In der Woche ab Montag, 30. Juni 1924, weist die Fränkische Zeitung auf die überfüllten Eisenbahnen an den Sommerwochenenden hin. Vor allem sonntags müssten dringend mehr Züge ins Ansbacher Umland fahren, appelliert die Redaktion.
Grund für den „regen Ausflugsverkehr“ an Sonntagen seien die zahlreichen Sängerfeste, Turnerfeste und Kirchweihen, die im Juni, Juli und August allerorten gefeiert würden. Viele Ansbacher nutzten die Züge, um dorthin und abends wieder nach Hause zu gelangen. „Bei der Heimfahrt von Triesdorf am Sonntag abends 10 Uhr war es kaum möglich, die zugehenden Reisenden noch in den Zug zu verstauen, der nur zwei Personenwagen führte.“
Der Verlag Brügel & Sohn, der die Fränkische Zeitung herausgibt, kündigt ein „Gedächtnisbuch für die Ansbacher Gefallenen des großen Krieges“ an. Darin sollen die Namen der Männer „mit kurzen Lebensbeschreibungen“ aufgelistet werden. „Unter ,Ansbachern‘ sind alle Kriegsteilnehmer zu verstehen, die in Ansbach geboren sind oder hier wohnten oder mit dem 2. Ulanenregiment ins Feld zogen, sowie solche, deren Eltern hier ansässig sind, die aber selbst von einer anderen Garnison ausrückten“, erläutert die Redaktion. „Wir ersuchen hiermit die Angehörigen, die erbetenen Lebensbeschreibungen nun umgehend an unsere Geschäftsstelle abzugeben, um mit der Drucklegung beginnen zu können.“
Mehr als 420 Gefallene und Vermisste sind schließlich in dem Gedächtnisbuch genannt und auf Fotos zu sehen. Die Ansbacher starben auf den Schlachtfeldern durch Kugeln und Granatsplitter oder in einem Feldlazarett weit weg von zu Hause. Allerdings geht es in dem Buch, das 1926 erscheint, nicht um die Schrecken des Krieges, sondern allein um Ehre und Heldentum.
Der große Festzug „zum goldenen Jubiläum des Metzgergehilfenvereins Ansbach“, an dem „Brudervereine aus Nürnberg, Fürth, Erlangen, Bamberg, Bayreuth, Weiden, Regensburg, Augsburg, Schweinfurt und Würzburg“ teilgenommen haben, war laut Zeitungsbericht eine echte Attraktion: „Die Zugteilnehmer wurden reichlich mit Blumen bedacht, wofür die Metzger mit Auswerfen von Würstchen quittierten. Das bunte Gesamtbild des Zuges – das leuchtende Rot der Mützen, das blendende Weiß der Hemden und Schürzen, das Blinken der Metzgerbeile im hellen Sonnenschein hoben sich von dem schwarzen Wichs der Fahnenbegleiter wirkungsvoll ab – hat auf den Beschauer den besten Eindruck gemacht.“
Die euphorische Schilderung beschließt der Reporter mit einer Art Witz. „Frage: Siehst du die Metzger nicht an und ihren historischen Festzug? Antwort: Weißt du, Freund, denn nicht, daß ich Vegetarier bin?“
Auch diese Woche ist der rechtsextreme Völkische Block mit mehreren Zeitungsannoncen mit Hakenkreuzen präsent. Der Block sucht „völkisch gesinnte Musiker, die bereit wären, in einer völkischen Kapelle mitzuwirken“. Die Illustrierte Unterhaltungsbeilage, die der Fränkischen Zeitung beigefügt ist, zeigt Fotos von „Kinder-Schönheits-Wettbewerben“ in Mailand und Wien. Die Mädchen und Buben, etwa vier bis sieben Jahre alt, stehen nackt vor den männlichen Preisrichtern.
Für „Lehrer Obsts Haus-Tee“ möchte der Hersteller, Herr Obst aus Breslau, eine „Alleinverkaufsstelle“ in Ansbach etablieren – am liebsten in einer Apotheke. Die verschiedenen Tees für kurmäßige Anwendung sollen gegen Asthma, Bleichsucht, Diarrhoe, Fieber, Frauenkrankheit, Gicht, Rheuma, Schwitzen, Angst, Abmagerung, Fettsucht, Gallenleiden, Haarausfall, Geschwüre, Lähmung, Würmer, Zuckerkrankheit und noch viel mehr helfen – „selbst in anscheinend hoffnungslosen Fällen“.
Schon jetzt verfügbar in hiesigen Apotheken und in den Drogerien Samhammer und Kämpf ist „Lebewohl“, ein „Radikalmittel gegen Hühneraugen“. Aus einem Privathaushalt zu verkaufen sind ein Küchenbüfett, ein Lehnstuhl, ein sehr gut erhaltenes Herrenfahrrad („Teilzahlung gestattet“), ein Paar weiße Kinderstiefel in Größe 33, ein dunkelblauer Kastenkinderwagen, ein Vertiko und eine Ziege.
Karl Seitz aus der Neustadt 11 wirbt in seiner Annonce salbungsvoll für Honig: „Meinen sehr geschätzten Kunden und der Gesamteinwohnerschaft Ansbachs biete ich auch heuer wieder Gelegenheit, daß sie ihren Bedarf an frischem, garantiert reinem Blüten-Bienen-Schleuderhonig aus eigener Imkerei frühzeitig decken können. Solange die Welt steht, gilt Bienenhonig als Vertrauensartikel 1. Güte.“
Dagegen „erlaubt sich Hans Vogel, die verehrlichen Behörden sowie die verehrliche Gesamteinwohnerschaft von Ansbach und Umgebung auf sein seit langem betriebenes Zimmerei- und Schreinereigeschäft hinzuweisen“. In der Werkstatt in der Würzburger Straße 35 werden „sämtliche ins Fach einschlägige Arbeiten und Reparaturen sauber, prompt und billig ausgeführt“.
Oberst Ritter von Reiß, der Chef der Landespolizei in München, ist mit Adjutant Polizeihauptmann Ernst Wening im Ansbacher Hotel Goldener Stern abgestiegen. „Nach Vornahme einer Besichtigung der hiesigen Landespolizei werden die Herren Offiziere nach Nürnberg weiterreisen.“
Der hiesige Schwimmverein trifft sich zur Preisverleihung mit Tanz im Zirkelsaal. Die Praxis Dr. Krampf bleibt wegen einer Reise geschlossen. Im Gasthaus zum goldenen Lamm in Schalkhausen gibt’s am Kirchweihsamstag Schlachtschüssel, am Sonntag Tanzmusik. Und die Klavierlehrerin Fräulein Isolde Pfister und ihre Schülerinnen haben „beim Vorspiel in der Mädchenturnhalle jedem Musikfreund – und es waren derer nicht wenige erschienen – etliche frohe, herzerfreuende Stunden bereitet“.
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