Es ist schon bemerkenswert. Boris-André Meyer legt im Jahr mehrere tausend Kilometer auf dem Rad zurück. Mal sieht man den Stadtrat mit seinem Gefährt am Großglockner, mal hat er sich auf eine kleine Runde nach Rumänien aufgemacht. Als es nun im Umwelt- und Verkehrsausschuss um die Sanierung eines Radweges ging, stimmt er als Einziger dagegen.
Dabei hatte doch mit Jochen Büschl der Chef der städtischen Baubehörden ein Ansinnen der Verwaltung präsentiert, das die Situation für Radfahrer verbessern soll: So ist geplant, den auch von Spaziergängern genutzten Weg zwischen dem Siedlungsende in Neuses und dem nahen Ortsteil Wasserzell zu sanieren. In zwei Abschnitten soll das geschehen und nach aktueller Kalkulation den laufenden Haushalt mit zusammengenommen 433.500 Euro belasten.
Laut Vorlage in der Sitzung handelt es sich bei der fraglichen Strecke um einen Teil der ehemaligen Bundesstraße 13 ab Einmündung Wasserzell sowie um den parallel dazu verlaufenden Rad- und Fußweg bis hinein nach Neuses auf Höhe des Autohauses. Dort soll im Zuge dessen auch der Geh- und Radweg der Rothenburger Straße mit einer Breite von 3,20 Meter erneuert werden. Die Ortsdurchfahrt in Neuses, die bereits seit 2017 wegen ihres schlechten Zustandes auf der Prioritätenliste weit oben rangiert, bleibt davon unberührt.
Im Zuge der geplanten Zusammenlegung der alten Bundesstraße mit dem Geh- und Radweg ist vorgesehen, eine bislang geteerte Gesamtfläche von 1360 Quadratmetern zu entsiegeln. Demgegenüber soll der Weg aber auf vier Meter verbreitert werden – ein netter Nebeneffekt aus Sicht der Verwaltung, um die langfristige Nutzung für Landwirte sicherzustellen.
„Die beiden Wege befinden sich in einem miserablen Zustand“, leitete Büschl seine Ausführungen ein und schob eine plausibel klingende Begründung für die angestrebte Sanierung gleich hinterher. „Die Verkehrssicherheit insbesondere für den Radverkehr kann nicht mehr gewährleistet werden.“
Diesen Fakt wollte und will der Fraktionsvorsitzende der Offenen Linken (OLA) gar nicht bestreiten. Während Boris-André Meyer zwar die einstige auch von Landwirten genutzte Bundesstraße in weiten Teilen noch in einem passablen Zustand sieht, hat der Rad- und Fußweg seine besten Tage hinter sich. Risse säumen die Strecke, nicht selten ist der Asphalt gewölbt, zahlreiche dunkle Stellen belegen jahrelanges Flickwerk. Und doch hakte Meyer im Ausschuss mit hörbaren Zweifeln nach: „Ist diese Maßnahme zwingend erforderlich?“
Der passionierte Radfahrer zielte darauf ab, dass es durchaus Alternativen dazu gibt, eine knappe halbe Million Euro zum jetzigen Zeitpunkt in diese Sanierung fließen zu lassen. Denn nur etwa hundert Meter weiter südlich zu dem von der Verwaltung in den Fokus genommenen Bereich verläuft der Radweg Rezattal. „Das ist die Hauptroute aus Ansbach in Richtung Wasserzell“, erklärte Meyer, „die Strecke wird am meisten genutzt.“
Auch der Fraktionschef der Ansbacher CSU hatte angesichts der stolzen Summe Redebedarf. „Kann man den ersten Abschnitt der geplanten Sanierung nicht weglassen“, fragte Jochen Sauerhöfer an. Immerhin 350.000 Euro war die Antwort Büschls schwer: „Das ist aber genau der Bereich mit dem schlechtesten Zustand.“ Was Büschl freilich unerwähnt ließ: Gehen die Pläne der Verwaltung durch, werden Radfahrer von dem sanierten Weg weiter in die Ortsdurchfahrt Neuses geleitet. Und die verdient nicht erst seit 2017 den Titel „Schlaglochpiste“.
Einen Zeitpunkt, zu dem die Arbeiten beginnen sollen, gibt es derzeit nicht. Es handelte sich bei der Vorlage, der alle Ausschussmitglieder bis auf Boris-André Meyer zustimmten, um einen Grundsatzbeschluss. Gut möglich, dass dieser Posten bei den Haushaltsberatungen noch einmal auf den Prüfstand kommt.