In der Woche ab Montag, 6. Juli 1925, appelliert die Fränkische Zeitung an alle Eltern, sich stets um „den Schutz der Jugend“ zu kümmern: „Nach den Vorschriften ist Jugendlichen unter 18 Jahren der Besuch von Lichtspieltheatern, ausgenommen ausdrücklich genehmigte Schüler- und Jugendvorstellungen, untersagt.“
Zudem dürfen „jugendliche Personen unter 17 Jahren ohne Begleitung Erziehungsberechtigter oder erwachsener Personen Gaststätten nicht besuchen und nach eingetretener Dunkelheit sich nicht mehr auf öffentlichen Straßen und Plätzen aufhalten“, führt die Redaktion aus. Das Rauchen sei Jugendlichen in der Öffentlichkeit generell verboten; dies werde vor allem am Bahnhof streng kontrolliert.
Ach, wie herrlich ist’s, im Hofgarten spazieren zu gehen. „Schön ist er zu jeder Tageszeit: wenn der Frühtau in ihm blinkt, wenn die Wiese im Mittagssonnenschein schläft – am schönsten aber, wenn der Abend von ihm Abschied nimmt“, schwärmt die Zeitung. „Das Lied der Vögel ist verstummt, nur verloren dringen ferne Geräusche aus der Stadt zu unserem Ohr; es ist nicht Nacht, es ist nicht Tag – wie wesen- und zeitlos blickt uns alles an.“
Und wie wunderbar sei es, „diese Stunden noch zu verschönern durch die Kunst, die zeitlos ist, durch die Musik“, schwelgt der Reporter weiter in Erinnerungen, nachdem er ein Konzert des Gymnasiums am späten Abend im Hofgarten besucht hat. „Die schweigsam dunklen Bäume des Parks, der Schmuck graziöser und gemessen steifer Südlandsbäume: wo könnte es einen schöneren Konzertsaal geben? Um das schöne Bild zu vervollständigen, guckte der volle Mond durch die hohen schwarzen Bäume hindurch.“
Ebenso wildromantisch, aber auch anstrengend ist eine vom bayerischen und österreichischen Automobilclub veranstaltete Alpenfahrt, an der drei Wagen der Ansbacher Faunwerke teilnehmen. Schon in der Vorwoche waren „Faunwagen“ erfolgreich, bei einer 24-Stunden-Fahrt im Taunus.
„Die an die Wagen und Fahrer auf der 2500 Kilometer langen Strecke gestellten Anforderungen waren ganz außerordentlich“, heißt es in der Zeitung zu der Alpentour. „Die Straßen waren meist Nebenwege schlechtester Beschaffenheit. Zahlreiche Pässe teils von außerordentlicher Steilheit in Niederösterreich, Kärnten und Steiermark wurden unter den schwierigsten Verhältnissen, teils bei Regen und Schnee, überwunden. So darf es nicht wunder nehmen, daß von den 41 gestarteten Wagen nur 17 das Ziel erreichten. Umso erfreulicher ist es, daß alle Faunwagen durchhielten.“
Der Polizei- und Schutzhundeverein Ansbach hat eine Polizeihundeprüfung organisiert, bei der Schäferhunde und Rottweiler antreten. Besonders überzeugend sind Baldur von der Kannengasse, Tell von der Hochburg und Gero vom Baumfeld.
In den Bärenlichtspielen ist derweil „Der Ritt ums Leben“ zu sehen, ein „prachtvoller Großfilm“. Das Historiendrama erzählt von Intrigen rund um Maria Stuart, die Hauptrolle spielt Mary Pickford. „Sie trägt die Kleider Alt-Englands mit demselben Liebreiz, mit dem sie sich in moderne Toiletten kleidet. Sie ist überwältigend in der Anlage einer beinahe klassischen Rolle – dazu die mädchenhafte, zarte Schönheit dieser Frau“ – so bejubelt der Kritiker den Stummfilm.
Wer ähnlich attraktiv sein möchte, greift zur „besten Lilienseife“, die in der Hofapotheke, in den Drogerien Samhammer, Kämpf und Steger sowie in allen Ansbacher Friseurgeschäften erhältlich ist: „Ein rosiges, jugendfrisches Antlitz und einen reinen zarten Teint erzeugt die echte Steckenpferd-Seife.“
Vor dem Hause Oberer Markt 14 ist ein Kaufmannslehrling „von drei Unbekannten überfallen worden, als er sich in die elterliche Wohnung begeben wollte. Mit einem Totschläger wurde er so verletzt, daß er zweieinhalb Stunden bewußtlos war“, meldet die Redaktion. Einige Tage später äußert die Polizei allerdings Zweifel: Der junge Mann habe sich „bei den wiederholten Einvernahmen“ in Widersprüche verstrickt.
Eine noch größere Sensation ist ein spektakulärer Diebstahl im Petersdom in Rom, über den auch in Ansbach diskutiert wird, weil die Zeitung mehrfach darüber berichtet und immer neue Details preisgibt. Die Diebe haben in einem Saal über der Schatzkammer ein Loch in den Boden geschlagen, um von oben in den Raum eindringen zu können. Sie stahlen Ringe und Juwelen, ließen aber schwer verkäufliche historische Objekte zurück. „Die Einbrecher hatten kleine elektrische Taschenlampen neuesten Modells gebraucht, ebenso zahlreiche modernste Einbruchwerkzeuge.“
Der Stadtrat beschließt, das Pflücken von Lindenblüten innerhalb des Stadtgebietes zu verbieten, damit die Bäume nicht beschädigt werden. Nicht einig ist sich das Gremium dagegen bei der Frage, wie die kürzlich erbaute Wohnanlage nahe der Gneisenaustraße heißen soll. Baurat Flach hatte schon vor einigen Wochen den Namen „Zeppelinhof“ vorgeschlagen, eine Entscheidung fällt jedoch auch diesmal nicht. „Stadtrat Fiedler bemerkt dazu, wenn man es immer so mache und stundenlang über eine Sache debattiere, sie dann aber immer wieder zurückstelle, würden die Sitzungen unendlich lang, während an Arbeitsleistung nur ein Minimum herauskomme.“
Herr Breitschwerdt erhält die ortspolizeiliche Erlaubnis, im Gasthaus zum Waldsee „Rundfunkvorführungen“ für die Gäste anzubieten. Herr Dr. Eisenach, Facharzt für Frauenkrankheiten und Geburtshilfe mit Fernsprecher 350, ist aus dem Urlaub zurück. Und „es wird besonders darauf aufmerksam gemacht, daß mit Tabak bepflanzte Flächen in Gärten und Feldern bis zum 15. Juli dem zuständigen Zollamte anzumelden sind“.
Am Samstag, 11. Juli, ist der letzte Schultag vor den Sommerferien; bis Mittag findet regulärer Unterricht in allen Pflicht- und Wahlfächern statt. Angesicht der beginnenden Urlaubszeit warnt die Redaktion die Eisenbahn-Reisenden: „Vor kurzem wurde aus einem beschleunigenden Personenzug eine Bierflasche geworfen, die einen an der Strecke beschäftigten Bahnarbeiter am Kopfe schwer verletzte. Es wird darauf hingewiesen, daß das Hinauswerfen derartiger Gegenstände aus den Zügen verboten ist.“
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