Hier ein Turmfalke, dort ein Waldkauz und eine echte Seltenheit: ein Baumfalke. Sie alle haben eines gemeinsam: Ohne den ehrenamtlichen Einsatz von Maria Auer und Danilo Batz aus Krautostheim würden sie nicht mehr leben. Die Tierfreunde päppeln verletzte Vögel auf. Im Winter drohte der Auffangstation das Aus. Jetzt gibt es Entwarnung.
Im „Palmenhorst”, so der Name der Auffangstation im Sugenheimer Ortsteil Krautostheim (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim), landen verletzte Tiere, auch von weiter her. Bis in die Oberpfalz, nach Thüringen oder auch schon einmal in den Harz fahren Maria Auer und ihr Sohn Danilo Batz, wenn hilflose Greifvögel gemeldet werden.
Wenn es schwierig wird, springt der Junior ein: „Ich bin derjenige, der immer in irgendwelche Löcher reinsteigt.” Solche Rettungsaktionen sind eine Mischung aus Sporteinheit, Kreativität und Feingefühl. Nicht immer ganz ungefährlich. Aber auch Singvögel versorgt das Duo immer wieder. Dabei fallen große Kosten an, vor allem, wenn eine Operation nötig sein sollte.
Deshalb kämpft die Vogelfreundin immer wieder mit hohen Rechnungen – und auch das Futter will bezahlt werden. Im Winter wurde das Geld knapp. „Jetzt habe ich aber nicht mehr ganz so große Bauchschmerzen”, auch wenn der Kontostand eigentlich immer knapp ist.
Im Frühjahr und Sommer sind Auer und Batz wieder auf Märkten unterwegs, das bringt Spenden – sie betreiben zusammen auch eine Falknerei mit prächtigen Greifvögeln. Steppenadler-Dame Kami ist eine stolze Kreatur und der sibirische Uhu Sirius verbreitet Harry-Potter-Gefühle. Sie alle stammen aus schwierigen Verhältnissen und dürfen dank der Palmenhorst-Hilfe ihr Leben wieder voll genießen.
„Momentan kämpfen wir um 58 Seelen”, sagt Auer am Telefon. Ein Baumfalke ist gerade auf Station, ebenso Waldohreulen, Bussarde und zwei Kolkraben, die vom Amt beschlagnahmt wurden. „Wir sind überfüllt bis zum Gehtnichtmehr.“ Alleine an einem Wochenende waren über 70 Singvögel abgegeben worden. Zu viel für zwei Personen. „Deshalb musste ich einige an Kollegen abgeben.”
Die aktuellen Sorgenkinder sind allesamt Uhus. Der eine hat bei einem Crash mit einem Windradflügel einen Splitterbruch erlitten, sein Flügel musste bei einer OP „rekonstruiert” werden. Mit Erfolg. Ein anderer Uhu war drei Tage lang im Bach gelegen. Und ein drittes Exemplar hatte sich im Hühnernetz verfangen und war stundenlang kopfüber hilflos dortgehangen. Er kämpft noch immer mit neurologischen Ausfällen, erzählt Auer aus ihrem Alltag.
Sie ist gelernte Krankenschwester. Seit ihrem Schlaganfall hat sie ihre Berufung in der Vogelrettung gefunden – eine tiefe Verbindung zu diesen faszinierenden Geschöpfen hatte sie schon immer. Da hat sie sich eines geschworen: „Wenn ich wieder normal laufen und meinen Arm heben kann, dann eröffne ich eine Greifvogelauffangstation.” Im Oktober 2023 war es so weit.
Hunderte Vögel hat sie seitdem gerettet. Eine Menge, auf die sie selbst stolz ist. Maria Auer und Danilo Batz sind mit ihrer Auffangstation sogar vom Amt anerkannt. Das Problem: „Wir bekommen trotzdem keine Fördergelder.” Der Palmenhorst finanziert sich ausschließlich über Spenden. Und die decken längst nicht immer die laufenden Kosten.
Je nach Belegung braucht Auer im Monat zwischen 800 und 2000 Euro für Futter – denn nur auf billige Mastküken setzt sie nicht. Schließlich sollen die Greifvögel wieder in der Natur ausgewildert werden, entsprechend brauchen sie Nahrung, die sie später selbst fangen können. Schwarze Mäuse zum Beispiel. Kilopreis: 28 Euro. Hinzu kommen medizinische Kosten, so eine Vogel-OP schlägt gut und gerne mit 800 bis 1000 Euro zu Buche – „nur die OP, da sind die Medikamente noch gar nicht dabei”. Auers Wunsch: „Wir hoffen, dass nicht mehr so viele Vögel reinkommen, die eine OP brauchen.”
Doch wann hat ein Tier ein Anrecht auf Rettung? Wie stark darf der Mensch in die Natur eingreifen? Fragen, mit denen Maria Auer immer wieder konfrontiert wird. Und sie versteht diese Gedanken, hat sich aber eine klare ethische Linie vorgegeben: Wenn es noch Hoffnung gibt, das Leben zu retten, dann probiert sie es. Ein Tier einzuschläfern, nur weil es eine tierärztliche Versorgung braucht? „Wenn ich diese kleine Seele vor mir sehe, kann ich einfach nicht anders – ich muss dem Vogel helfen.”
Mittlerweile haben Auer und Batz auch einige medizinische Pflegeboxen gespendet bekommen. Zeitwert: rund 7000 Euro. Diese seien besonders pflegeleicht „und erleichtern uns einiges”. Denn das Putzen sei damit deutlich einfacher. Und eines kann Maria Auer aus Erfahrung versichern: So ein Vogel kann richtig Dreck machen.
Nur eine Baustelle bleibt offen: „Wir suchen noch nach einem weiteren Gelände”, möglichst auf Sugenheimer Hoheitsgebiet. Denn: „Wir kriegen ja nicht nur Greifvögel, sondern auch Wasservögel.” Enten, Schwäne: „Die brauchen Platz.” Auf dem neuen Areal soll ein geräumiger Teich angelegt werden. Auer hat schon ein Grundstück im Blick, will nun Gespräche führen. Ansonsten schauen Maria Auer und Danilo Batz wieder deutlich zuversichtlicher in die Zukunft. Auch wenn die Vogelrettung (nicht nur finanziell) ein ständiges Abenteuer bleibt.
Wer Maria Auer und Danilo Batz unterstützen will:
VR-Bank Uffenheim
Greifvogelschutz Palmenhorst e.V.
IBAN: DE27760695590002678853
Spendenquittungen können ausgestellt werden.