocken bereits im Vorfeld auszuschließen. Auch der zu erwartende Baustellenverkehr in dem Wohngebiet wurde als Contra-Punkt festgehalten.
In der Gesamtbewertung stieß das Projekt im Stadtrat freilich auf durchaus offene Ohren. Es handle sich um „eine klassische Nachverdichtung”, ordnete es Armin Jechnerer als „großen Mosaikstein im stimmigen Bild Herriedens” ein. Neben Baugebieten auf der grünen Wiese sei gerade dieser Aspekt für die Stadtentwicklung sehr wichtig. Und die Lage des potenziellen Baugebiets sei im Hinblick auf die Erreichbarkeit der Schule und der künftigen Einkaufsmöglichkeiten im Umfeld ideal. Weshalb er folgerte: „Eine sehr elegante Innenlösung.”
Aspekte wie ein von Grünen-Stadtrat Matthias Rank ins Spiel gebrachtes Energiekonzept seien erst im weiteren Verlauf der Planungen zu berücksichtigen, relativierte Firmenvertreter Christian Scheuerpflug derartige Gedankenspiele. Was klar wurde: Der Wunsch nach einem Geschoss weniger dürfte schwierig umzusetzen sein. Bereits jetzt seien Verkaufspreise zwischen 5000 und 6000 Euro pro Quadratmeter für derartige Wohnungen keine Seltenheit auf dem Markt. Dennoch votierte das Gremium einstimmig dafür, die Planungen fortzusetzen.