Dass die Bachwoche etwas Besonderes sei – und in vielen Dingen auch besonders ist, hat man in diesen Tagen oft gehört. Am Freitagvormittag war das nicht anders. Ein Wunschkonzert wie das in St. Gumbertus hatte mit den Programmkonventionen dieses Formats nichts zu tun, nicht das Geringste. Bach sei Dank.
Also, keine Walzer, keine Arien aus der bunten Welt von Oper und Operette. Dr. Andreas Bomba hatte sich ein ausnehmend seriöses Orgelwunschprogramm zusammengestellt. Statt Walzern gab es Präludien und Fugen, statt Arien Choralbearbeitungen – alle von Bach, versteht sich. Bomba, der selbst Orgel spielt, wollte für jenes Instrument werben, zu dem, wie er weiß, viele Musikfreunde eine eher reservierte Beziehung haben. Bei einem Musikfest, das sich Johann Sebastian Bach verschrieben hat, führt aber kein Weg an der Orgel vorbei. Sie gehörte ein Leben lang so eng zu seinem Schaffen wie kein zweites Instrument.
Die Wahl fiel Bomba bei rund 250 Stücken nicht leicht, gestand er dem Publikum, „weil alles schön, alles gut ist”. Er traf eine kluge Auswahl aus verschiedenen Schaffensphasen, 15 große und kleine Werke – solche, die man kennen muss und solche, die es zu kennen lohnt. Der übermütige, phänomenal begabte junge Virtuose kam genauso zu seinem Recht wie der erfahrene, theologisch gebildete Choralexeget.
Als Organisten für sein ambitioniertes Programm hatte Bomba einen seiner Stammkünstler gewonnen: Jörg Halubek. Der ist mit der Wiegleb-Orgel seit Jahren vertraut, hat sie auch in seine Gesamteinspielung von Bachs Orgelwerken aufgenommen und führte nun ihren Reichtum vor. Präludium und Fuge D-Dur, BWV 532.2, wurde zum virtuosen Einspielstück. Munter rollte die Fuge dahin. Bomba charakterisierte deren Thema treffend als „völlig sinnfrei, aber witzig”.
Die orchestralen Farben und Klangtexturen der Wiegleb-Orgel – gedeckte, flötige, streichende, gläserne, hölzerne, spitze, harsche, weiche, dunkle, helle, strahlende und, und, und – nutzte Halubek, um Bachs Choralausdeutungen seinerseits sinnlich und sinnig zu deuten.
Ans Ende hatte Bomba die F-Dur-Fuge, BWV 540/2, gesetzt, die riesige Toccata hatte er der Programmdauer wegen gestrichen. Halubek spielte sie mit aller Pracht und Majestät. Das war ein würdiger Abschluss, dem langer, stehender Applaus folgte, erst für ihn, später für den scheidenden Intendanten.