Obwohl lauter Gartenexperten unter sich sind, beschleicht die Pilgerschar doch ein Hauch von Ehrfurcht. Der Garten, oder eher Park, den es gleich zu besichtigen gilt – die Rede ist von der Auftaktveranstaltung zum „Tag der offenen Gartentür – birgt eine Überraschung nach der anderen.
Wie kann die Clematis so hoch in den Baum wachsen, und dann noch so große, leuchtend lila Blüten hervorbringen? Warum steht der Olivenbaum nicht im Kübel? Was passiert hier im Winter? Welche Gänse bevölkern den Teich? Warum Ziegenhaltung? Wie ist das mit den Tieren? Stall ausmisten, morgens vor der Arbeit? Wie schaffen sie das Alles? Das kann doch nicht sein, dass hier Bananen wachsen?
Vor dem Hintergrund des im Freien platzierten Bananenbaums – oder soll man eher Staude sagen? – posierte zum Abschluss auch etliche Prominenz, der die Veranstaltung im Sugenheimer Ortsteil Deutenheim erstmals vorbehalten war. Denn es handelte sich um eine ganz besondere Auftaktveranstaltung anlässlich des „Tags der offenen Gartentür“. Dieser findet am kommenden Wochenende im Landkreis zum 25. Mal statt.
So hatte der Sugenheimer Heimat- und Gartenbauverein Verpflegung vorbereitet. Das Trio „Bassd scho“ präsentierte angenehm zurückhaltend fränkische Volksmusik und hoher Besuch fand schöne Worte am Rednerpult. Der Sommer zeigte sich von seiner besten Seite. Richard Krämer, Gartenfachberater des Landkreises, sah sichtlich zufrieden aus.
Die mittelfränkische Regierungspräsidentin Dr. Engelhardt-Blum lobte die Gartenbauvereine und Privatleute, die zunehmend ökologisch denken. Der „Tag der offenen Gartentür“ sei eben anders, als „die scheinbar pflegeleichten Schottergärten mit ihren Gabionen“.
Engelhardt-Blum sprach vom „jahrelangen Engagement und Bärenkräften“, die notwendig seien, damit solche Orte der Entspannung, der Erholung, des Zur-Ruhe-Kommens entstehen können. Und mit solchen Orten war eben auch diese Deutenheimer Gartenanlage gemeint. Dort leben Bienen, Geflügel, Fische, Ziegen, Pferde – gepflegt und gehütet von Lara Nalezinski und Richard Erlbacher, die sich, als sie das alte Mühlengrundstück erwarben, fragten, wie man so etwas Schönes überhaupt verkaufen kann.
Beide sind berufstätig und pendeln werktäglich in den Nürnberger Raum. Früh vor der Arbeit wird ausgemistet, und Nalezinski ist überzeugt: „Misten am Morgen erspart den Psychologen.“ Sie beschreibt, wie das ist, wenn der Stall sauber, die Pferde zufrieden, das Frühstück für die Vierbeiner ausgeteilt und Gänse und Ziegen einen schönen Tag wünschen.
Unter den Rednern zur Jubiläumsveranstaltung war auch Bezirkstagspräsident Peter Daniel Forster. Er bekannte ebenfalls seine Liebe zum Garten, auch wenn die Grundstücke in Nürnberg halt kleiner seien. Gerhard Durst, Vorsitzender des Bezirksverbandes für Gartenbau und Landespflege, übernahm die Moderation des Abends.
Als Landrat Helmut Weiß die Blumen für die Gastgeber überreichte, ging der rednerische Teil des Abends – in dem Weiß speziell die 37 zertifizierten Naturgärten im Landkreis erwähnenswert fand, ebenso wie die Klima-Krise, die für die Gärtner „längst spürbar“ ist – dem Ende entgegen.
Weiß bezeichnete die „Naturgärten“ im Landkreis als „Trittsteine für die Natur“. Er beschrieb die Vorfreude auf die Besichtigungen. Am Sonntag öffne eben nicht nur das Mühlengrundstück in Deutenheim seine Pforten für die Öffentlichkeit auch ein Feng-Shui-Garten ist dabei sowie terrassierte Wohngärten oder kunstvoll gestaltete Trockenbachläufe genauso wie Nutzgärten zur Selbstverpflegung.
Ehe die geladenen Gäste zu sehr mit den Hufen scharrten, entließ Durst die frohe Schar in das weiträumige Gelände und Nalezinski führte die Gäste durch ihr Paradies. Tipps wurden ausgetauscht, es wurde geschnuppert und gestaunt, gewandelt und gelauscht.
Die Gartenfreunde der Region können sich freuen, dass der „Tag der offenen Gartentür“ so viel Schönheit in sich birgt. Auf geht’s am kommenden Sonntag – nach Scheinfeld, Gerhardshofen, Bad Windsheim und natürlich auch nach Deutenheim
Termin: Sonntag, 30. Juni, 10 bis 17 UhrBad Windsheim: Berufsfachschule für Massage und Physiotherapie, Nordring 9 undefinedGerhardshofen: Monica und Günter Richter, Göttelhöf, Dettendorfer Weg 6 Scheinfeld: Bettina und Georg Brügel, Landwehrstraße 12 Simone und Martin Tack Schafbergstraße 1Sugenheim: Lara Nalezinski und Richard Erlbacher, Deutenheim 16