„Sieben Tage – Bilder zur Schöpfung“ titelt die Ausstellung im Museum Kirche in Franken. Dabei treffen historische Bilderbibeln mit texttreuen Darstellungen auf Exponate heutiger Künstlerinnen und Künstler, die einen Bogen spannen zwischen Schöpfungsgeschichte und unserem heutigen Umgang mit der Umwelt. Bis zum 21. September ist die Schau zu sehen.
Vor rund 4,5 Milliarden Jahren ist die Erde nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen entstanden. Und Gott schuf sie der Bibel nach in sieben Tagen? Eine Diskrepanz, etwas Trennendes, das stellvertretender Landrat Reinhard Streng nach seinen Worten noch nie verstanden habe. In seinem Grußwort betonte er allerdings auch die „viel interessanteren Übereinstimmungen“ zwischen Wissenschaft und christlicher Schöpfungsgeschichte: Der Mensch werde als Teil der Schöpfung gesehen, Natur und Artenschutz seien weitere Parallelen.
Wie auch Bezirkstagspräsident Peter Daniel Forster und Bad Windsheims Bürgermeister Jürgen Heckel sah Streng die „Schöpfungsgrundlage als Teil der Verantwortung des Menschen für die Erde und ihre Artenvielfalt“. Mit Hinweisen auf die Aktivitäten und auf nachhaltige Praktiken des Landkreises zum Schutz der Flora und Fauna schloss Streng sein Grußwort ab. Er hatte damit die Intention der Ausstellung „Sieben Tage – Bilder zur Schöpfung“, in wenigen Worten zusammengefasst. Oder, um die Leiterin des Museums Kirche in Franken, Dr. Janette Witt zu zitieren: „Schöpfung setzt Impulse. Die Zugänge sind verschieden, der Inhalt immer gleich“.
Zwölf Künstler, darunter mit dem VEB Lichtbildclub eine Gruppe aus drei Personen, tragen mit Malerei, Skulptur, Fotografie, Licht- und Klanginstallationen und Ansichten zur Ausstellung bei. Sie setzen dabei nicht unbedingt nur Kontrapunkte zu den Bibel-Illustrationen vorwiegend des 16. Jahrhunderts, sondern sie tragen vielmehr dazu bei, neue Zugänge zum Thema Schöpfung zu finden. An deren Anfang (Erdgeschoss der Spitalkirche) heißt es bekanntlich „. . . und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser“.
Zu „es werde Licht“ am ersten Tag der Schöpfungsgeschichte sehen Betrachter die Erschaffung der Welt nach einem Bild aus der Diherr Bibel. Die Erschaffung des Himmels (Zweiter Tag) verbindet Matthias Stöckel mit seinem Werk „On the modification of clouds“ aus dem Jahr 2020. Der herkömmlichen Betrachtung der Erschaffung der Erde und der Pflanzen stellt Leonora Prugger erst 1928 entdeckte Binsen mit Härchen auf dem Kopf gegenüber. Keine heile Welt zeigt sie mit ihrem Gemälde, sondern ein karges Etwas, eine kühle Landschaft. Und mit „Schwarze Erde“ von Michaele Biet fühlt sich der Betrachter unweigerlich an die katastrophalen Waldbrände unserer Zeit erinnert.
An die Erschaffung der Gestirne am vierten Tag erinnert der VEB Lichtbildclub (Max Baumer, Max Mahler, Jürgen Schubert) mit einer „7 Kanal Videoinstallation mit Ton“, zu sehen im passenden Ambiente des Dachstuhls der Spitalkirche. „Heilige Kuh, Heiliger Pavian, Heilige Ratte“ sind einige der Arbeiten von Susanne Stiegeler, die ihre Gedanken zum fünften Tag – mit der Erschaffung der Tiere des Wassers und der Luft – in Acrylfarbe auf Holz Ausdruck verleiht. Monika Ritter dagegen verwendet Sandstein, um Skulpturen wie „Hase“ und „Heuschrecke“ symbolisch dem sechsten Tag mit der Erschaffung der Tiere des Landes sowie des Menschen Ausdruck zu verleihen.
Aus gebrannter schwarzer Erde zeigt die Nürnbergerin Michaele Biet passend zum Thema ein 2022 entstandenes Selbstbildnis. Bernd Teile dagegen zeigt mit „Fremde Freunde“ Fotos, in denen er sich – durch Maskenbildner verfremdet – als Teil unterschiedlicher Kulturkreise präsentiert. Die „Ruhe“ des siebenten Tages dokumentiert Florian Tuercke in der Sakristei: „0,5 degrees – a requiem for a planet“ nennt er seine Installation. Mit Holz, Papier, Stahlsaiten, Elektromagneten, Audio-Verstärker und Klimadaten in einem Holzrahmen samt Resonanzkörper steigern sich dort Töne vom nicht Wahrnehmbaren bis zu schmerzhaft schrillen Klängen. Grundlage sind die Klimadaten von 1850 bis heute, bei denen Tuerke jedem Temperaturwert eine Tonhöhe zuordnet. „Fast scheint es, als kämen diese Klänge aus der geplagten Erde und ihren Bewohnern selbst“, heißt es in der Ausstellungsbroschüre.
Mit „Das Paradies“, das auch am Nordpol liegen könnte, endet zumindest in der Spitalkirche der Gang durch die Schöpfungsgeschichte. Nichts lag näher, als das Altarbild „Paradies“ (2015) des Bad Windsheimer Künstlers Gerhard Rießbeck erneut zu zeigen.
Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm für Kinder und Erwachsene. Unter dem Motto „Grüne Munition“ werden beim Offenen Mitmachprogramm am Sonntag, 25. Mai, beispielsweise „Samenbomben“ gefertigt. Weiter führende Informationen zum Programm finden sich im Netz unter www. mkf.freilandmuseum.de.