Ungewöhnliche Hitze und kaum Regen - der Sommer hat an Bayerns Bäumen Spuren hinterlassen. Teilweise verfärben sich schon Blätter, welkes Laub raschelt auf Spazierwegen. „Dadurch entsteht regional der Eindruck, der Herbst würde früher beginnen“, sagt Christian Kaul, Geschäftsführer beim Bayerischen Waldbesitzerverband. Dem pflichtet Nathalie Kolb, Försterin bei den Bayerischen Staatsforsten, bei: „Das geht in diesem Jahr schon auffallend früh los.“
Im dpa-Gespräch erläutern die Forstexperten, welche Folgen der Hitzestress für Bäume hat und was die Wälder im Freistaat jetzt brauchen.
Dafür gibt es zwei mögliche Ursachen. Als Schutzmechanismus gehen Bäume in einen Notmodus und werfen frühzeitig Laub ab - so wie sie es regulär im Herbst tun würden. Dafür zieht der Baum wichtige Stoffe aus den Blättern in die Triebe zurück. Das sei eine „Vernunftentscheidung“ des Baumes, sagt Kaul.
Die zweite Möglichkeit ist, dass die Blätter aufgrund der starken und lange andauernden Sonneneinstrahlung Verbrennungen erlitten haben, abgestorben sind und deshalb abfallen. Dabei entfällt der geordnete Prozess der Verlagerung wichtiger Stoffe in die Äste. „Der Baum ist dann nicht rechtzeitig in den Notmodus gegangen.“
Äußerlich könne man dem Laub nicht ansehen, aus welchem der beiden möglichen Gründe es gefallen sei, erklären die Experten.
Kann der Baum durch den Blattverlust keine Photosynthese mehr betreiben, findet kein Wachstum mehr statt. Bei jungen Bäumen stagniere vor allem das Höhenwachstum, sagt Försterin Kolb. Bei älteren wirke es sich auf die Jahresringe und somit den Durchmesser des Stammes aus. Bei den Bäumen, deren Blätter verbrannt seien, entstehe ein irreversibler Schaden, der den Baum langfristig schwäche und seine Erholung verlangsame, ergänzt Kaul. Weitere Zuwachsverluste in den Folgejahren seien die Folge.
Weil die Bäume den Stress des Jahres 2026 mit in die Vegetationsperiode 2027 nehmen, könne es - regional unterschiedlich - Folgeschäden geben wie zum Beispiel einen vermehrten Befall geschwächter Bäume durch Sekundärschädlinge, so Kaul. Das Spektrum reiche von einer leichten Schwächung mit einer erhöhten Anfälligkeit gegen Schadeinflüsse bis hin zu Kronenverlichtungen oder einem kompletten Absterben des Baumes über die Wintermonate.
Bei ganz jungen Bäumchen, die im Rahmen der Wiederaufforstungen und im Rahmen des Waldumbaus gepflanzt worden seien, seien erhebliche Verluste zu beobachten und weiterhin zu erwarten, sagt Kaul. Manche Frühjahrspflanzungen seien komplett vertrocknet und ausgefallen. Die Pfahlwurzel einer jungen Eiche reiche eben noch nicht tief genug in den Boden, ergänzt Kolb.
Alte und sehr alte Bäume verfügten irgendwann nicht mehr über ausreichend Kompensationsmöglichkeiten und bräuchten deutlich länger, um sich von den Belastungen zu erholen - teilweise mehrere Jahre, erläutert Kaul. Entscheidend sei auch, unter welchen klimatischen Bedingungen sich ein Einzelbaum an einem bestimmten Standort entwickelt habe. „Junge Bäume, die in ihrem Wachstum in der Jugend Hitze und Trockenheit erlebt haben, bilden ein daran besser angepasstes Wurzelsystem aus, als es die Bäume haben, die solche Phasen in ihrer Jugend nicht „erlebt” haben“, sagt Kaul.
Mit Blick auf den Grundwasserspiegel reiche der Regen nicht aus, sagt Kolb. Leichter oder mittlerer Niederschlag verdunstet am Boden oder geht zumindest nicht in die tieferen Bodenschichten, er wird von Sträuchern, Gräsern oder Blumen aufgebraucht. Erst das Wasser, das in die tieferen Bodenschichten gelangt, ist für Bäume verfügbar.
Hohe Niederschlagsmengen könnten von den ausgetrockneten Böden oft so schnell gar nicht aufgenommen werden und flössen oberflächlich in Gräben, Bäche und Flüsse ab, sagt Kaul. Dann sei der Nutzen für die Waldbäume auch vergleichsweise gering. „Unsere Waldbäume brauchen Wasser in den mittleren bis tieferen Bodenschichten.“ Je nach Bodenart müsse es dafür über einen längeren Zeitraum - eher Wochen als Tage - immer wieder regnen; gerade so viel, dass die Böden das Wasser aufnehmen könnten, ohne dass es oberflächlich abzulaufen beginne. „Wir brauchen also einen nassen, verregneten Herbst und Winter.“
„Ja! Der Abwehrmechanismus der Fichte gegen den Borkenkäfer basiert auf Harzproduktion. Im Trockenstress ist dieser Mechanismus stark eingeschränkt“, erläutert Kaul. Trockenheit und Hitze begünstigten also den Borkenkäfer. Auch der Eichenprozessionsspinner profitiere von der Hitze und der Trockenheit.
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