Bauernverband lud Bundestagskandidaten zur Diskussion nach Elgersdorf | FLZ.de

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Veröffentlicht am 17.02.2025 19:59

Bauernverband lud Bundestagskandidaten zur Diskussion nach Elgersdorf

Stellten sich den Fragen der Landwirte (von links): Thomas Klaukien (AfD), Tobias Winkler (CSU), Carsten Träger (SPD), Hamran Salimi (Grüne), Thomas Billmann (ÖDP) und Andreas Scholz (Freie Wähler). (Foto: Patrick Lauer)
Stellten sich den Fragen der Landwirte (von links): Thomas Klaukien (AfD), Tobias Winkler (CSU), Carsten Träger (SPD), Hamran Salimi (Grüne), Thomas Billmann (ÖDP) und Andreas Scholz (Freie Wähler). (Foto: Patrick Lauer)
Stellten sich den Fragen der Landwirte (von links): Thomas Klaukien (AfD), Tobias Winkler (CSU), Carsten Träger (SPD), Hamran Salimi (Grüne), Thomas Billmann (ÖDP) und Andreas Scholz (Freie Wähler). (Foto: Patrick Lauer)

Besondere Umstände bringen besondere Konstellationen hervor: So gesehen hatte Jürgen Dierauff recht, als er den Termin hinter dem Kuhstall von Markus Geppert im beschaulichen Elgersdorf als „größte Wahlkampfveranstaltung” im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim bezeichnete. Rund 50 Landwirte fühlten dort einer Handvoll Bundestagskandidaten auf den Zahn.

Montagnachmittag, 14 Uhr. Strahlender Sonnenschein über und klirrende Kälte im Emskirchener Teilort Elgersdorf. Auf dem Hof des Landwirts Markus Geppert stehen in kleinen Grüppchen zahlreiche Bauern aus dem gesamten Landkreis, dazwischen – noch ein wenig verloren – einige Bundestagskandidaten und Parteivertreter. Carsten Träger (SPD) ist da, Kamran Michael Salimi für die Grünen, der Gerhardshöfer Andreas Scholz friert im langen Mantel für die Freien Wähler, im Anzug sucht Thomas Klaukien (AfD) nach Anschluss und der Emskirchener Bio-Landwirt Tristan Billmann (ÖDP) hat ein Heimspiel. Die FDP habe leider keine Zeit gefunden, sagt BBV-Kreisobmann Jürgen Dierauff, und Tobias Winkler (CSU) komme etwas später.

Köninger erinnert an die Demos in 2024

Mittlerweile hat man sich am eigentlichen Versammlungsort hinter dem Stall zusammen gefunden. Beim ausführlichen Statement des Fürther BBV-Obmanns Peter Köninger stehen die Kandidaten noch in den Reihen der Landwirte, wenig später werden sie von Dierauff sanft zur „Gegenüberstellung“ gedrängt. Konfrontativ wird es damit allerdings noch lange nicht – im Gegenteil: Die Stimmung ist zunächst wohlwollend, entspannt. Und jetzt ist auch Tobias Winkler (CSU) eingetroffen.

Die Landwirtschaft, so formuliert es Peter Köninger, sei in diesem Wahlkampf ja „nicht so das große Thema“, obwohl sie nichts von ihrer Bedeutung für die Menschen verloren habe. Köninger erinnert an die Demonstrationen von vor einem Jahr, an Schlepperkonvois, an die Bauernproteste. Die leise Drohung „Wir können das jederzeit wiederholen“ schwingt mit, auch wenn er es nicht ausdrücklich sagt – die Riege der Politiker schweigt und nickt.

Überraschungslob für den grünen Minister

Und dann sagt Köninger einen Satz der nachhallt, der das Selbstverständnis der Bauern auf den Punkt bringt: „Wir sind nicht das Problem beim Klimawandel, wir sind die Lösung.“ Die regionale Landwirtschaft mit ihren kurzen Wegen, der lokalen Wertschöpfung – das sei nachhaltiges Wirtschaften, das diene der Umwelt, der Kulturlandschaft. Und wie um zu demonstrieren, dass die Bauern gar nicht so voreingenommen sind, wie von manchen gerne behauptet wird, lobt Köninger den Noch-Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir, einen Grünen. In Sachen Maul- und Klauenseuche – da seien dessen Kommunikation und Krisenmanagement „super“ gewesen. Beim Tierwohlgesetz hingegen habe der Minister kommunikativ versagt: „Das hätten wir einfach gemeinsam machen müssen, dann hätten wir das hingekriegt.“

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Anschließend wird jeder einzelne Politiker mit einer ganz konkreten, drängenden Frage aus der Landwirtschaft konfrontiert. Ja, sagt Tobias Winkler (CSU) beispielsweise, die angemahnten „Reparaturen“ an der Düngeverordnung seien machbar. Die EU-Gesetzgebung sei nicht das Problem, die deutsche Auslegung hingegen schon. Bei den Landwirten stößt er damit auf offene Ohren: Deutschland, so hört man immer wieder heraus, sei viel zu strikt bei der Umsetzung europäischer Richtlinien – andere Länder handhabten das deutlich flexibler. Winkler sieht das ähnlich, spricht sogar von einem Standortnachteil deutscher Bauern. Man müsse den „top-ausgebildeten“ hiesigen Landwirten einfach mehr Vertrauen entgegen bringen.

„Stoffstrombilanz“ als bürokratisches Ungetüm

Auch Carsten Träger, der ein bisschen später mit seiner leichten Kritik an einer AfD-Aussage gleich einen groben Rüffel von einem Jung-Landwirt kassiert („Hey, nicht hier andere Parteien kritisieren.“) ist bemüht, den Ball flach zu halten. Die Abschaffung der so genannten „Stoffstrombilanz“ ein bürokratisches Ungetüm aus Sicht vieler Bauern, könne er sich durchaus vorstellen – es werde anderweitig schon genug dokumentiert, man könne es schließlich auch übertreiben.

Überraschungen? Nein, die bleiben aus. Thomas Klaukien, zwar kein Bundestagskandidat, von der AfD jedoch trotzdem abgeordnet, windet sich ein wenig, als er auf Alice Weidels Wunsch nach dem Abbruch aller Windräder angesprochen wird. „Bereits stehende Anlagen sind nicht unser Ziel. Natürlich brauchen die Landwirte, die da investiert haben, Sicherheit.“ Aber – so sagt er auch – Windräder „verschandeln die Landschaft in einer Art, die uns nicht gefällt“.

Rote Gebiete und Naturschutz

Seitens der Freien Wähler verlangt Andreas Scholz „mehr Messstellen“ und „kleinere rote Gebiete“ und entspricht damit der an diesem Tag vorherrschenden Meinung. Tristan Billmann (ÖDP) plädiert dafür, den „positiven Einfluss“ der Landwirtschaft auf den Naturschutz nicht zu unterschätzen und mahnt, „dass die Bürokratie so vieles verkompliziert“. Beifall für Billmann – der Kollege weiß, wovon er spricht.

Und Hamran Salimi? Der Kandidat dürfte im Vorfeld durchaus Angst gehabt haben, bei dieser Veranstaltung als Vertreter der Grünen zum Bauernfeind Nr. 1 erklärt zu werden, doch selbst mit ihm gehen die Landwirte an diesem kalten Wintertag pfleglich um. „Ich verstehe die Wünsche der Landwirte“, sagt Salimi. „Aber es gibt leider keine einfachen Lösungen“. Da wollte ihm niemand widersprechen.


Patrick Lauer
Patrick Lauer
Redakteur
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