Aus Fünf mach Vier: Spannender Radio 8-Wahlabend in der NeuStadtHalle | FLZ.de

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Veröffentlicht am 27.02.2026 16:40

Aus Fünf mach Vier: Spannender Radio 8-Wahlabend in der NeuStadtHalle

Voll besetzt war die NeuStadtHalle, als sich am Donnerstagabend vier der fünf Bewerber und Bewerberinnen um das Amt des Neuistädter Bürgermeisters bei der von Radio 8 organisierten und von Klaus Seeger (rechts) moderierten Podiumsdiskussion trafen.  (Foto: Mirko Fryska)
Voll besetzt war die NeuStadtHalle, als sich am Donnerstagabend vier der fünf Bewerber und Bewerberinnen um das Amt des Neuistädter Bürgermeisters bei der von Radio 8 organisierten und von Klaus Seeger (rechts) moderierten Podiumsdiskussion trafen. (Foto: Mirko Fryska)
Voll besetzt war die NeuStadtHalle, als sich am Donnerstagabend vier der fünf Bewerber und Bewerberinnen um das Amt des Neuistädter Bürgermeisters bei der von Radio 8 organisierten und von Klaus Seeger (rechts) moderierten Podiumsdiskussion trafen. (Foto: Mirko Fryska)

Die am häufigsten gestellte Frage am Tag danach: „Wer hat gewonnen?” Doch genau das lässt sich nach dem Auftritt von vier der fünf Bewerber bzw. einer Bewerberin um das Bürgermeisteramt in Neustadt nicht so leicht beantworten. Sicher sagen kann man hingegen: Niemand hat verloren.

Rund 400 bis 450 Interessierte waren in die NeuStadtHalle geströmt – schon rund eine Stunde vor Beginn der Radio-8-Veranstaltung hatten sich vor dem Eingang erste Menschentrauben gebildet, im Versuch die besten Plätze zu ergattern. Gelungen war dies offensichtlich sehr vielen Listenkandidaten, denn als Moderator Klaus Seeger nachfragte, wo im Saal sich denn die Kandidierenden versammelt hätten, hoben sich in den ersten beiden Reihen erstaunlich viele Hände. Vertraute nahe Gesichter als Unterstützung für die da oben.

Klaus Seeger als blendend aufgelegter Moderator

Apropos Moderator: Radiomann Klaus Seeger zeigte sich blendend aufgelegt – egal, ob er über den Wert der Demokratie parlierte, seinen vier Gesprächspartnern auf der Bühne mit kleinen Witzen und großen Gesten die Blockadeängste nahm, oder die NeuStadtHalle lobte („Ein echter Schatz”). Die immer wieder genau passend dosierte Dosis Humor sorgte für die auflockernde Prise Heiterkeit im Saal, und auch die Mischung aus pointierten Fragen, gezieltem Nachhaken und dem steten Bemühen, alle vier Gesprächspartner gut aussehen zu lassen, trug viel zur lokalen Sternstunde eines ohnehin angenehm sachlichen Wahlkampfs bei.

Alle „vier Gesprächspartner”? Moment – hat Neustadt nicht sogar fünf Aspiranten auf das Bürgermeisteramt? Schon, doch der erst 21-jährige Bewerber der Linken, André Hufnagel, hatte seine Teilnahme zunächst zu- und wenig später wieder abgesagt, die Gründe wurden nicht thematisiert. Hufnagel hatte statt dessen in einer der hinteren Zuschauerreihen Platz genommen und erlebte damit im Publikum, wie sich seine Konkurrentin und seine Konkurrenten schlugen: Um es vorwegzunehmen – alle waren zunächst nervös, bei allen legte sich das im Laufe der ersten Viertelstunde und keiner der vier blamierte sich.

