Aus der Armut zum Erfolgsbäcker: „German Ade” erobert Franken mit Chips und Brot | FLZ.de

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Veröffentlicht am 22.05.2025 17:31

Aus der Armut zum Erfolgsbäcker: „German Ade” erobert Franken mit Chips und Brot

Adewale Ayoola Adebayo mit Empanadas, die er in einer gemieteten Backstube in Leibelbach fertigt. Auf vielen Märkten und Festen in Franken ist er Stammgast. (Foto: René Chlopotowski)
Adewale Ayoola Adebayo mit Empanadas, die er in einer gemieteten Backstube in Leibelbach fertigt. Auf vielen Märkten und Festen in Franken ist er Stammgast. (Foto: René Chlopotowski)
Adewale Ayoola Adebayo mit Empanadas, die er in einer gemieteten Backstube in Leibelbach fertigt. Auf vielen Märkten und Festen in Franken ist er Stammgast. (Foto: René Chlopotowski)

Vor zehn Jahren schlug Adewale Ayoola Adebayo einen Tapeziertisch auf dem Marktplatz in Neuhof/Zenn auf. Der in Nigeria aufgewachsene Bäcker bot afrikanisches Brot an. Am Sonntag steht er wieder auf dem Platz, an dem er sein Geschäft begann. Er feiert mit seinen Kunden ein Jubiläum, das ihm niemand zugetraut hätte.

„Nach fünf Jahren ist ein Mann zu mir gekommen und hat gesagt: Hallo, ich muss Ihnen was gestehen. Als ich Sie am Anfang sah, dachte ich, Sie halten das nicht lange durch. Heute sage ich zu Ihnen: Glückwunsch, machen Sie weiter.“ Die Episode steht für viele Zweifler, die dem Afrikaner mit deutschem Pass keine Chance gaben.

Er dankt denen, die an ihn glaubten. „Ich habe Kunden, die sind mir seit zehn Jahren treu. Ohne diese Leute hätte ich vielleicht wirklich aufgegeben.“ Viele von ihnen wird er am Sonntag in Neuhof beim Marktplatzfest mit Kunst und Handwerk begrüßen. „Neuhof ist meine Quelle.“

Auf den Aushilfsjob folgte die Ausbildung zum Bäcker

Mit 24 Jahren hatte ihn ein Schleuser für viel Geld aus seiner Familie mit dem Versprechen nach Deutschland gebracht, hier könne er studieren. Der Schleuser verschwand mit dem Geld. Der in Lagos ausgebildete Karosseriebauer landete zu seiner Überraschung als mittelloser Asylbewerber in Franken. Aus einem Aushilfsjob heraus machte er eine Ausbildung zum Bäcker, heiratete, wurde Vater und hielt die Familie unter anderem lange als Busfahrer über Wasser.

Bis er vor zehn Jahren ein Start-up gründete, das Franken noch nicht gesehen hatte. „Ja, es war am Anfang schwer. Ich habe nur Brot gemacht, afrikanisches süßes Brot. Dann kam ich auf die Idee mit Chips aus Kochbananen.“ Diese sind kein Obst, sondern als Gemüse ähnlich wie die Kartoffel hierzulande ein weit verbreitetes Nahrungsmittel in Afrika, Asiens und Amerika.

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Adewale Ayoola Adebayo durfte zunächst bei einem Nürnberger Bäcker produzieren, dann fand er eine Backstube auf einem Hof in Leibelbach, einem Ortsteil von Herrieden (Landkreis Ansbach). Dort entstand vorher Bauernbrot für die Direktvermarktung. Die noch vorhandene Backstube konnte der Bäcker aus Nigeria mieten. Seit neun Jahren pendelt er von seinem Wohnort in Neuhof (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) zur Produktion ins Altmühltal.

