Das frisch sanierte Gemeindezentrum St. Johannis ist Teil der „Architektouren“. Im Rahmen dieser Leistungsschau zeigt die Bayerische Architektenkammer jedes Jahr besonders gelungene Bauprojekte. Das Gemeindezentrum St. Johannis können sich Interessierte am Samstag und Sonntag anschauen.
Das Motto der Architektouren lautet diesmal: „einfach (um)bauen“. Damit wird insbesondere auf die Bedeutung der Bestandsentwicklung und auf das nachhaltige Planen und Bauen hingewiesen. Insgesamt gibt es in ganz Bayern 216 Projekte zu sehen, die allesamt in den vergangenen drei Jahren entstanden sind. Das Ansbacher Projekt „Umbau Gemeindezentrum mit Neubau Foyer“ ist ein typisches Beispiel für das Themenfeld „Bauen im Bestand“.
Planung und Durchführung lag in den Händen des Nürnberger Büros Dotterweich-Bort Architekten. Regine Bort als verantwortliche Planerin hatte bei der Instandsetzung mehrere Probleme zu lösen. So musste in den Steingruberbau genannten vorderen Teil des Hauses aus Brandschutzgründen eine zweite Treppe als Fluchtweg eingebaut werden. Dabei ergab sich die Möglichkeit, einen Aufzug ins erste Obergeschoss zu installieren, der die Gemeinderäume jetzt barrierefrei erschließt.
Die neue Treppe sticht mit ihrer modernen Formensprache ins Auge, da sie im starken Kontrast zur vorhandenen Barocktreppe steht. Diese wurde wieder freigelegt und restauriert und strahlt den knarzigen Charme vergangener Jahrhunderte aus.
Eine Besonderheit des ganzen Ensembles sind die verschiedenen Bauzeiten, die ihre Spuren hinterlassen haben. Vorne Barock, hinten Postmoderne. Der Saalbau aus dem Jahr 1980 hat im Zuge des Umbaus ein Foyer erhalten. Dieses schafft nicht nur einen einladenden Zugangsbereich, sondern auch Platz für eine Küche und Stauraum. Außerdem können dort nun kleinere Zusammenkünfte mit bis zu 20 Personen stattfinden.
Schmuckstück des neugestalteten Gemeindezentrums ist der sich anschließende Saal, der für Veranstaltungen ebenso genutzt werden kann wie für Chorproben. Er wurde optisch zum Museumshof hin geöffnet, mit Sichtverbindung zur Stadtmauer. Die großen Fenster lassen das Tageslicht gut herein und schaffen ein freundliches Ambiente.
Spezielle Elemente an der Decke sorgen für eine transparente Akustik, die besonders bei Gesang punkten kann. In der ursprünglichen Planung war noch überlegt worden, ob zusätzliche Akustikvorhänge erforderlich sind. Doch nach einer Testphase zeigt sich nun, dass es ohne gut funktioniert, erläuterte Bort.
Natürlich ist das ganze Gebäude auch technisch auf Stand gebracht worden. Im Saal wurde eine Hörschleife für Menschen mit Hörgerät installiert. Insgesamt hat man bei der Modernisierung den Inklusionsgedanken in allen Bereichen mitgedacht, ob es um die Vermeidung von Stufen oder um Orientierungshilfen an Böden und Wänden geht.
Das Gemeindezentrum St. Johannis in der Schaitberger Straße 6 – 8, kann am Samstag, 29. Juni, von 10 bis 12 Uhr und am Sonntag, 30. Juni, von 11 bis 13 Uhr besichtigt werden. Zur diesjährigen Architektour bietet die Architektenkammer am Sonntag auch eine Bustour an, die mehrere Objekte ansteuert (unter anderem das Gemeindezentrum). Details hierzu finden sich hier. Weitere Objekte aus der Region bei den Architektouren sind die Montessorischule in Rothenburg, das Haus der Kirche in Wassertrüdingen, ein saniertes Bauernhaus-Ensemble in Oberscheinfeld, das Dorfgemeinschaftshaus in Welbhausen (Stadt Uffenheim) und die Kinderkrippe in Neuhof an der Zenn.