Rund 8500 Gläubige sind beim Bayerischen Kirchentag auf dem Hesselberg zu Gast gewesen. Dr. Jack Urame, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche Papua-Neuguinea, mahnte in seiner Predigt die Verantwortung für die Schöpfung an und sagte, dass jeder seinen Beitrag für die Umwelt leisten müsse.
„Wir sitzen alle in einem Boot und dieses Boot verkörpert die Welt“, eröffnete der Wassertrüdinger Pfarrer Joachim Nötzig als Leiter des Kirchentags gemeinsam mit Dekanin Uta Lehner das Glaubenstreffen zum Thema „Gemeinsam für die Welt“ auf der rund 600 Höhenmeter gelegenen Kirchentagswiese.
Lehner dankte dem gesamten Vorbereitungsteam und Mission EineWelt, dem Kooperationspartner und Ideengeber für diesen 74. Kirchentag. Als Christen unterschiedlicher Herkunft gemeinsam im Geiste Gottes diesen Tag zu begehen, war ihr Wunsch. Diesen Blickwinkel eröffnete Bischof Urame in einer aufrüttelnden Predigt.
Zunächst aber berichtete er von „Heimatgefühlen“, denn vor 20 Jahren war Jack Urame Pfarrer in Auhausen und erlebte schwäbisch-fränkische Gastfreundschaft und freundliche Menschen. Die Menschen seien nur Verwalter der Schöpfung, benähmen sich aber wie die Herren des Universums und beuteten die Schöpfung aus, reflektierte er in der Predigt.
Die Beziehung zwischen den Menschen, Gott und der Umwelt sei gerade am Pfingstfest im Heiligen Geist und in Gottes Kraft spürbar, so der Bischof. Gottes Schöpfung darf nicht als marktfähige Ware ausgebeutet werden, sondern müsse als dankbares Geschenk angesehen, geschützt und gepflegt werden. Den Klimawandel deutete er als von Menschen gemachte Krise. Deshalb stünden die Menschen in der Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung.
Den Gottesdienst begleiteten musikalisch ein großer und kleiner Bläserchor unter Leitung von Kerstin Dikhoff und Thomas Engelbrecht sowie der Gospelchor „Joyful Voices“, geleitet von Maximilian Mauder.
Für die kurzfristig erkrankte Regionalbischöfin Gisela Bornowski hieß Landesbischof Christian Kopp die Ehrengäste willkommen und dankte allen Helferinnen und Helfern und den Sicherheits- und Rettungskräften für ihren Einsatz. „Das Beste am Hesselberg sind wir alle.“
In klassischem Fränkisch begann Ministerpräsident Dr. Markus Söder sein Grußwort. Der Kirchentag sei ein wichtiges Ritual und Tendenzen, diesen Pfingstmontag als Feiertag zu streichen, werde er für Bayern nicht zustimmen. Der Glaube habe für Söder keine Krise, bei der Kirche gebe es allerdings einiges zu tun, sagte er.
Mit Blick auf missionarisches Handeln wünschte er, bei sich selbst anzufangen und Glaube und Mitmenschlichkeit in seinem Umfeld und in die Welt zu tragen. Die Jünger damals, so Söder, hätten es auch nicht leicht gehabt und wurden angefeindet, setzten sich aber begeisternd für den Glauben ein.
Beim Kinderkirchentag, organisiert von einem Team um den Gerolfinger Pfarrer Christian Dellert, spielte die Band Chris Halmen bei einem fröhlichen Mitmachgottesdienst.
Sechs Informations-, Gesprächs- und Diskussionsrunden wurden im neuen Nachmittagskonzept des Kirchentags auf der Kirchentagswiese oder in Räumen des Evangelischen Bildungszentrums (EBZ) angeboten. Chancen ergreifen, Begeisterung entfachen und auch Realitäten erkennen und reagieren, waren die Kernpunkte bei der Gesprächsrunde mit Oberkirchenrat Stefan Reimers zur Zukunft der Kirche.
Heimatliebe sei mit Orten, Gefühlen oder Menschen verknüpft, hieß es bei der Gesprächsrunde mit Landesbischof Christian Kopp, Landtagsabgeordneten Barbara Becker und Bischof Jack Urame.
Bei der „Grünen Couch“ sprach Bundestagsabgeordneter Artur Auernhammer (CSU) mit Erwin Ballis vom Maschinenring und Dr. Jürgen Bergmann vom Kirchlichen Entwicklungsdienst über die Welternährung. Wolfgang Kehrwagen moderierte das Gespräch. Den heimischen Landwirten ging es auch um Biogas und Photovoltaikanlagen.
Gott zu danken für viele Begegnungen, Impulse und seinen Geist an diesem gemeinsamen Tag: Das wünschte Landesbischof Christian Kopp zum Ausklang und spendete damit den Abschlusssegen des 74. Kirchentags.