Der Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg verlief in Stadt und Landkreis Ansbach langsam. Für Ansbach, wo die zusammengelegte Bezirksregierung von Ober- und Mittelfranken residierte, war der Sitz von zwei sogenannten „Detachments“ der US-Militärregierung vorgesehen: F2A3 für den Regierungsbezirk, G-228 für Stadt und Landkreis Ansbach.
Die für den Regierungsbezirk zuständige Einheit kam schon einen Tag nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen in Ansbach. Die Mitarbeiter des Detachment G-228 ließen noch lange auf sich warten. Anfangs übernahm diese Aufgabe eine Einheit, die in Gunzenhausen eingesetzt war und sich um die Ansbacher Belange nur am Rande kümmern konnte.
Vieles blieb in den ersten Wochen nach dem Einmarsch der Amerikaner unerledigt. Erst als sich am 9. Juli 1945 im Gebäude Promenade 4 gegenüber des Schlosses das „pin-pointed-Detachment“ mit Colonel William R. Whitacker an der Spitze niederließ, wurde mit dem Aufbau einer neuen zivilen Verwaltung und mit der Entnazifizierung begonnen.
Wenig später kam der damals erst 30-jährige Frank Dominic Horvay nach Ansbach, der sehr gut Deutsch sprach. Er spielte schnell eine entscheidende Rolle beim politischen Neubeginn. Er bildete einen Zirkel von Intellektuellen um sich, der sich mit Literatur und Kunst beschäftigte. Dazu gehörten unter anderem die Lehrer Karl Bosl und Heinrich Pospiech, aber auch der ernannte Oberbürgermeister Hans Schregle.
Schon kurze Zeit nach dem Einmarsch der Amerikaner war der Gymnasiallehrer Hans Schregle zum Oberbürgermeister Ansbachs ernannt worden und blieb dies bis Oktober 1945, als er Regierungspräsident wurde. Er löste den am 4. Mai 1945 eingesetzten Regierungspräsidenten Ernst Reichard ab. Der sogenannte „Beratende Ausschuss“, in dem die SPD mit sechs, die Demokratische Partei mit vier, die CSU mit drei und die KPD mit einem Sitz vertreten war, berief am 12. Oktober 1945 Ernst Körner zum neuen Oberbürgermeister.
Im Landkreis hatten die Amerikaner den bis 1934 amtierenden Oberbürgermeister Ansbachs, Wilhelm Borkholder, zum Landrat ernannt. Der verstarb aber nach nur zwei Monaten, und zum Nachfolger bestimmten die verantwortlichen Offiziere Richard Neff. Er war eigentlich auf der Durchreise nach München; eher zufällig wurde er in den ersten Julitagen 1945 Ansbacher Landrat.
Wie groß der Handlungsspielraum der neu eingesetzten Amtsträger war, ist schwer einzuschätzen. Sie waren anfangs, wie spöttisch in der Bevölkerung gemunkelt wurde, überbezahlte Laufburschen der Militärregierung. Langsam gewannen auch die amerikanischen Soldaten Vertrauen in die deutschen Amtsträger; schleichend konnten diese immer mehr Verantwortung übernehmen und eigenständige Entscheidungen treffen.
In der Stadt Ansbach trat am 18. September 1945 um 16 Uhr der neu eingesetzte „Beratende Ausschuss“ im Sitzungssaal des Stadthauses zusammen. Neben Colonel Wilson und Oberbürgermeister Dr. Schregle waren 13 Mitglieder des Gremiums zu der Sitzung gekommen. Dr. Hans Schregle wandte sich in englischer Sprache an den Vertreter der Militärregierung. Als Englischlehrer war er der Sprache perfekt mächtig.
In seiner Rede bezeichnete er die Sitzung als einen „Wendepunkt der Geschichte unserer Stadt“. Er rief die Not und die Angst der Bevölkerung während der Fliegeralarme in Erinnerung und sagte: „Besonders erinnern wir uns aber noch jenes Augenblickes, an dem an unsere Ohren die Kunde von der Erdoberfläche drang, dass endlich der Feind, der von vielen von uns als Befreier erwartet, seine Schritte in unsere Stadt gesetzt hat. Es war unverkennbar ein Gefühl der Entspannung, ein Gefühl der Befreiung, dass nun endlich einmal diese Tage der Bedrängnis und die Tage des Schreckens vorübergegangen waren und, meine Herren, ich würde eine Unterlassungssünde begehen, wenn ich nicht in diesem Augenblick dieses Mannes gedenken, der im Gegensatz zu uns allen es wagte, durch seine Tat das Grausamste von unserer Stadt abzuwenden. Sie wissen, welche Person ich im Auge habe; es ist ein früherer Schüler des Gymnasiums gewesen, Limpert, und das soll ihm nie vergessen werden, dass er es wagte, durch die Tat etwas zu leisten.“ Dr. Schregle forderte alle Anwesenden auf, sich für eine Gedenkminute für Robert Limpert zu erheben.
Danach führte er seinen Rückblick fort und fällte ein hartes Urteil über die NS-Zeit. Er bezeichnete sie als Zeit der Gesetzlosigkeit, der „Zerfetzung herkömmlicher moralischer Vorstellungen“ und als „Lockerung des allgemeinen Anstandes“. Er berichtete auch davon, dass es keine genauen Kenntnisse der Vorkommnisse gab, weil es weder Post noch Telefon gab. Die Sicherung der Ernährung sei anfangs das drängendste Problem gewesen. Er beklagte die Zerstörung weiter Teile der Infrastruktur in den letzten Kriegstagen und erwähnte die Sprengung der Rezatbrücken, Schäden am Stromnetz, an den Wasserleitungen und der Kanalisation.
Auch die Wohnungsnot sprach er an und die Sicherheit, weil die „Ansbacher Polizei von der Besatzungsmacht in die Gefangenschaft abgeführt“ worden war. Nur etwas verklausuliert erinnerte Schregle an die Verbrechen, die befreite Zwangsarbeiter in der unmittelbaren Nachkriegszeit verübten. Er dankte den französischen Zwangsarbeitern, die sich „in absolut einwandfreier, zuverlässiger und anständiger Weise für die Stadt eingesetzt haben“. Er drückte sein Unverständnis darüber aus, dass vom Dienst suspendierte Beamte nicht bei der Beseitigung der Bombenschäden helfen.
Nach den Ausführungen Schregles wurden die Ausschussmitglieder per Handschlag verpflichtet und vor allem auf die Verschwiegenheit hingewiesen. Es wurden Unterausschüsse gebildet, unter anderem ein Wirtschaftsausschuss, ein Ausschuss für Grundstückverwaltung und ein Ausschuss für Bau und Wiederaufbau. Weitere Besprechungspunkte dieser ersten Sitzung waren der Neuaufbau der Freiwilligen Feuerwehr, die Situation auf den Friedhöfen und der Wiederaufbau des Jüdischen Friedhofes. Mit dem Dank für die gute Zusammenarbeit mit den US-Einheiten schloss Schregle um 19.40 Uhr die Sitzung.