Für Liebhaber Alter Musik war das Konzert von Marsyas Baroque am Donnerstag ein pures Vergnügen. Erweitert um zwei weitere Instrumente, stellte das vielfach ausgezeichnete Quartett in St. Johannis Musik von Johann Sebastian Bach Werken französischer Kollegen gegenüber.
Musik des 17. und 18. Jahrhunderts stand bei diesem Programm im Mittelpunkt. Marsyas Baroque, es spielten Paula Pinn (Blockflöte, Barockfagott), Maria Carrasco Gil (Barockvioline), Jakob Kuchenbuch (Viola da Gamba), Cembalist Julius Lorscheider sowie als Gäste Katarszyna Olszewska (Barockvioline) und Michael Form (Blockflöten), widmeten sich mit großer Spielfreude der historisch basierten Klangwelt. Besondere Arrangements und auch ihre Originalklanginstrumente unterstrichen das sehr deutlich.
Bekannte Werke von Johann Sebastian Bach boten viel Ausgangsmaterial für eigene Arrangements des Ensembles. So etwa gleich zu Beginn die Passacaille g-Moll aus der Kantate „Jesu, der du meine Seele“, BWV 78, in einer Bearbeitung von Michael Form. Schwungvoll, klangschön und solistisch souverän, so zeigte sich die Musik der sechs.
Bach lieferte den roten Faden, der das Programm zusammenhielt. Elegant und grazil interpretierte das Ensemble dessen vierte Englische Suite G-Dur, BWV 809. Leonard Schick und Marsyas Baroque haben die Vorlage für Cembalo oder Clavichord für ihre Besetzung arrangiert, was der Vorlage eine ganz eigene Ausstrahlung verlieh.
Ein großes Vergnügen bot auch die Version des Concerto G-Dur nach BWV 592. Mit recht frischem Zugriff zeigte das Ensemble erneut sein hohes Können, filigran und transparent im Klang.
Als Solist empfahl sich Jakob Kuchenbuch, er war kurzfristig für Konstanze Waidosch eingesprungen, mit der Sarabande für Violoncello solo aus der Suite Nr. 1 G-Dur, BWV 1007. Hier gespielt auf der Viola da Gamba.
Dass Bach, wie viele seiner Kollegen, mit Musik seiner französischen Zeitgenossen vertraut war und sich davon inspirieren ließ, ist bekannt. So stellte das Ensemble seinen Werken Kompositionen französischer Barockmusiker gegenüber. Ein munterer musikalischer Dialog entstand, der alle Werke stimmig einschloss.
Michel Blavets (1700 bis 1768) Gracieux aus der Suite en E, hier arrangiert für Blockflöte und Violine: Flötenglanz und Violine-Glitzer. Etwas eher war die Suite B-Dur von Marin Marais (1656 bis 1728), als „Pièces en trio“ 1692 entstanden. Kammermusik mit Genussfaktor auf zwei Blockflöten, zwei Violinen und Basso Continuo.
Der dritte im Bund der Dialogpartner war der italienisch-französische Komponist Jean-Baptiste Lully (1632 bis 1687), der als Musiker am Hof Ludwig XIV Karriere gemacht hatte. Das Sextett interpretierte im ganz eigenen Tongewand die Passacaille d’Armide, LWV 71. Bach kannte dessen Musik vermutlich, hatte auch Einflüsse der französischen Musik aufgenommen, aber dennoch seinen ganz eigenen Stil entwickelt.
Die Werke des Programms hatte das Ensemble gut durchdacht ausgesucht und zusammengestellt. Durchwegs bestachen die Musikerinnen und Musiker mit hohem Können, harmonischem Zusammenspiel, stellenweise mit einem flirrenden Unterton sowie feinem Ausdruck. Ein Abend, der gleichzeitig die Neugier auf die Originalwerke zu wecken verstand.