Bad Windsheim nimmt geflüchtete Minderjährige im Alter von 16 und 17 Jahren auf. Das angrenzende Seniorenheim ist an einer Integration sehr interessiert. Auch der Jugendtreff zieht mit.
„Es sind doch keine Monster, es sind Menschen.“ Ursula Kefer kann nicht verstehen, warum einige Bad Windsheimer den minderjährigen Flüchtlingen, die ab Freitag in die an die Hospitalstiftung angrenzenden Gebäude einziehen sollen, so viel Misstrauen entgegenbringen. Die Leiterin des Seniorenheims hofft auf Synergien.
Der große helle Aufenthaltsraum in dem Gebäudetrakt in der Alten Brunnengasse in der Bad Windsheimer Altstadt wurde hergerichtet und erstrahlt in frischen Farben. Dort sollen die 23 jungen Menschen, die ab 1. März einziehen werden, gemeinsam Zeit verbringen. Auch die über den langen Flur erreichbaren Zimmer wurden renoviert und mit Betten, Schränken und Tischen ausgestattet. Für zwei Zimmer steht im Durchgang immer ein Bad zur Verfügung, das sich, je nach Zimmerbelegung, zwei bis vier der 16- und 17-Jährigen teilen werden.
Nicht alle ziehen sofort ein. Die Unterkunft füllt sich bis Mitte, Ende März, heißt es seitens des Landratsamts, das für die Unterbringung verantwortlich und aktuell für „38 Personen aus dem Bereich unbegleitete minderjährige Ausländer zuständig“ ist, wie Christina Bogendörfer von der Pressestelle auf Anfrage unserer Redaktion schriftlich mitteilt.
In dem Gebäude in der Alten Brunnengasse war früher die Kurzzeitpflege des Seniorenheims untergebracht und während Corona ein Impfzentrum eingerichtet worden. Für die Pflege seien die Räume längst nicht mehr nutzbar. Zu viele Stolperfallen und auch die Bäder seien für alte Menschen absolut nicht geeignet, sagt Ursula Kefer.
In Bad Windsheim werden junge Männer, die derzeit in Unterkünften in Ullstadt und Gallmersgarten leben und aus den Verteilzentren in Bayern kommen, untergebracht. Sie kommen überwiegend aus Afghanistan, Syrien, der Türkei und Teilen Afrikas, informiert das Landratsamt.
Ursula Kefer freut sich auf die Jugendlichen. Sie werden seitens des Seniorenheims mit Essen versorgt. Drei Mahlzeiten am Tag sind geplant, schon allein das sorge für eine Tagesstruktur, sagt sie. Bettwäsche und dergleichen werden regelmäßig vom Seniorenheim mit gewaschen, die Räume von den Reinigungskräften geputzt. Ihre Kleidung waschen die jungen Männer selbst, in einem Hauswirtschaftsraum.
Die Räume der Jugendlichen sind vom Seniorenheim fest abgetrennt, darauf legt Kefer wert, da sie häufig mit dieser Frage konfrontiert wurde und Bad Windsheimer Bürger diesbezüglich Vorbehalte geäußert hatten. Seitens der Bewohner oder ihrer Angehörigen habe sie bislang aber keine Bedenken gehört. Kefer findet, dass man den jungen Menschen helfen muss – ihnen ein Stück Heimat zu geben.
Solange die Regierung flüchtende Menschen nach Deutschland lasse, müsse man versuchen, das Beste daraus zu machen. „Jeder, der die Chance hat, ein besseres Leben zu führen, der ergreift sie doch.“ Die jungen Männer könnten am wenigsten dafür. Kefer appelliert an die Kritiker, dass sie sich in die Situation der Geflüchteten versetzen und ihnen statt Misstrauen und Wut lieber Freundlichkeit entgegenbringen sollten.
„Wenn sie das Gefühl haben, sie sind herzlich willkommen, dann kommt sicher etwas zurück.“ Kefer kann sich vorstellen, dass die Jugendlichen im Seniorenheim mithelfen können, wenn sie Spaß daran haben. Vielleicht habe der eine oder andere sogar Interesse, eine Ausbildung zu beginnen. Möglichkeiten gebe es viele, nicht nur in der Altenpflege, auch im hauswirtschaftlichen oder haustechnischen Bereich. „Wir probieren das jetzt und geben diesen Menschen eine Chance.“
Seitens des Heimes wolle man die Flüchtlinge integrieren, sie auch zu Festen einladen. Kulturelle Abende in der Einrichtung kann Kefer sich gut vorstellen, bei denen die jungen Männer den Senioren aus ihren Ländern erzählen. Es werde nicht von Anfang an alles reibungslos laufen, immerhin seien es Jugendliche, die in jedem Land durch die Pubertät müssen. Man müsse ihnen Zeit lassen, sich einzuleben. Kefer findet es gut, dass das Team des Jugendtreffs „Schneiderscheune“ sofort Unterstützung angeboten hat.
Miriam Gabler, Vize-Leiterin in der Schneiderscheune, erklärt, dass bislang nichts Spezielles geplant sei, sie aber unterstützen werden, wenn dies gewünscht sei. Zum offenen Treff zum Beispiel sind die jungen Männer herzlich eingeladen, auch bei gemeinsamen Ausflügen fände Gabler es schön, wenn sie mitkämen. „Wir stehen gerne beratend zur Seite.“
Wie es in der Unterkunft dann ablaufen wird, das müsse man sehen, sagt Gabler. Bei einer Informationsveranstaltung für die Anwohner und in der Stadtratssitzung hatte es im Dezember noch geheißen, dass die jungen Männer von Fachkräften des Jugendamts betreut werden, ähnlich wie bei den Wohngruppen der heilpädagogischen Kinder- und Jugendhilfe. Ganz so ist es aber wohl nicht, wie das Landratsamt erläutert.
„Das Jugendamt wird hier nicht 24/7 in der Unterkunft sein. Das können die gar nicht stemmen“, sagt Pressesprecher Bastian Kallert. Schriftlich teilt die Behörde mit: „In der Unterkunft werden Unterstützungskräfte für den Alltag eingesetzt, die grundsätzlich die Nachtbereitschaft sicherstellen, aber auch bedarfsgerecht für den Tagdienst zum Einsatz kommen.“ Damit ist laut Kallert ein Sicherheitsdienst gemeint, der „viel Erfahrung im Umgang mit Flüchtlingen hat“.
Sozialpädagogische Fachkräfte seien „eingesetzt, welche den Tagdienst umsetzen“. Die jungen Männer erhalten einen „Amtsvormund, der die Personen- und Vermögenssorge als Ersatz der elterlichen Sorge übernimmt und sich um Dinge wie Gesundheitsfürsorge oder Schulanmeldung kümmert.“ Das Berufsschulzentrum Bad Windsheim biete für „berufsschulpflichtige Geflüchtete mit mangelnden Deutschkenntnissen“ Berufsintegrationsklassen an, die eine Eingliederung in die Berufswelt ermöglichen sollen, heißt es seitens des Landratsamts.
Bad Windsheims Bürgermeister Jürgen Heckel will in der „heißen Anfangsphase“ täglich vor Ort sein und in der Mittagszeit eine Art Sprechstunde anbieten. Sollte es Probleme geben, können diese dann angesprochen werden. Selbstverständlich sei er auch über sein Büro für die Bürger erreichbar und habe ein offenes Ohr. Wichtig ist ihm, dass, sollte es Probleme geben, ihm diese direkt mitgeteilt werden. „In die Glaskugel schauen kann ich leider nicht. Wir geben unser Bestes und den jungen Menschen eine Chance.“