Gerd Scheuenstuhl (FDP), Harald Haag (FWG), Heike Gareis (SPD) und Alexander Müller (CSU) – von links nach rechts vom Publikum aus gesehen – stellten sich Seegers Fragen, gingen dabei zuweilen auch aufeinander ein und demonstrierten die Tugenden, die (meistens) auch im Neustädter Stadtrat zu finden sind: Man kennt sich, man schätzt sich trotz unterschiedlicher politischer Ansichten und man geht anständig miteinander um. „Da bin ich bei dir” oder „Das sehe ich ähnlich”, waren deshalb auch zwei der am häufigsten benutzten Satzanfänge an diesem Abend, der dadurch allerdings keineswegs an Schwung verlor – im Gegenteil. Denn alle vier setzten durchaus unterschiedliche Schwerpunkte, allen vier gelang es, ihre jeweiligen Prioritäten herauszuarbeiten.

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Detaillierte Vorschläge vom FDP-Bewerber

So outete sich Harald Haag zwar als politischer Newcomer („Ich habe es bisher noch nicht in den Stadtrat geschafft, deshalb schaffe ich es jetzt gleich als Bürgermeister”), verwies aber auf seine beiden abgeschlossenen Berufsausbildungen im kaufmännischen und im handwerklichen Bereich und punktete mit seiner unaufgeregten „Ich-bin-einer-von-euch-Attitüde”.

Für die Zulassung der FDP und seiner Kandidatur hatte Ex-Stadtrat Gerd Scheuenstuhl im Dezember und Januar noch Klinken putzen und Unterstützungsunterschriften sammeln müssen – umso gelöster präsentierte er sich gestern. Im Vergleich aller Vier ging er mit seinen Vorschlägen am meisten ins Detail, wobei manche seiner Ideen vom Publikum prompt mit wechselweise ungläubigem oder anerkennendem Raunen quittiert wurden.

Mit Erfahrung, ihrer „Leidenschaft” für die Stadt und ihre Menschen sowie mit ihrer Hartnäckigkeit will Heike Gareis (SPD) begeistern, die im Falle ihrer Wahl unter anderem die Einführung eines Gremiums zur Belebung der Innenstadt in den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit ankündigte. Mit Architekten und Fachleuten aus der Verwaltung solle dies besetzt werden, aber eben auch mit Anwohnern und Neustädterinnen und Neustädtern – gelebte Bürgernähe als Programm.

Ähnlich volksnah gab sich Alexander Müller (CSU), der den „Job als Neustädter Bürgermeister” als den mutmaßlich schönsten der Welt bezeichnete, und seine ersten Handlungsfelder bei der Schaffung von Wohnraum mittels neuer Baugebiete sah. Mehrmals deutete er an, dass angesichts seines Alters kein Grund zur Hektik bestehe, sondern man mit Konstanz rechnen dürfe: Als 34-Jähriger hoffe er darauf, länger als nur sechs Jahre im Amt zu sein.

Schwerpunkte ähnelten sich

Bei der Frage nach dem Frauenanteil auf der christsozialen Liste bekannte Müller einen gewissen Nachholbedarf bei der CSU, doch habe man zumindest bei der Altersstruktur nachweisen können, dass die Partei eben nicht nur „aus alten grauen Männern” bestehe. Die städtische Finanzlage wollte Heike Gareis nicht ganz so düster bewerten wie andere – natürlich gehe man aktuell durch ein Tal, doch angesichts der Selbstheilungskräfte der hiesigen Wirtschaft und der Tatkraft der Neustädterund Neustädterinnen werde man sich zeitnah wieder erholen.

Gerd Scheuenstuhl rechtfertigte seinen Wechsel von der CSU zur FDP mit seinem „eigenen Weg”, für den er sich sehr bewusst entschieden habe und Harald Haag blockte die Frage nach seinen Wahlversprechen elegant ab: Angesichts der Finanzlage stehe die FWG dazu, dass man nur versprechen könne, nichts versprechen zu können.

