Unter dem Motto „Aufleben statt Leerstehen“ sind in den vergangenen Monaten neue Ideen für Rothenburgs Altstadtläden entstanden und umgesetzt worden. Der Abschlussabend fand am Campus statt.
Der begleitende Architekt des Projekts, Lars Winkler aus Würzburg, hat die Straßenzüge in Rothenburg analysiert und verschiedene Geschäfte besucht. Die gute Nachricht: Rothenburg ist ein wahres Schmuckstück unter den Städten. Mit verhältnismäßig wenig Aufwand könne so einiges optimiert werden. Die Fassaden nebst Fenstern könnten ansprechender gestaltet werden, so Winkler.
Bei einem Mietwechsel in einem Geschäftsgebäude sei es oft so, dass nur der Schriftzug des Namens des neuen Betreibers oder der neuen Betreiberin geändert wird, heißt, nur ein kleines Stück der Fassade wird gestrichen und mit dem anderen Namen versehen. Wenn der Sockel ebenfalls in einer anderen Farbe gestrichen ist, sind schon drei verschiedene Farbmuster vorhanden, das mache keinen guten Eindruck.
Sein Vorschlag: Neu Pachtende sollten bei Übernahme des Geschäfts verpflichtet werden, die Fassade neu zu streichen. Das wirke gepflegt und einladend. Auch so mancher Markisenstoff sei in die Jahre gekommen, diesen sollte man austauschen.
Die Schaufenster, so Winkler, sind das größte Potenzial der Stadt. Etwa 85 Prozent der Menschen, die zu Fuß unterwegs sind, fühlten sich durch ein ansprechend gestaltetes Schaufenster eingeladen, hinzuschauen. Ein Schaufenster habe eine Nah- und eine Fernwirkung.
Wichtig sei, dass das Schaufenster eine Geschichte erzähle, die des Inhabers, der Inhaberin, die eines speziellen Produktes, das entsprechend präsentiert werde. Ein Schaufenster sei wie eine Theaterbühne, die Scheibe der Vorhang. Es muss gestaltet werden, dürfe aber nicht überladen sein, und die Beleuchtung müsse stimmen, Kontraste müssten entstehen können.
Insgesamt 30 bis 45 Prozent der Fläche sollten mit Waren bestückt werden, denn je mehr Ware dort ausgestellt sei, desto weniger wertig wirken die einzelnen Produkte. Im Geschäft selbst könne Musik gespielt werden, möglichst mit einem Takt unter der Herzfrequenz. Das wirke entschleunigend.
Eventuell könnten sich auch die Handwerksbetriebe zusammenschließen, um auf ihre Wertigkeit aufmerksam zu machen und sich über ein besonderes Qualitätsmerkmal vernetzen. In Rothenburg gebe es viele kleine, sehr gute Geschäfte mit einem individuellen Angebot. Die meisten wirkten sehr gepflegt. Die Ausnahme seien Häuser, die Erbengemeinschaften gehören. Schließlich appellierte Winkler an die Vermietenden, den Mietpreis verträglich zu gestalten. Bei Leerstand habe man immer einen Verlust.
Neun Impulsberatungen habe es in der Stadt gegeben, berichtete Brigitte Orf, Geschäftsführerin des Stadtmarketings. Sie gab einen Überblick darüber, was sich in Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Campus Neues getan hat. Neue und innovative Wege seien eingeschlagen worden, zum Beispiel durch den Pop-Up-Store am Markusturm. Hier teilen sich sieben Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer das Gebäude und präsentieren ihre Geschäftsidee – auf Zeit.
Stadtbaudirektor Michael Knappe verwies in dem Zusammenhang auf die Förderungsmöglichkeiten, die es von der Stadt geben kann, wenn ein Gebäude historisch ist und erhalten wird. So könne es Zuschüsse zur Fassadenfarbe, zur Fachwerkrestaurierung, zum Fensteraustausch und sogar zur Fassadenbegrünung geben. Eine Rankhilfe etwa werde mit 130 Euro bezuschusst. Zudem erinnerte Knappe an die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten für Sanierungskosten: Hier könne man sich auch bei der Stadt beraten lassen.
In einem umfangreichen Vortrag wurde schließlich das neue Ladenschlussgesetz vorgestellt. Hier waren die beiden Juristen Andreas Schöffel und Andreas Klockmann vom Handelsverband Bayern gekommen. Bis zu acht werktägliche verkaufsoffene Nächte sind künftig möglich – von 20 bis 24 Uhr. Diese Idee greift Rothenburg auf, betonte Stadtmarketing-Expertin Orf: Am 21. November wird es in der Altstadt eine lange Einkaufsnacht von 18 bis 22 Uhr geben.