Ausstellung in Uffenheim: Iraker verarbeitet seine Traumata in Kunst | FLZ.de

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Veröffentlicht am 29.08.2025 07:00

Ausstellung in Uffenheim: Iraker verarbeitet seine Traumata in Kunst

Fahad Bani Rikab im Atelier von Isgard Peter inmitten der großen Gemälde seiner Serie, die er am 3. Oktober in Uffenheim ausstellen wird. (Foto: Johannes Zimmermann)
Fahad Bani Rikab im Atelier von Isgard Peter inmitten der großen Gemälde seiner Serie, die er am 3. Oktober in Uffenheim ausstellen wird. (Foto: Johannes Zimmermann)
Fahad Bani Rikab im Atelier von Isgard Peter inmitten der großen Gemälde seiner Serie, die er am 3. Oktober in Uffenheim ausstellen wird. (Foto: Johannes Zimmermann)

Fahad Bani Rikab ist zwar erst 26 Jahre alt, musste in seinem Leben aber schon viel erleiden. Den frühen Tod seiner geliebten Mutter. Den Krieg im Irak. Die Flucht. Erst in Uffenheim hat er wieder ein festes Umfeld gefunden. Seine Vergangenheit verarbeitet der Iraker jetzt in der Kunst. Im Oktober hat er seine erste Ausstellung.

Fahad Bani Rikab ist jetzt anerkannt – als Ausländer, der in Deutschland arbeitet. Das war ein langer Behörden-Kampf, sogar den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann hatte sein Unterstützerkreis eingeschaltet. Nun darf der Iraker ganz legal in Uffenheim leben, macht in Würzburg eine Ausbildung zum Stylisten. Die hat er erst begonnen.

Iraner in Markt Bibart christlich getauft

Davor war der ehemalige Geflüchtete vier Monate lang arbeitslos. Im schwarzen Loch der Psyche gefangen. Da hat Taufpatin Isgard Peter ihm empfohlen, seine Gefühle doch einfach auf der Leinwand auszuleben. „Das hat mir sehr geholfen”, sagt Rikab. Von morgens bis abends hat er Peters Atelier geentert und gemalt. Gemalt. Und gemalt. Mit Acryl. Manchmal mit Öl. „Ich war abhängig davon.”

Viel schwarze Farbe findet sich in seinen Werken. Die Bilder: düster, nachdenklich. Eine ganze Serie hat Fahad Bani Rikab geschaffen. Surreale Gemälde, mit ganz realem Hintergrund, in einem sehr eigenen Stil. „Ich hab das nie gelernt”, sagt Rikab. Und doch hat Isgard Peter, die selbst auch mit einer großen kreativen Ader ausgestattet ist, da ein schlummerndes Talent geweckt – und der 26-Jährige hat einen Weg entdeckt, das Erlebte irgendwie zu verarbeiten. „Er hat nicht gewusst, dass er Künstler ist”, sagt Peter. „Jetzt wissen wir es.”

Einen Salafisten hat er gemalt, abstrakt, bärtig, mit eiskalten Augen. Ein Mann aus seinem irakischen Dorf, der seine Tochter ermordet hat, weil sie einen unerwünschten Mann liebte. „Ich habe diesen Vater gesehen, der das gemacht hat.” Er sei sogar noch stolz auf seine Tat gewesen. Versteckte und doch so unmittelbare Kritik, auch am Islam. Fahad Bani Rikab hat sich in Markt Bibart nicht umsonst christlich taufen lassen.

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Teils philosophische Fragen

Aber der Wahl-Uffenheimer ist dabei auch stets auf der Suche nach sich selbst. Ein Gesicht hat er gemalt, mit sieben Augen. Alle schauen sie in eine andere Richtung. Kann man sich selbst und sein Gegenüber überhaupt so richtig kennen? Rikab wirft existenzielle Fragen auf, geht bisweilen ins Philosophische.

Der Tod seiner Mutter vor 15 Jahren hat ihn aus der Bahn geworfen. Das sieht man dem Gemälde an, das er diesem traurigen Anlass gewidmet hat. Viele Gesichter. Die Gier der Verwandtschaft. „Fahad wurde wie ein Spielball hin- und hergeworfen”, sagt Peter. Bruder für Bruder hat ihn weitergeschoben, ein Heimatloser, ein Getriebener. „Die Angst des verlassenen Kindes, allein in Bagdad, zwölf Jahre alt”, sagt seine „Mama”, wie Rikab Isgard Peter nennt.

Flucht bis nach Europa

Die Angst – ein Zustand, der sich bei der Flucht nach Europa weiter zuspitzen sollte. Den Kriegsausbruch und die ersten Kriegsjahre hat Fahad Bani Rikab als Kind miterleben müssen. „Das schwarze Loch des Alls”, hat er eines seiner Bilder genannt. Eine schwarze Leinwand, nur mit einem weißen Klecks, der frappierend einem militärischen Bomber ähnelt. Todbringend.

Der Sehnsucht nach Liebe hat er einen Teil seiner Serie gewidmet, der inneren Schwäche der Raucher, die die Zigarette als Allheilmittel sehen, obwohl sie nur ein Betäubungsmittel für die Seele sei, einen anderen. Die Figur ähnelt einem Robotermenschen. Und auch mit der Sünde und ihrer Anziehungskraft auf die Jugend hat er sich künstlerisch auseinandergesetzt.

Kunst am Uffenheimer Handwerkermarkt

Schließlich steht da noch eine Leinwand auf dem Boden, ein bisschen versteckt, mit einem Flaschengeist, der Rikab ziemlich ähnelt. Die Locken auf dem Kopf. Der Gesichtsausdruck. Dahinter ist eine weiße Schlangenlinie zu sehen – der Lebensweg des Irakers. Niemals geradeaus, niemals einfach, ein Zick-Zack-Kurs. Doch jetzt fühlt er sich angenommen und ist angekommen, sagt er.

Ab und an spielt er dann auch mit Weltstars aus der Kunst-Szene. Edvard Munchs Schrei hat da plötzlich etwas sehr Van Gogh'sches und ist trotzdem ein typischer Rikab. Nach Schreien war ihm häufiger zumute.

Der Iraker ist ein Nacht-Künstler. Wenn es draußen dunkel wird, erwacht seine Kreativität. Isgard Peter sieht darin die „orientalische Lebensweise”, die auch auf die Werke abfärbt. Das Schwarze des Krieges, das Rote des Blutes. Sie werden gegen Ende der Serie weniger. „Ich zeige meine Gefühle und Emotionen, aus der Situation heraus. Lauter Sachen, die ich selbst erlebt habe. Für mich ist das Therapie.” Eine wirksame Therapie, sagt der 26-Jährige.

Bislang hat Fahad Bani Rikab das für sich gemacht und seine surreale Gemälde-Serie nur ausgewählten Personen gezeigt. Mittlerweile ist daraus ein Buch entstanden, mit Fotos seiner Werke und Erklärungen dazu. Jeder, der tiefer einsteigen will, kann das jetzt also tun. Erstmals öffentlich zu sehen sein wird seine Kunst dann beim Uffenheimer Handwerkermarkt am 3. Oktober, in der Ansbacher Straße 8.

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