„Ich finde die Ausstellung großartig”, sagt Münster-Pfarrer Dr. Ulrich Schindler. „Frauen werden hervorgehoben, es wird gezeigt, wie sie an der Macht beteiligt waren und Familienpolitik betrieben.” Das Münster Heilsbronn ist eingebunden in ein bundesweites Ausstellungs- und Forschungsprojekt zu Frauen-Netzwerken im 15. Jahrhundert.
„Wirksam. Frauennetzwerke der Hohenzollern im Spätmittelalter” – so ist das Projekt überschrieben, das die Bayerische Schlösserverwaltung initiiert hat. Geboten werden museale Präsentationen und Veranstaltungen an zehn Wirkungsstätten hochadeliger Frauen: von der Cadolzburg bis zum Humboldt-Forum in Berlin, von der Burg Trausnitz in Landshut bis zum Palazzo Ducale in Mantua und eben zum Heilsbronner Münster.
In Heilsbronn steht die Kurfürstin Anna von Sachsen im Mittelpunkt, einst eine herausragende „Netzwerkerin” und selbstbewusst genug, sich in dem mächtigen Gotteshaus ein repräsentatives Hochgrab bauen zu lassen. Es erhebt sich mitten im Münster über der Schwabach-Quelle. Dort wollte Anna bestattet sein, nicht in der Familiengruft der Hohenzollern. „Memento Anna” lautet der Titel des Heilsbronner Parts des Ausstellungsprojektes.
„Das Projekt lädt ein, in die Welt von Fürstinnen und Prinzessinnen einzutauchen”, heißt es dazu in einer Mitteilung der Bayerischen Schlösserverwaltung. „Vom Sommer 2025 bis zum Sommer 2026 zeigen Ausstellungen und Veranstaltungen an zehn authentischen Wirkungsorten von Berlin bis Mantua das Netzwerk, das ausgehend von der Cadolzburg als Stammsitz der fränkischen Zollern und der brandenburgischen Kurwürde quer durch die Lande gespannt wurde – unter besonderer Beteiligung der Frauen.”
Die temperamentvollen, klugen und selbstbewussten Frauen der bedeutenden Herrschaftsdynastie hätten teils tatsächlich gegen Rollenzuweisungen und Einschränkungen rebelliert, so der Pressetext weiter. „Vor allem agierten sie aber wirksam auf der politischen, kulturellen und sozialen Landkarte des 15. Jahrhunderts. Sie prägten nicht nur ihre Zeit, sondern inspirieren immer noch.”
In der Heilsbronner Ausstellung erfahren die Besucherinnen und Besucher, wie Kurfürstin Anna lebte und starb. Vier Einheiten beleuchten verschiedene Facetten: Annas Biografie, das opulente Hochgrab mit seinen vielen Details, das Totengedenken im Mittelalter sowie die Bedeutung der Kurfürstin in jenem Netzwerk der Dynastien.
Die Texte und Bilder sind auf Roll-Ups rund ums Anna-Grab zu finden, wie Pfarrer Dr. Ulrich Schindler erklärt. Zudem ist eine Medienstation aufgebaut, an der sich Informationen zu allen im Projekt vorgestellten Frauen abrufen lassen. „Dort kann man scrollen, um die Biografien und Profile und die unterschiedlichen Vernetzungen aufzusuchen”, schildert Schindler. „Und schließlich gibt es vertiefende Informationen, durch die das Grab mit seinen Inschriften, den 14 Nothelfer-Heiligen und den Wappen der verschiedenen Fürstenfamilien genau entschlüsselt wird.”
Auch auf Themen wie mittelalterliche Heilmittel und den Schwanenritterorden werde eingegangen, so Schindler. Auf dem spätgotischen Hochgrab ist eine lebensgroße Darstellung Annas in Witwentracht zu sehen, mit halb verschleiertem Gesicht und der goldenen Kette dieses Ordens. Zu ihren Füßen sitzen zwei kleine Löwen und ganz unten ein kleiner Hund. Die Kurfürstin ließ das Grab lange Zeit vor ihrem Tod exakt nach ihren Wünschen gestalten.
Die bedeutende „Löwenuhr” des Münsters gehört ebenfalls zu den Exponaten. Betrachtet werden kann allerdings nicht die Original-Uhr, denn die wird im Bayerischen Nationalmuseum verwahrt; stattdessen sind auf einem Bildschirm 360-Grad-Bilder der Uhr zu sehen: Hier schlägt der Tod mit einem Knochen auf den Kopf eines Löwen.
Die Präsentation im Münster Heilsbronn wird am Samstag, 27. September, um 11 Uhr mit mittelalterlicher Vokalmusik des Ensembles Stella aus Berlin eröffnet. Den Festvortrag hält die Historikerin Leonora Braun von der Sächsischen Schlösserverwaltung in Meißen. Kurfürstin Anna war 1437 in Meißen geboren worden, 1512 starb sie auf ihrem Witwensitz in Neustadt/Aisch. In Ansbach ist ihr Bildnis auf der Predella, dem Unterbau, des berühmten Schwanenritterordensaltars in der Schwanenritterkapelle zu entdecken.
Zu sehen ist die Ausstellung bis 23. November und dann wieder im Frühjahr nach einer Winterpause. Geöffnet ist das Münster im September und Oktober täglich von 10 bis 17.30 Uhr, im November von 10 bis 16 Uhr außer dienstags. Am 12. Oktober findet um 14 Uhr im Rahmen des Hohenzollerntags die Sonderführung „Anna von Sachsen – detektivische Blicke auf ihr Hochgrab und ihr familiäres Netzwerk” statt (Anmeldung unter der Telefonnummer 09872/806252).