Bauprojekt in Custenlohr: Wackelt das Dorfgemeinschaftshaus wörtlich? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 20.12.2025 19:45

Bauprojekt in Custenlohr: Wackelt das Dorfgemeinschaftshaus wörtlich?

Das Custenlohrer Dorfhaus muss dringend saniert werden. Das kommt nun aber deutlich teurer als ursprünglich gedacht. (Foto: Johannes Zimmermann)
Das Custenlohrer Dorfhaus muss dringend saniert werden. Das kommt nun aber deutlich teurer als ursprünglich gedacht. (Foto: Johannes Zimmermann)
Das Custenlohrer Dorfhaus muss dringend saniert werden. Das kommt nun aber deutlich teurer als ursprünglich gedacht. (Foto: Johannes Zimmermann)

Dörfer brauchen einen Treffpunkt in der Ortsmitte, damit die Geselligkeit funktionieren kann. Uwe Strebel (Bürgerliste) aus Welbhausen weiß das aus Erfahrung: „Das gibt der Dorfgemeinschaft einen ganz schönen Schub”, sagte er in der Uffenheimer Ratssitzung. In Custenlohr soll es auch so sein. Doch jetzt steigen erst einmal die Kosten.

Das Vorhaben findet sich schon seit geraumer Zeit auf der Projektliste der Stadt Uffenheim. Doch dahinter stand immer ein Fragezeichen. Bedrohliche Risse und Setzungen: Ist das Custenlohrer Dorfhaus wirklich standhaft? Und lässt sich das Fundament stabilisieren? Planer Karlheinz Liebberger sagt: „Ja.” Im ersten Bauabschnitt stehen entsprechend die Unterfangungen im Mittelpunkt. Schritt für Schritt soll am Ende ein generalsanierter Treffpunkt dastehen, mit einem neuen Jugendraum. Für die Übergangszeit wurden den Jugendlichen Container gestellt, erläuterte Bürgermeister Wolfgang Lampe.

Das Gebäude muss sich stabilisieren

Das Architektenbüro hat nun eine Kostenermittlung vorgenommen und die ersten Leitplanken aus dem Sommer 2024 konkretisiert. Außerdem wurden noch weitere Punkte mit ins Projekt aufgenommen: Die vorhandene Ölheizung ist nicht mehr auf aktuellstem technischen Stand – „und nachdem die Sanierung nur abschnittsweise erfolgen kann, macht es in Hinblick auf die Zukunft durchaus Sinn, die Ölheizung auszutauschen”, heißt es in den Sitzungsunterlagen. Entsprechend wurden in die Kostenaufstellung eine PV-Anlage auf dem Dach für den Eigenverbrauch mit Speicher (rund 15.470 Euro) und die Installation einer Wärmepumpe (41.350 Euro) mit aufgenommen.

Im ersten Bauabschnitt – Kostenpunkt: rund 170.000 Euro – werden die Unterfangungen, die Sanierung des Gewölbekellers, die Schädlingsbekämpfung und die provisorische Herstellung der Außenanlagen in Angriff genommen. Danach muss eine „Konsolidierungsphase” von mindestens sechs Monaten vorgesehen werden, damit sich das Gebäude stabilisieren kann. In dieser Zeit müssen Risse, Fugenbreiten und eventuelle Setzungen regelmäßig kontrolliert werden, um die „Reaktion des Gebäudes” zu dokumentieren. Andreas Zander (Bürgerliste) empfahl, jene Phase auf mindestens zwölf Monate auszuweiten, um einen kompletten Jahresrhythmus zu durchlaufen. Wie lange die Konsolidierung letztlich dauern wird, sei Angelegenheit des Planers, so Lampe.

Kostensteigerung von 150.000 Euro

Unter dem Strich stehen im Vergleich zu Mitte 2024 mittlerweile rund 150.000 Euro mehr. Zander fragte nach, woher diese Kosten kommen, schließlich machten PV-Anlage und Wärmepumpe längst keinen so großen Ausschlag aus. Andrea Weber vom städtischen Bauamt und Lampe betonten, dass die Architekten nun eben mehr ins Detail gegangen sind.

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Neue Posten kamen hinzu, der Jugendbereich sei aktuell faktisch in einem Rohbauzustand. Toiletten müssen oben eingebaut, eine Treppe als Rettungsweg angebracht und Türen wegen des Brandschutzes ausgetauscht werden. Das läppere sich. Außerdem sei die erste Kostenschätzung, so Lampe, wirklich nur ganz, ganz grob gewesen. Die 470.000 Euro Gesamtkosten, die nun im Raum stehen, kommentierte der Bürgermeister wie folgt: „Ich gehe davon aus, dass wir jetzt wirklich sehr nah an der Wirklichkeit sind.” Uwe Strebel (Bürgerliste) mutmaßte hingegen, dass die einkalkulierten 170.000 Euro für den ersten Bauabschnitt nach seinen Erfahrungen nicht reichen dürften.

Auf die Expertise der Architekten vertrauen

Lampe brach eine Lanze: Man arbeite mit einem renommierten Architektenbüro zusammen und müsse auf deren Expertise vertrauen. Achim Endreß (CSU) bereiteten trotzdem zwei Sätze zum Fundament des Hauses aus den Sitzungsunterlagen Bauchschmerzen: „Im besten Fall stabilisiert sich das Tragverhalten nach der Konsolidierungsphase. Die weiteren Sanierungsarbeiten erst im Anschluss vorzunehmen, ist aus fachlicher Sicht zweckmäßig, damit das Risiko auf eventuell erneute Rissbildung minimiert wird.”

Lampe betonte, dass kein Architekt dieser Welt eine Garantie geben könne, übrigens auch nicht bei einem Neubau. Der würde wohl mindestens 1,5 Millionen Euro verschlingen – Geld, das die Stadt nicht hat. Das sah auch Vize-Bürgermeister Hermann Schuch (FWG) so: „Ein Neubau ist keine Alternative. Wir müssen das Risiko eingehen. Wenn das Dorfgemeinschaftshaus unten saniert ist, geht es oben weiter.”

Treffpunkt für Custenlohr sei unausweichlich

Letztlich betonten zahlreiche Rätinnen und Räte, dass ein Treffpunkt für Custenlohr unausweichlich sei. Nicht nur Strebel sah darin vor allem auch einen „emotionalen Wert” und sozialen Kleister für die Dorfgemeinschaft. Ursula Suchanka (SPD) verwies auf die generell gestiegenen Baukosten von 14 bis 20 Prozent: „Diese Entwicklung macht auch vor Custenlohr nicht Halt.” Ihr dringender Appell: „Die Bürger warten schon lange, es ist Zeit, den ersten Schritt zu gehen.” SPD-Fraktionssprecher Bernhard Schurz wählte ähnliche Worte: „Wir sollten jetzt wirklich endlich anfangen, dass wir Fördermittel beantragen. Dass das Projekt teurer ist, ist jetzt eben so.”

Einstimmig beschloss das Ratsgremium, den ersten Bauabschnitt anzugehen und die Sanierung stufenweise auszuführen – vorbehaltlich der Haushaltssituation und der Zustimmung des Amtes für Ländliche Entwicklung (ALE), das wie gewohnt bei der Dorferneuerung als Partner dient. Denn die Sanierung soll über die Dorferneuerung bezuschusst werden. Auch der Heizungsaustausch wurde beschlossen, ebenfalls vorbehaltlich der Finanzen.

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