Ansbach: Wie das Theater Kopfüber den „Selbstsüchtigen Riese” auf die Bühne bringt | FLZ.de

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Veröffentlicht am 19.11.2025 18:34

Ansbach: Wie das Theater Kopfüber den „Selbstsüchtigen Riese” auf die Bühne bringt

Schön ist sein Garten. Aber teilen will ihn der Riese mit niemandem. Er mauert sich ein – eine Szene aus dem neuen Figurentheaterstück des Ansbacher Theaters Kopfüber. (Foto: Elke Walter)
Schön ist sein Garten. Aber teilen will ihn der Riese mit niemandem. Er mauert sich ein – eine Szene aus dem neuen Figurentheaterstück des Ansbacher Theaters Kopfüber. (Foto: Elke Walter)
Schön ist sein Garten. Aber teilen will ihn der Riese mit niemandem. Er mauert sich ein – eine Szene aus dem neuen Figurentheaterstück des Ansbacher Theaters Kopfüber. (Foto: Elke Walter)

Am Buß- und Bettag präsentierte das Theater Kopfüber sein neues Familienstück für Menschen ab sechs Jahren. Claudia Kucharski brachte, unter der Regie von Lucia Svobodová Vrana sowie der musikalischen Gestaltung von Darius Gall, Oscar Wildes Märchen „Der selbstsüchtige Riese“ in einer eigenen Fassung auf die Bühne.

Einsam und brummelnd sitzt der selbstsüchtige Riese in seinem Garten. Nach sieben Jahren ist er von einer Reise zurückgekehrt, trifft dort auf fröhlich spielende Kinder und wunderschön blühende Bäume. Das missfällt ihm sehr, er verjagt die Mädchen und Jungen, wirft das Vogelnest herab, baut eine dicke Mauer um seinen Garten und um sich.

Der Garten wird vermauert

Mit den Kindern verschwindet auch das Leben aus dem Garten, nur noch Schnee, Frost, Hagel und Nordwind wollen sich dort zu Hause fühlen. Frühling, Sommer und Herbst, aber auch die Bäume haben kein Interesse mehr, innerhalb der Mauern zu erscheinen. Auch eine Reihe von Verbotsschildern, die Claudia Kucharski in ihrem malerischen Bühnenbild angebracht hat, hält die Menschen sowie jegliches Leben von der Mauer fern.

Außerhalb geht das Jahr seinen Gang, die Bäume erblühen im Frühjahr, schenken im Sommer Obst und im Herbst Nüsse für die Eichhörnchen, lassen die Kinder fröhlich den Schnee erleben. Nur hinter der Mauer bleibt zunächst noch alles trüb und eisig, der Wind fegt durch den leblosen Garten. Die Mauer scheint absolut undurchdringbar. Aber das soll sich allmählich ändern.

Mit viel Liebe zum Detail und einem feinen Gespür für die einzelnen Figuren erwecken die Regisseurin Lucia Svobodová Vrana und Claudia Kucharski die Kinder, geführt als Puppen, zum Leben – und auch den übergroßen, polternden Riesen und die Tiere. Kucharski lässt die Kinder lachen, beim Spielen vor Freude jauchzen und die Vögel lustvoll zwitschern. Der theatrale Griff in die Opern-Trickkiste erweist sich in der Inszenierung als Kabinettstückchen. Das Vogelmännchen darf sich im Opernhausambiente zur Aufnahme von Luciano Pavarottis „Nessun dorma“ mit großem Erfolg spielerisch zum Balzgesang ins Zeug legen. Da gab es bei der Vorpremiere von den Kindern sogar spontan Zwischenapplaus.

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Die Musik von Darius Gall, seit vielen Jahren Hauskomponist des Theaters, bringt eine weitere Facette mit ins Spiel. Die minimalistisch angelegten Klavierpassagen formen eine emotionale Atmosphäre, die zwischen fröhlich tanzenden Tastenläufen für das Spielen der Kinder, traurigen Momenten sowie dumpf bedrohlichen Moll-Tritten des Riesen oder auch dem zu neuem Leben erwachenden Garten variieren.

Poetische Klangmagie

Alles sehr passgenau und stimmungsvoll gesetzt, was dem Spiel selbst genügend Raum zum Wirken lässt. In Verbindung mit den zuvor von Hanna Seiß und Max Hausleitner, beide 6. Klasse, eingesprochenen Texten verleiht das dem intensiven Spiel von Claudia Kucharski eine traumhaft poetische Klangmagie.

Im Anschluss an die Vorpremiere durften die Kinder Fragen zum Stück sowie den Puppen stellen und dadurch ein wenig hinter die Kulissen des Theaterspielens blicken. Eine Märchenadaption, die nicht nur Kindern eine zauberhafte Stunde schenkte.

Nächste Vorstellung des „Selbstsüchtigen Riesen” im Theater Kopfüber: Sonntag, 23. November, 15 Uhr.


Von ELKE WALTER
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