Seine Chips haben 14 Geschmacksrichtungen

„Alles, was ich verkaufe, stelle ich selber her, ohne Konservierungs- und Zusatzstoffe“, sagt er. „Ich spiele lieber mit Gewürzen als mit Lebensmittelfarben.“ Chips aus Kochbananen gibt es inzwischen in 14 Geschmacksrichtungen. Dazu Soßen, Brot und Empanadas. Das sind Teigtaschen, die von Spanien aus viele Länder erobert haben. In Leibelbach werden sie vegetarisch, mit Rindfleisch oder mit Putenfleisch zubereitet. „Ich mache davon in einem Arbeitsgang mindestens 400 bis 500 Stück, jeweils mit 300 Gramm für eine Portion.“

Alles in Handarbeit. Es ginge deutlich schneller. „Ich habe schon eine Maschine gefunden, die mir den Job erleichtern würde. In Argentinien kostet sie nur 80.000 Euro, die ich mir alleine aber nicht leisten kann. In Deutschland habe ich schon verschiedene Maschinenbauer gefragt, aber hier liegen die Preise bis zu 400.000 Euro.“ Die Maschine wäre mindestens sechs Mal so schnell wie er, damit ließen sich auch weitere Produkte von Panzerotti bis Calzone günstig herstellen.

„Mit einer Maschine könnte ich auch Teiglinge produzieren, die sich Kunden selbst fertigbacken. Da kann man die Frische mit nach Hause nehmen. Im Backofen bei 80 Grad noch 20 bis 25 Minuten, dann ist die Empanada fertig.“ Bäcker Adebayo sucht deshalb jetzt einen Geschäftspartner für die Expansion. „Ich will weiter wachsen, aber mir fehlt eine finanzielle Unterstützung, ein Investor, der wirklich Lust daran hat, mit mir den Weg zu gehen.“ Ohne einen Partner sieht er dafür keine Chance. „Ich bin jetzt 58 Jahre, damit haben die Banken ein Problem.“

Auf vielen Märkten ist Adebayo Stammgast

An Kunden ist kein Mangel. An den Samstagen ist Adebayo abwechselnd auf den Wochenmärkten in Ansbach und Herzogenaurach. Stammgast ist er bei Stadt- und Heimatfesten und auf Weihnachtsmärkten in Ansbach, Neustadt, Gunzenhausen und anderen fränkischen Orten. Die Nachfragen kommen aus der ganzen Bundesrepublik. „Ich habe noch keinen großen Online-Shop, aber die Leute können direkt bei mir bestellen.“

Den Tapeziertisch lässt er längst zugeklappt. „Inzwischen habe ich einen Verkaufshänger und ein Verkaufsmobil. Auf dem Wochenmarkt stehe ich mit dem Mobil, auf den mehrtägigen Festen mit dem Hänger.“ Zum kleinen Fuhrpark gehört ein Kühlanhänger, den er ebenso vermietet wie Besteck für 1000 und Geschirr für 500 Leute. An den Inhalten soll es dabei nicht fehlen. „Wenn jemand feiern will, backe ich nicht nur, sondern koche auch das Essen.“

Seine Speisekarte aus dem Catering würde er gern auch an einem festen Platz anbieten. Hinten eine große Küche, vorne ein Restaurant wäre sein Traum, vielleicht in Ansbach. „Dann könnten die Leute zum Essen kommen oder etwas mitnehmen.“

Ein Herz für Fußball

Auch in Nürnberg steht der stolze Vater viermal in der Woche. Allerdings nicht zum Verkaufen, sondern am Rand eines Fußballplatzes des 1. FC Nürnberg am Valznerweiher. Dort spielt sein Sohn in der U14. „Ich war auch Fußballer, Links- oder Rechtsaußen. Das spielt er auch. Ich bin sein Trainer von klein auf, er ist so schnell wie ich früher.“

Seine Firma nennt der Mann aus Neuhof/Zenn „German Ade“. Und schmunzelt über das Missverständnis, das es in Franken geben kann. „Ade steht nicht für einen Abschied, sondern ist die Abkürzung für meinen Nachnamen. German steht dafür, dass mir deutsche Tugenden wie Fleiß, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sehr wichtig sind.“ Und als Gruß an die Kunden. „Am Anfang vor zehn Jahren in Neuhof hat kaum einer geglaubt, dass die Deutschen meine Produkte kaufen. Aber sie tun das – zu meinem Glück.“

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