Die Überalterung der Gesellschaft kann aus Sicht des Verbands der Sparda-Banken den Wohnungsmangel in Deutschland allein nicht lösen. Zwar gebe es rund 5,3 Millionen Eigentümerhaushalten ab 65 Jahren hierzulande, denen eine ebenso große Zahl von Mieterhaushalten zwischen 30 und 44 Jahren gegenüberstehe, heißt es in einer neuen Studie des Verbands mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Doch dahinterstehe ein „erhebliches regionales Ungleichgewicht“.
Die Rechnung, dass eine große Zahl von Immobilien eines Tages verkauft oder vererbt werde und damit die Wohnungsknappheit in Deutschland behebe, gehe nicht auf.
In der Immobilienbranche wird seit längerem über mögliche Folgen eines „Silver Tsunamis“ diskutiert. Damit ist das Phänomen gemeint, bei dem die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer in Ruhestand gehen und altersbedingt aus ihren Eigenheimen ausziehen, sie vererben oder verkaufen. So könnten die Wohnungspreise sinken und der Mangel von geschätzt über einer Million Wohnungen in Deutschland behoben werden.
Dem widerspricht die Studie: „Die Erwartung, dass der Generationenwechsel bei den Babyboomern eine massive Welle verfügbarer Immobilien auslöst und die Wohnungsprobleme Deutschlands von allein löst, greift zu kurz.“
Grundlage der Studie ist eine Auswertung des Zensus für alle 400 Landkreise und kreisfreien Städte Deutschlands. In 300 Kreisen übersteige die Zahl älterer Eigentümerhaushalte die Zahl jüngerer Mieterhaushalte. Jedoch konzentriere sich der Angebotsüberhang oft auf kleinere und ländliche Regionen, während die größte Nachfrage in Ballungsräumen bestehe.
„Der Anteil der Eigentümerhaushalte ab 65 Jahren, die sich potenziell von ihren Immobilien im Laufe der nächsten Jahrzehnte trennen könnten, liegt in den meisten Bundesländern bei etwa 28 bis 32 Prozent“, sagte IW-Immobilienexperte Pekka Sagner dem „Handelsblatt“. Aber ein potenziell frei werdendes Eigenheim auf dem Land löse nicht das Problem einer jungen Familie in der Großstadt. Selbst wenn das direkte Umland berücksichtigt werde, reiche das potenzielle Angebot in 34 von 70 analysierten Großstädten nicht, um die Nachfrage jüngerer Haushalte zu decken.
„Die Hoffnung auf einen Silver Tsunami ist keine wohnungspolitische Strategie“, sagt Florian Rentsch, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Sparda-Banken. Die Politik müsse über Einzelmaßnahmen hinausdenken und die strukturellen Hindernisse angehen. Er nannte niedrigere Erwerbsnebenkosten, bessere Finanzierungsbedingungen und eine bessere Nutzung von Wohnraum.
Neben regionalen Unterschieden zeigt die Studie die ungleiche Nutzung von Wohnraum. 37 Prozent der Eigentümerhaushalte ab 65 Jahren empfinden demnach ihre Wohnung als zu groß. Zugleich fänden 35 Prozent der jüngeren Mieterhaushalte ihre Wohnung als zu klein. Daraus ergäben sich Chancen, doch ältere Menschen zögen selten um. Hohe Erwerbsnebenkosten, fehlende kleinere und barrierearme Alternativen sowie die Bindung an das vertraute Umfeld erschwerten einen Wechsel.
„Niemand soll sein Zuhause aufgeben müssen“, sagte Rentsch. „Aber wer sich freiwillig verkleinern, sein Haus teilen oder zusätzlichen Wohnraum schaffen möchte, sollte dabei unterstützt werden - statt an Kosten und Bürokratie zu scheitern.“
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