Im übrigen ähnelten sich die Schwerpunkte, unterschieden sich allerdings in ihrer jeweiligen Gewichtung: Bauen, Wohnen und Gewerbeansiedelungen standen für Haag und Müller ganz oben auf der To-do-Liste, für Scheuenstuhl waren es die Wirtschaftsförderung und die Forderung, die Innenstadt doch bitteschön „nicht nur auf die Wilhelmstraße zu reduzieren”. Heike Gareis rückte die Entwicklung des alten Feuerwehrhauses und des dazugehörigen Areals in den Fokus und damit auch die von ihr eingebrachte Idee von einem Mehrgenerationen-Projekt in diesem Bereich.

Scheuenstuhl spricht von „Bilderbuchmentalität”

Dies war dann auch eine der wenigen Gelegenheiten, wo es ein klitzekleines bisschen schärfer zur Sache ging, denn Gerd Scheuenstuhl bezeichnete den Einfall, im alten FW-Haus mittels Umbau oben Seniorenwohnungen und unten eine Kita einzurichten als idealisierende „Bilderbuchmentalität” und rächte sich damit offensichtlich für Gareis' Nachfrage an anderer Stelle: Als er die schnelle Ausweisung neuer Gewerbeflächen gefordert hatte, hatte die SPD-Kandidatin ihn nämlich gefragt, ob er denn auch nur eine einzige zur Verfügung stehende Fläche nennen könne. Konnte er nicht.

Punkten konnte Scheuenstuhl allerdings mit dem umfangreichsten Programm auf der eigenen Website aller vier. „Eher nichtssagend” sei das, was auf den anderen Homepages zu finden sei, hatte Seeger zuvor dem Quartett attestiert, lediglich bei der FDP brauche man schon eine Lesebrille, um sich durch die vielen Inhalte kämpfen zu können. „Wozu die Mühe?”, so die provokative Frage. „Die Leute haben ein Recht darauf, zu erfahren, wo wir stehen”, so die Antwort.

Pop-up-Läden hinter leer stehenden Einzelhandels-Schaufenstern, geringe Mieten für Jungunternehmer – viele kleine innovative Schritte statt großer Baumaßnahmen: das ist aus Scheuenstuhls Sicht der Neustädter Weg zur Belebung der Innenstadt sein. Dem gegenüber war es dem Unternesselbacher Harald Haag schon ein bisserl zu viel der Innenstadt-Debatten. Da vermisse er zwar seit dem Aus für die legendenumrankte Kneipe „Gaslicht” die passende Gastronomie für junge Leute, aber man möge doch bitteschön auch mal in die Ortsteile gucken – da sei Entwicklung durchaus noch möglich.

Steuererhöhungen kommen nicht in Frage

Einig waren sich alle vier, dass trotz akuter Finanzschwäche eine Anhebung von Grund- und Gewerbesteuern auf absehbare Zeit nicht in Frage komme, weder die Betriebe noch die Bürgerschaft dürfe in diesen schweren Zeiten zusätzlich belastet werden. Auf die Frage, wie sich denn statt dessen zusätzliches Geld erlösen lasse, brachte Gareis im Zusammenhang mit dem alten Feuerwehrhaus auch private Investoren ins Spiel, während Haag und Scheuenstuhl vor allem auf ein Mehr an Gewerbsteuer mittels neuer Betriebe setzen und Müller davor warnte, zu schwarz zu sehen: „Freilich sind wir handlungsfähig.”

Wollte man die eine Kandidatin und die drei Bewerber abschließend bewerten, ließe sich vielleicht folgendes festhalten: Alle vier sehen die Innenstadt als Priorität, alle wollen neuen Wohnraum für Neustädter Wachstum schaffen und alle wissen, dass Großprojekte schwierig sind.

Gerd Scheuenstuhl würde das Bürgermeisteramt als aktiver Förderer der lokalen Wirtschaft interpretieren, Harald Haag sieht sich am ehesten als Vermittler zwischen privaten und öffentlichen Interessen, Alexander Müller betrachtet seine mögliche neue Rolle als Tag-und-Nacht-Dienst am Bürger und Heike Gareis setzt auf bürgerschaftliches und soziales Miteinander, um die Talsohle zu verlassen. Am 8.März wird sich zeigen, welches Konzept am meisten überzeugt.


Patrick Lauer
Patrick Lauer
Redakteur
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