Ausbau nötig: Stromnetz in Westmittelfranken ist am Limit | FLZ.de

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Veröffentlicht am 19.07.2023 07:00

Ausbau nötig: Stromnetz in Westmittelfranken ist am Limit

Regionalstrom Franken EG, Foto vom Aufsichtsrat: (von links) Günther Heidingsfelder, Christine Krämer, Martin Stümpfig, Sophia Kraft, Tim Bornebusch, Erwin Einzinger und Robert Westphal. (Foto: Paul Wiese)
Regionalstrom Franken EG, Foto vom Aufsichtsrat: (von links) Günther Heidingsfelder, Christine Krämer, Martin Stümpfig, Sophia Kraft, Tim Bornebusch, Erwin Einzinger und Robert Westphal. (Foto: Paul Wiese)
Regionalstrom Franken EG, Foto vom Aufsichtsrat: (von links) Günther Heidingsfelder, Christine Krämer, Martin Stümpfig, Sophia Kraft, Tim Bornebusch, Erwin Einzinger und Robert Westphal. (Foto: Paul Wiese)

Die Genossenschaft „Regionalstrom Franken” fordert eine schnelle Erhöhung der Kapazitäten für die kleinen Produzenten. Einleitungen werden oft wegen der Überlastung der Leitungen blockiert.

Gut 40 Leute waren zur Generalversammlung gekommen – ein Bestwert, wie es hieß. Kein Wunder, die Mitgliederzahlen der Genossenschaft, in der private Anlagenbetreiber vor allem aus der Landwirtschaft, Projektierer von Bürgerenergieanlagen, regionale Anlagenhersteller und Politiker zusammenkommen, stiegen zuletzt um 30 Prozent.

Aufsichtsratsvorsitzender Martin Stümpfig, der als energiepolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion viel in Bayern unterwegs sei, lobte die Genossenschaft als „schnellsten Planungsverband Bayerns“. „Wir sind Anlaufstelle und Netzwerk und können Beratung aus der Praxis liefern“, so Stümpfig.

Bayern insgesamt lobte er mit Blick auf den Ausbau von Photovoltaik. Tatsächlich wurden zur Halbzeit im Jahr 2023 rund 1600 Megawatt Solarleistung neu installiert. Das Ranking der Bundesländer führt Bayern damit an. Das Stromnetz in Westmittelfranken allerdings, so kritisierte Stümpfig, sei ausgelastet. Die Betreiber hätten in Sachen Netzausbau bislang zu wenig getan.

Sophia Kraft von der Energiebörse European Energy Exchange mit Sitz in Leipzig und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Regionalstrom Franken eG berichtete über die Entwicklungen am Energiemarkt. Der Anteil an Erneuerbaren Energien steige stetig. „Sie sind das neue Normal“, bekräftigte sie.

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Eine Herausforderung sei die wachsende Anzahl flexibler Verbraucher. „Der Markt geht von großen Erzeugern aus, die stetig produzieren“, sagte Kraft. Heute hätten schon viele Menschen Solaranlagen am Dach, die unregelmäßig Strom liefern.

Als neuen Player auf dem Energiemarkt stellte sie Wasserstoff vor. Im Mai wurde der erste Preisindex für Wasserstoff erstellt. Europa habe Angst, von den USA oder Asien überholt zu werden, deshalb gehe es um den zügigen Ausbau des Wasserstoffnetzes, so Kraft. So sollen Wasserstoffnetze und -kapazitäten bis 2033 ausgebaut werden, bereits sieben Jahre später soll ein europaweites Wasserstoffnetz stehen. Hier in der Region gebe es solche Anstrengungen bislang nicht, bemerkte Kraft.

In der Diskussion mit den anwesenden Genossen kristallisierten sich vor allem zwei Probleme heraus: Die Abregelung und fehlende Speichertechnologien. Erstere sorge dafür, dass beispielsweise Photovoltaik-Anlagen teilweise oder vollständig abgeregelt werden, wenn das Stromnetz ausgelastet ist. So wird eine Überlastung des Netzes verhindert.

Für Strom, den die Erzeuger produzieren, aber aufgrund der Abregelung nicht einspeisen können, erhalten sie dann eine Entschädigung. Die Kritik: Das dauert alles zu lange. Für manche Betreiber könne es zu Liquiditätsproblemen führen, wenn die Entschädigung nicht schnell genug ausgezahlt würde, so der Tenor.

„Diese Zahlungen sind ein Übergang bis der Netzausbau geschafft ist“, betonte Aufsichtsratsmitglied Tim Bornebusch. Sie müssten aber verlässlich geleistet werden, so seine Forderung. Dabei gehe es auch um Planungssicherheit für Unternehmen. Vorstand Günther Heidingsfelder gab sich optimistisch: „Digitalisierung und Automatisierung schreiten in dieser Hinsicht voran. Die Prozesse werden besser“, sagte er.

Speicher für die Solarenergie nötig

Diskutiert wurde auch über die Speicherung von Strom. Momentan muss produzierter Strom direkt genutzt werden, weil Speichertechnologie fehlt oder sehr teuer ist. „Wir müssen dafür sorgen, die Solarenergie auch in den Abendstunden nutzen zu können“, betonte Stümpfig und machte Hoffnung: „Die Speicher werden langsam wirtschaftlich“.

Bei den anstehenden Wahlen zum Aufsichtsrat gab es keine Überraschungen. Die drei turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder Erwin Einzinger, Robert Westphal und Tim Bornebusch wurden einstimmig wiedergewählt.

Die Genossenschaft ist gewachsen, das Thema Energie bleibt relevant. Im Moment setze die Genossenschaft vor allem Impulse, betonte Sophia Kraft. Auch, weil alle ehrenamtlich mitarbeiten. In den kommenden Monaten und Jahren stünden für die Regionalstrom Franken eG aber richtungsweisende Entscheidungen an. Egal, wie diese dann ausfallen, es wird sich etwas tun.


Von Paul Wiese
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