An torffreier Erde kommen Gärtnerinnen und Gärtner kaum noch vorbei. Der Grundgedanke, die Moore zu schonen und gleichzeitig den C02-Ausstoß zu reduzieren, ist schließlich ein guter. Der Hofgarten Ansbach möchte Vorreiter sein: bereits seit Jahren setzt man hier auf Substrate ohne Torf. Die Umstellung war gar nicht so einfach.
Es ist einiges in der Luft, in den Gewächshäusern im Hofgarten. Als Gärtnerin Elke Vogelhuber einen Sack torffreier Erde aufreißt, fliegt ihr ein Schwarm Trauermücken ins Gesicht. Zwischen den Jungpflanzen kleben die Gelbsticker voll mit den kleinen, schwarzen Fliegen. Wer spricht, muss aufpassen, dass sie nicht in den offenen Mund gelangen.
„Als ich angefangen habe, mit torffreier Erde zu arbeiten, war ich geschockt: ‚Darin soll ich aussähen?‘, habe ich mich gefragt“, erinnert sich Gärtnerin Elke Vogelhuber.
Der Schlossgarten in Ansbach war im Jahr 2014 der erste im Besitz der Bayerischen Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, der mit torffreien Substraten experimentiert hat. Seit 2019 arbeitet man hier komplett ohne Torf.
„Es klappt gut, aber man muss sich reinfuchsen“, sagt Gartenmeisterin Tamara Sand. Ein Nachteil der torffreien Substrate sei, dass sie häufig von Trauermücken befallen werden. In der Erde mit hohem Anteil an organischer Masse, Feuchtigkeit und Wärme fühlen sich die Larven der Fliege äußerst wohl.
Da sie sich von den Wurzeln von Jungpflanzen ernähren, sind sie bei der Anzucht ein ernstzunehmender Schädling. Aber auch einer, mit dem man es in der Gärtnerei aufzunehmen weiß: „Wir arbeiten nach dem Prinzip: Insekt frisst Insekt“, erklärt Gartenmeisterin Sand.
Florfliegenlarven, die die Gärtnerinnen zwischen ihren Pflanzen aussetzen, fressen die der Trauerfliegen. Mit Fadenwürmern, die übers Gießwasser verteilt werden, bekämpft man Schädlinge. „Das ist besser für die Umwelt und gesünder für die Menschen, als mit der Chemiespritze.“ Und: „Wenn man dranbleibt, klappt das auch“, sagt Elke Vogelhuber.
Die Arbeit mit torffreier Erde sei im Moment anspruchsvoll, stetig müsse man die Pflanzen und ihr Wachstum im Auge behalten. Doch im Ansbacher Hofgarten nimmt man die Mühen gerne auf sich.
„Intakte Moore haben eine große Bedeutung für den Klimaschutz“, erklärt Gartenmeisterin Sand. Die Moorböden speichern Kohlenstoff. Bei der Trockenlegung, die erfolgt, wenn Torf für Gärtnererde gewonnen wird, wird dieser als C02 freigesetzt. Würden ausschließlich torffreie Erden verwendet, könnten laut der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. in Deutschland 400.000 Tonnen C02 jährlich eingespart werden.
Um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, verzichtet die Gärtnerei im Hofgarten auf Torf. Der staatliche Betrieb will als Vorreiter mit gutem Beispiel vorangehen. Bis 2029 sollen sämtliche Gärtnereien der Schlösserverwaltung auf torffrei umgestellt werden. „Auch die Kollegen setzen schon jetzt diese Erde ein. Wir geben ihnen unsere Erfahrungen weiter“, so Elke Vogelhuber.
Sowohl große Betriebe als auch Privatleute kämpfen aktuell mit der teilweise schwierigen Struktur der Erde. „Das Grundgerüst bei den Erdenherstellern ist nicht gleich“, erläutert Gartenmeisterin Sand.
Als Alternative zu Torf mischen Hersteller unterschiedliche Mengen an Grünkompost, Kokos- oder Holzfasern oder Rindenhumus bei. „Verschiedene Lieferungen des gleichen Unternehmens können komplett unterschiedliche Strukturen haben“, sagt Tamara Sand.
Erden mit hohem Holzanteil seien schwierig: Dadurch, dass innerhalb der Erde Holz abgebaut wird, wird Stickstoff verbraucht – Stickstoff, den die Pflanzen eigentlich zum Wachsen bräuchten. „Die Pflanzen brauchen deshalb mehr Zeit. Sie müssen früher ausgesät werden“, erklärt Tamara Sand, wie ihre Gärtnerei das Problem auffängt.
Da torffreie Erde schlechter Wasser speichert, muss häufiger gegossen werden. Auf den erhöhten Nährstoffbedarf wird mit frühzeitigem Düngen reagiert.
Von dem Mehr-Aufwand, der mit der Umstellung auf torffreies Gärtnern verbunden ist, sollten sich Gärtnerinnen und Gärtner jedoch nicht abschrecken lassen. „Es funktioniert definitiv“, versichert Gartenmeisterin Sand. Mit Blick auf den Klimawandel sei das „auf jeden Fall der richtige Weg, den wir einschlagen“.